ausrufen dieser Helden, deren schauerliches Geschick mich verwundet; ich sehe ihre Häupter mit Siegeslorbeern geschmückt, stolz und mächtig unter dem Beil niederrollen auf das Schafott. Ach Gott, ach Gott! welch lauter Schrei der Verzweiflung durchfährt mich bei diesen einbilderischen Träumen. Warum muss ich verzagen, da noch nichts verloren ist? – Ich hab ein Fieber, so glüht mir der Kopf. Auf dem tonnenförmigen Gipfel des Kofels, Speckbachers Horst, der schlaflos, keiner Speise bedürfend, mit besserer Hoffnung beflügelt, leicht wie ein Vogel schwebt über dem Augenblick, da es Zeit ist. Auf dem Brenner, wo Hofers unwandelbarer Gleichmut die Geschicke lenkt, die Totenopfer der Treue anordnet. Am Berge Isel, wo der Kapuziner den weissen Stecken in der Hand, alles erratend und vorbeugend, sich allen voranwagend, an der Spitze des Landvolks, siegbewusst über die Saaten niederjagt ins Tal. Da sehe ich auch mich unter diesen, die kurze grün und weisse Standarte schwingend, weit voran auf steilstem Gipfel, und der Sieg brennt mir in den Gliedern, und da kommt der böse Traum und haut mit geschwungener Axt mir die feste Hand ab, die niederstürzt mitsamt der Fahne in den Abgrund, dann ist alles so öde und stumm, die Finsternis bricht ein und alles verschwunden, nur ich allein auf der Felswand ohne Fahne, ohne Hand, verzeih's, dass ich so rase, aber so ist's.
Heute morgen noch mein letzter Traum, da trat einer zu mir auf dem Schlachtfeld, sanft von Gesicht, von gemessenem Wesen, als wär es Hofer; der sagte mitten unter Leichen stehend zu mir: Die starben alle mit grosser Freudigkeit. In demselben Augenblick erwachte ich unter Tränen, da lag Dein Brief auf dem Bett.
Ach, vereine Dich doch mit mir, Ihrer zu gedenken, die da hinstürzen ohne Namen, kindliche Herzen ohne Fehl, lustig geschmückt wie zur Hochzeit mit goldnen Sträussern, die Mützen geziert mit Schwungfedern der Auerhähne und mit Gemsbärten, das Zeichen tollkühner Schützen. Ja! Gedenke ihrer; es ist des Dichters Ruhm, dass er den Helden die Unsterblichkeit sichere!
6. Juni
Gestern, da ich Dir geschrieben hatte, da war die Sonne schon im Untergehen, da ging ich noch hinaus, ist mein täglicher Weg, da begegne ich oft einem, der auch nach den Tiroler Alpen späht. An jenem späten Abend, ich glaube es war in der Mitte Mai, wo Schwatz abbrannte, da war er mit auf dem Turm, da konnte er sich gar nicht fassen, er rang die hände und jammerte leise: "O Schwatz! O liebes Vaterland!" – Gestern war er wieder da und ergoss mit Freudebrausen den ganzen Schatz seiner Neuigkeiten vor mir. Wenn's demnach wahr ist, so haben die Tiroler am Herz-Jesu-fest (den Datum wusste er nicht) den Feind überwältigt und ganz Tirol zum zweitenmal befreit. Ich kann nicht erzählen, was er alles vorbrachte, Du würdest es so wenig verstehen wie ich; Speckbachers Witz hat durch eine Batterie von Baumstämmen, als ob es Kanonen wären und durch zusammengebundne Flintenläufe den Knall nachahmend, den Feind betrogen, gleich drauf die brücke bei Hall dreimal gestürmt und den Feind mitsamt den Kanonen zurückgetrieben, die Kinder dicht hinterdrein; wo der Staub aufwirbelte, schnitten sie mit ihren Messern die Kugeln aus und brachten sie den Schützen. Der Hauptsieg war am Berg Isel, dem Kapuziner ist der Bart weggebrennt. Die namhaften Helden sind alle noch vollzählig. Handbillett haben sie vom Kaiser mit grossen Verheissungen aus der Fülle seines Herzens. Wenn's auch nicht alles wahr wird, meinte mein Tiroler, so war's doch wieder ein Freudentag fürs Vaterland, der aller Aufopferung wert ist.
Vom Kronprinz hab ich kein Gedicht; ein einziges, was er am Tag vor seinem Auszug in den Krieg machte, an Heimat und die Geliebte, zeigte mir der alte getreue Pantalon, er will's unter keiner Bedingung abschreiben. Eine junge Muse der Schauspielkunst besitzt deren mehrere, der alte Bopp hat ihr auf meine Bitte drum angelegen, sie suchte danach unter den Teaterlumpen und fand sie nicht, sonst hätten sie zu Diensten gestanden, meinte sie, der Kronprinz würde ihr andere machen.
Gold und Perlen hab ich nicht, der einzige Schatz, nach dem ich gewiss allein greifen würde bei einer Feuersbrunst, sind Deine Briefe, Deine schönen Lieder, die Du mit eigner Hand geschrieben, sie sind verwahrt in der roten Sammettasche, die liegt nachts unter meinem Kopfkissen, darin ist auch noch der Veilchenstrauss, den Du mir in der Gesellschaft bei Wieland, so verborgen zustecktest, wo Dein blick wie ein Sperber über allen Blicken kreiste, dass keiner wagte aufzusehen. – Die junge Muse gibt es auf, die Opfer, die der Kronprinz ihr in Dichterperlen gereiht zu Füssen legte, unter dem Wust von falschem Schmuck und Flitterstaat wiederzufinden, und doch waren sie im Zauberhauch der Mondnächte bei dem Lied der Nachtigall erfunden, Silb um Silbe; Klang um Klang aufgereiht. Wer Silb um Silbe die nicht liebt, nicht diesen Schlingen sich gefangen gibt, der mag von Himmelskräften auch nicht wissen, wie zärtlich die von Reim zu Reim sich küssen.
Deine Mutter werde ich nicht vergessen, und sollt ich auch mitten im Kriegsgetümmel untergehen, so würde ich gewiss noch im letzten Moment die Erde küssen zu ihrem Andenken. Was ich Dir noch Merkwürdiges zu berichten habe, ist schon aufgeschrieben,