auf das Schreiben, und so muss man sich's versagen. Deinen romantisch-charakteristischen Erzählungen gleichlautende Gesinnungen deutlich auszusprechen. Ich muss daher erwarten, was Du durch eine Reihe von Briefen mich hoffen lässt, nämlich Dich selbst, um Dir alles mit Dank für Deine nie versiegende Liebe zu beantworten.
Erst in voriger Woche erhielt ich Dein Paket, was der Kurier in meiner Abwesenheit dem Herzog übergab, der es mir selbst brachte. Seine Neugierde war nicht wenig gespannt, ich musste, um nur durchzukommen, Deine wohlgelungenen politischen Verhandlungen ihm mitteilen, die denn auch so allerliebst sind, dass es einem schwer wird, sie für sich allein zu bewahren. Der Herzog bedauert sehr, dass Du im Interesse anderer Mächte bist. –
Ich habe mich nun hier in Jena in einen Roman eingesponnen, um weniger von allem Übel der Zeit ergriffen zu werden, ich hoffe, der Schmetterling, der da herausfliegt, wird Dich noch als Bewohner dieses Erdenrunds begrüssen und Dir beweisen, wie die Psychen auch auf scheinbar verschiednen Bahnen einander begegnen.
Auch Deine lyrischen Aufforderungen an eine frühere Epoche des Autors haben mir in manchem Sinne zugesagt, und wüchse der Mensch nicht aus der Zeit mehr noch wie aus Seelenepochen heraus, so würde ich nicht noch einmal erleben, wie schmerzlich es ist, solchen Bitten kein Gehör zu geben.
Deine interessanten Ereignisse mit dem hohen Protektor eigner feindlicher Widersacher macht mich begierig, noch mehr und auch von andrer Seite von ihm zu wissen, zum Beispiel könntest Du mir die Versuche und Bruchstücke seiner Gedichte, in deren Besitz Du bist, mitteilen, mit Vergnügen würde ich ihn in dem unbefangnen Spiel mit seiner jungen Muse beobachten.
Die Gelegenheiten, mir sicher Deine Briefe zu schicken, versäume ja nicht, sie sind mir in dieser armen Zeit äusserst willkommen. Auch was der Tag sonst noch mit sich bringt, berichte, von Freunden und merkwürdigen Leuten, Künsten und philosophischen Erscheinungen; da Du in einem Kreis vielfach aufgeregter Geister bist, so kann Dir der Stoff hier nicht ausgehen.
Möchten doch auch die versprochnen Mitteilungen über die letzten Tage meiner Mutter in diesen verschlingenden Ereignissen nicht untergehen, mir ist zwar mancherlei von Freunden über sie berichtet, wie sie mit grosser Besonnenheit alle irdischen Anordnungen getroffen; von Dir aber erwarte ich noch etwas anders, dass Dein liebender Sinn ihr ein Denkmal setze, in der Erinnerung ihrer letzten Augenblicke. Ich bin sehr in Deiner Schuld, liebes Kind, mit diesen wenigen Zeilen, ich kann Dir nur mit Dank bezahlen für alles, was Du mir gibst, geben möchte ich Dir das Beste, wenn Du es nicht schon unwiderstehlich an Dich gerissen hättest.
Der schwarze Fritz ist mir auch unter diesem Namen ein guter Bekannter, und die schönen Züge, die Du von ihm berichtest, bilden ein vollkommnes Ganze mit dem, was eine befreundete Erinnerung hinzubringt. Du hast wohl recht zu sagen, dass, wo der Boden mit Heldenblut getränkt wird, es in jeder Blume neu hervorspriesse, Deinem Helden gönne ich, dass Mars und Minerva ihm alles Glück zuwenden mögen, da er so schönem an Deiner Seite entrissen zu sein scheint.
17. Mai 1809
G.
An Goete
18. Mai
Der Kronprinz von Bayern ist die angenehmste unbefangenste Jugend, ist so edler natur, dass ihn Betrug nie verletzt, so wie den gehörnten Siegfried nie die Lanzenstiche verletzten. Er ist eine Blüte, auf welcher der Morgentau noch ruht, er schwimmt noch in seiner eignen Atmosphäre, das heisst: seine besten Kräfte sind noch in ihm. Wenn es so fort ginge und dass keine bösen Mächte seiner Meister würden? – Wie gut hatten's doch jene Ritter, die von geneigten Feen mit kräftigen Talismanen versehen wurden, wenn sie zwischen feurigen Drachen und ungeschlachten Riesen nach dem tanzenden wasser des Lebens oder nach goldnen Liebesäpfeln ausgesandt waren und eine in Marmor verwünschte Prinzessin, so rot wie Blut, so weiss wie Schnee, schön wie das ausgespannte Himmelszelt über dem Frühlingsgarten, als ihrer Erlösung Lohn ihnen zuteil wurde. – Jetzt ist die Aufgabe anders: die unbewachten Apfelbäume hängen ihre fruchtbeladenen Zweige über den Weg, und Liebchen lauscht hinter der Hecke, um den Ritter selbst zu fangen, und diesem allem soll er entgehen und sein Herz der Tugend weihen, die keine Jugend hat, sondern men möchte; la belle et la bête, la bête ist die Tugend und la belle ist die Jugend, die sich von ihr soll fressen lassen; da ist's denn kein Wunder, wenn die Jugend vor der Tugend Reissaus nimmt, und man kann ohne geheime parteiliche Wünsche nicht Zeuge von diesem Wettrennen sein. – Armer Kronprinz! Ich bin ihm gut, weil er mit so schönem Willen hinübergeht zu meinen Tirolern, und wenn er auch nichts tut, als der Grausamkeit wehrt, ich verlasse mich auf ihn.
Gestern bin ich zum erstenmal wieder eine Strecke weit ins Freie gelaufen, mit einem kapriziösen Liebhaber der Wissenschaften und Künste, mit einem sehr guten gehorsamen kind seiner eignen Launen, eine warme lebendige natur, breit und schmal, wie Du ihn willst, dreht sich schwindellos über einem Abgrund herum, steigt mit Vergnügen auf die kahlen Spitzen der Alpen, um nach Belieben in den Ozean oder ins Mittelländische Meer zu speien, macht übrigens wenig Lärm. Wenn Du ihn je siehst und nach dieser Beschreibung erkennst, so ruf ihn nur Rumohr, ich vermute, er wird sich nach Dir umsehen. – Mit diesem also hat meine unbefangne Jugend gewagt,