mit denen er seinen ersten Feldzug machen wird, anzuhören; ich konnte nichts Zusammenhängendes verstehen, aber was ich hörte, war mir nicht recht, er spricht von ihrer Tapferkeit, ihrer Ausdauer und Treue, von den abtrünnigen, verräterischen Tirolern, dass er sie, vereint mit ihnen, zum Gehorsam zurückführen werde, und dass er seine eigne Ehre mit der ihrigen verflechte und verpfände usw. Wie ich nach haus komme, wühlt das alles in mir, ich sehe schon im Geist, wie der Kronprinz, seinen Generalen überlassen, alles tut, wogegen sein Herz spricht, und dann ist's um ihn geschehen. So ein bayrischer General ist ein wahrer Rumpelbass, aus ihm hervor brummt nichts als Bayerns Ehrgeiz; das ist die grobe, rauhe stimme, mit der er alle besseren Gefühle übertönt.
Das alles wogte in meinem Herzen, da ich von dieser öffentlichen Rede zurückkam, und dass kein Mensch in der Welt einem Herrscher die Wahrheit sagt, im Gegenteil nur Schmeichler ihnen immerdar recht geben, und je tiefer sich ein solcher irrt, je gewaltiger ist in jenen die Furcht, er möge an ihrer Übereinstimmung zweifeln; sie haben nie das Wohl der Menschheit, sie haben nur immer die Gunst des Herrn im Auge. Ich musste also einen verzweifelten Schritt tun, um den Tumult der eignen Lebensgeister zu beschwichtigen, und ich bitte Dich im voraus um Verzeihung, wenn Du es nicht guteissen solltest.
Erst nachdem ich dem Kronprinzen meine Liebe zu ihm, meine Begeisterung für seinen Genius, Gott weiss in welchen Schwingungen, ans Herz getrieben habe, vertraue ich ihm meine Anschauung von dem Tirolervolk, das sich die Heldenkrone erwirbt, meine Zuversicht, er werde Milde und Schonung da verbreiten, wo seine Leute jetzt nur rohe Wut und Rachgierde walten lassen, ich frage ihn, ob der Name "Herzog von Tirol" nicht herrlicher klinge, als die Namen der vier Könige, die ihre Macht vereint haben, um diese Helden zu würgen? Und es möge nun ausgehen wie es wolle, so hoffe ich, dass er sich von jenen den Beinamen der Menschliche erwerben werde; dies ungefähr ist der Inhalt eines vier Seiten langen briefes, den ich, nachdem ich ihn in heftigster Wallung geschrieben (da ich denn auch nicht davor stehen kann, was alles noch mit untergelaufen), mit der grössten Kaltblütigkeit siegelte und ganz getrost in des Klaviermeisters hände gab, mit der Bedeutung: es seien wichtige Sachen über die Tiroler, die dem Kronprinz von grossem Nutzen sein würden. –
Wie gern macht man sich wichtig, mein Bopp purzelte fast die Stiegen herab, vor übergrosser Eile dem Kronprinzen den interessanten Brief zu überbringen, und wie leichtsinnig bin ich, ich vergass alles. Ich ging zu Winter, Psalmen singen, zu Tieck, zu Jacobi, nirgends stimmt man mit mir ein, ja alles fürchtet sich, und wenn sie wüssten, was ich angerichtet habe, sie würden mir aus Furcht das Haus verbieten, da sehe ich denn ganz ironisch drein und denke: seid ihr nur bayrisch und französisch, ich und der Kronprinz wir sind deutsch und tirolisch, oder er lässt mich ins Gefängnis setzen, dann bin ich mit einem Male frei und selbständig, dann wird mein Mut schon wachsen, und wenn man mich wieder loslässt, dann geh ich über zu den Tirolern und begegne dem Kronprinzen im Feld, und trotze ihm ab, was er so mir nicht zugesteht.
O Goete, wenn ich sollte ins Tirol wandern und zur rechten Zeit kommen, dass ich den Heldentod sterbe! Es muss doch ein ander Wesen sein, es muss doch eine Belohnung sein für solche lorbeergekrönten Häupter; der glänzende Triumph im Augenblick des Übergangs ist ja Zeugnis genug, dass die Begeisterung, die der Heldentod uns einflösst, nur Widerschein himmlischer Glorie ist. – Wenn ich sterbe, ich freue mich schon darauf, so gaukle ich als Schmetterling aus dem Sarg meines Leibes hervor, und dann treffe ich Dich in dieser herrlichen Sommerzeit unter Blumen, wenn ein Schmetterling Dich unter Blumen vorzieht und lieber auf Deiner Stirn sich niederlässt und auf Deinen Lippen als auf den blühenden Rosen umher, dann glaube sicher, es ist mein Geist, der auf dem Tiroler Schlachtfeld freigemacht ist von irdischen Banden, dass er hin kann, wo die Liebe ihn ruft.
Ja, wenn alles wahr würde, was ich schon in der Phantasie erlebt habe, wenn alle glanzvollen Ereignisse meines inneren Lebens auch im äussern sich spiegelten, dann hättest Du schon grosse und gewaltige Dinge von Deinem Kind erfahren, ich kann Dir nicht sagen, was ich träumend schon getan habe, wie das Blut in mir tobt, dass ich wohl sagen kann, ich hab eine sehnsucht, es zu verspritzen.
Mein alter Klaviermeister kam zurück, zitternd und bleich: "Was hat in den Papieren gestanden, die Sie mir für den Kronprinzen anvertrauten", sagte er, "wenn es mich nur nicht auf ewig unglücklich macht, der Kronprinz schien aufgeregt, ja erzürnt während dem Lesen, und wie er mich gewahr wurde, hiess er mich gehen, ohne wie sonst mir auch nur ein gnädiges Wort zu sagen." – Ich musste lachen, der Klaviermeister wurde immer ängstlicher, ich immer lustiger, ich freute mich schon auf meine Gefangenschaft, und wie ich da in der Einsamkeit meinen philosophischen Gedanken nachhängen würde, ich dachte: dann fängt mein Geschick doch einmal an, Leben zu gewinnen, es muss doch einmal was draus entstehen; aber so