stand oben; – in der Ferne hörten wir Pauken und Trompeten, Signal der Freude über die Rückkunft des Königs; er war geflohen vor einer Handvoll waghalsiger Tiroler, die wollten ihn gefangen haben, warum liess er sich nicht fangen, da war er mitten unter Helden, keine bessere Gesellschaft für einen König; umsonst wär's nicht gewesen, der jubel würde nicht gering gewesen sein, von Angesicht zu Angesicht hätte er vielleicht bessere Geschäfte gemacht, er ist gut, der König, der muss sich auch fügen ins eiserne Geschick der falschen Politik. – Die Stadt war illuminiert, als wir hineinkamen, und mein Herz war bei dem allen schwer, sehr schwer, wollte gern mit jenen Felssteinen in die Tiefe hinabrollen, denn weil ich alles geschehen lassen muss. heute haben wir den 18. Mai, die Bäume blühen, was wird noch alles vorgehen, bis die Früchte reifen. Vorgestern glühte der Himmel über jenen Alpen, nicht vom Feuer der untertauchenden Sonne, nein, vom Mordbrand; da kamen sie in den Flammen um, die Mütter mit den Säuglingen, hier lag alles im schweigenden Frieden der Nacht, und der Tau tränkte die Kräuter, und dort verkohlte die Flamme den mit Heldenblut getränkten Boden.
Ich stand die halbe Nacht auf dem Turm im Hofgarten und betrachtete den roten Schein und wusste nicht, was ich davon denken sollte, und konnte nicht beten, weil es doch nichts hilft, und weil ein göttlich Geschick grösser ist als alle Not, und allen Jammer aufwiegt. –
Ach, wenn sehnsüchtiger Jammer beten ist, warum hat dann Gott mein heisses Gebet nicht erhört? – Warum hat er mir nicht einen Führer geschickt, der mich die Wege hinübergeleitet hätte? – Ich zittere zwar vor Furcht und Schrecken über allen Greuel, den man nimmer ahnen könnte, wenn er nicht geschehen wär, aber die stimme aus meinem Herzen hinüber zu ihnen übertäubt alles. Das Schloss der blinden Tannenberge haben sie verräterisch abgebrennt; Schwatz, Greise, Kinder, Heiligtümer; ach, was soll ich Dir schreiben, was ich nimmermehr selbst wissen möchte, und doch haben die Bayern selbst jubelnd sich dessen gerühmt, so was muss man tragen lernen mit kaltem Blut und muss denken, dass Unsterblichkeit ein ewiger Lohn ist, der alles Geschick überbietet. – Der König fuhr, da wir eben in die Stadt kamen, durch die erleuchteten Strassen, das Volk jauchzte, und Freudentränen rollten über die Wangen der harten Nation; ich warf ihm auch Kusshände zu, und ich gönn ihm, dass er geliebt ist. – Adieu, hab Dein treues Kind lieb, sag ihm bald ein paar Worte.
Bettine
An Goete
Am 22. Mai
Heute morgen zu meiner Überraschung erhielt ich Deinen Brief. Ich war gar nicht mehr gefasst darauf, schon die ganze Zeit schreibe ich meine Blätter als ein verzweifelter Liebhaber, der sie dem Sturmwind preisgibt, ob der sie etwa hintrage zu dem Freund, in den mein krankes Herz Vertrauen hat. So hat mich denn mein guter Genius nicht verlassen! Er durchsauset die Lüfte auf einem schlechten Postklepper, und am Morgen einer Nacht voll weinender Träume erblick ich erwachend das blaue Kuvert auf meiner grünen Decke.
So tretet denn, ihr steilen Berge, ihr schroffen Felswände, ihr kecken, racheglühenden Schützen, ihr verwüsteten Tale und rauchenden Wohnungen bescheiden zurück in den Hintergrund und überlasst mich einer ungemessenen Freude, die elektrische Kette, die den Funken von Ihm bis zu mir leitet, zu berühren, und unzähligemal nehm ich ihn in mich auf, Schlag auf Schlag, diesen Funken der Lust. – Ein grosses Herz, hoch über den Schrecken der Zeit, neigt sich herab zu meinem Herzen. Wie der silberne Faden sich niederschlängelt ins Tal zwischen hinabgrünenden Mai), sich unten sammelt und im Spiegel mir mein Bild zeigt, so leiten Deine freundlichen Worte hinab zu mir das schöne Bewusstsein, aufbewahrt zu sein im Heiligtum Deiner Erinnerungen, Deiner Gefühle; so wag ich's zu glauben, da dieser Glaube mir den Frieden gibt. –
O, lieber Freund, während Du Dich abwendest vor dem Unheil trüber Zeit, in einsamer Höhe Geschicke bildest und mit scharfen Sinnen sie lenkest, dass sie ihrem Glück nicht entgehen, denn sicher ist dies schöne Buch, welches Du Dir zum Trost über alles Traurige erfindest, ein Schatz köstlicher Genüsse, wo Du in feinen Organisationen und grossen Anlagen der Charaktere Stimmungen einleitest und Gefühle, die beseligen, wo Du mit freundlichem Hauch die Blume des Glücks erweckst und in geheimnisvoll glühenden Farben erblühen machst, was unser Geist entbehrt. – Ja, Goete, während diesem hat es sich ganz anders in mir gestaltet. – Du erinnerst Dich wohl noch, dass die Gegend, das Klima meiner Gedanken und Empfindungen, heiter waren, ein freundlicher Spielplatz, wo sich bunte Schmetterlinge zu Herden über Blumen schaukelten, und wie Dein Kind spielte unter ihnen, so leichtsinnig wie sie selber, und Dich, den einzigen Priester dieser schönen natur, mutwillig umjauchzte, manchmal auch tiefbewegt allen Reiz beglückter Liebe in sich sammelnd zu Deinen Füssen in Begeisterung überströmte. Jetzt ist es anders in mir, düstere Hallen, die prophetische Monumente gewaltiger Todeshelden umschliessen, sind der Mittelpunkt meiner schweren Ahnungen; der weiche Mondesstrahl, der goldnen Birke Duft dringen da nicht ein, aber wohl Träume, die mir das Herz zerreissen, die mir im Kopf glühen, dass alle Adern pochen. Ich liege an der Erde am verödeten Ort und muss die Namen