, den Tod verachtet wie er.
Der Hund, der keinen Witz hat, nur Instinkt, und heiter in jedem Geschick das Rechte tut. – Ach hätte der Mensch nur so viel Witz, den eignen Instinkt nicht zu verleugnen.
20. April
In all diesen Tagen der Unruh, glaube's Goete, vergeht keiner, den ich nicht mit dem Gedanken an Dich beschliesse, ich bin so gewohnt, Deinen Namen zu nennen, nachts, eh ich einschlafe, Dir alle Hoffnung ans Herz zu legen, und alle Bitten und fragen in die Zukunft.
Da liegen sie um mich her, die Papiere mit der geschichte des tages und den Träumen der Nacht, lauter Verwirrung, Unmut, sehnsucht und Seufzer der Ohnmacht; ich mag Dir in dieser Zeit, die sich so geltend macht, nichts von meinem bedürftigen Herzen mitteilen, nur ein paar kleine Zufälle, die mich beschäftigen, schrieb ich Dir auf, damit ich nicht verleugne vor Dir, dass ein höheres Geschick auch mir Winke gab, obschon ich zu unmündig mich fühle, ihm zu folgen.
Im März war's, da leitete mir der Graf M..., bei dessen Familie ich hier wohne, eine wunderliche geschichte ein, die artig ausging. Der Hofmeister seines Sohnes gibt ihn bei der Polizei an, er sei österreichisch gesinnt und man habe an seinem Tisch die Gesundheit des Kaisers getrunken, er schiebt alles auf mich, und nun bittet er mich, dass ich auf diese Lüge eingehe, da es ihm sehr nachteilig sein könne, mir aber höchstens einen kleinen Verweis zuziehen werde, sehr willkommen war mir's, ihm einen Dienst leisten zu können, ich willige mit Vergnügen ein; in einer Gesellschaft wird mir der Polizeipräsident vorgestellt, unter dem Vorwand meine Bekanntschaft machen zu wollen, ich komme ihm zuvor und schütte ihm mein ganzes Herz aus, meine Begeisterung für die Tiroler, und dass ich aus sehnsucht alle Tage auf den Schnekkenturm steige mit dem Fernrohr, dass man heute aber eine Schildwache hingepflanzt habe, die mich nicht hinaufgelassen; gerührt über mein Zutrauen, küsst er mir die Hand und verspricht mir, die Schildwache wegzubeordern, – es war keine List von mir, denn ich hätte wirklich nicht gewusst, mich anders zu benehmen, indessen ist durch dieses Verfahren der Freund weiss gebrennt und ich nicht schwarz.
Ein paar Tage später, in der Karwoche, indem ich abends in der Dämmerung in meinem Zimmer allein war, treten zwei Tiroler bei mir ein, ich bin verwundert, aber nicht erschrocken. – Der eine nimmt mich bei der Hand und sagt: "Wir wissen, dass du den Tirolern gut bist und wollen dich um eine gefälligkeit bitten"; es waren Papiere an Stadion und mündliche Aufträge, sie sagten mir noch, es würde gewiss ein Augenblick kommen, da ich ihnen Dienste leisten könne, es war mir so wunderlich, ich glaubte, es könne eine List sein, mich auszuforschen, doch war ich kurz gefasst und sagte: "Ihr mögt mich nun betrügen oder nicht, so werde ich tun, was ihr von mir verlangt"; der Tiroler sieht mich an und sagt: "Ich bin Leibhusar des Königs, kein Mensch hat Arges gegen mich, und doch hab ich nichts im Sinn als nur, wie ich meinen Leuten helfen will, nun hast du mich in Händen und wirst nicht fürchten, dass ein Tiroler auch ein Verräter sein könne."
Wie die Tiroler weg waren, war ich wie betäubt, mein Herz schlug hoch vor Entzücken, dass sie mir dies Zutrauen geschenkt haben; am andern Tag war Karfreitag, da holte mich der Stadion ab, um mir eine stille Messe zu lesen. Ich gab ihm meine Depeschen und erzählte ihm alles, äusserte ihm voll Beschämung die grosse sehnsucht, dass ich fort möchte zu den Tirolern; Stadion sagt, ich soll mich auf ihn verlassen, er wolle einen Stutzen auf den rücken nehmen und ins Tirol gehen, und alles, was ich möchte, das wolle er für mich ausrichten, es sei die letzte Messe, die er mir lesen werde, denn in wenig Tagen sei seine Abreise bestimmt. Ach Gott, es fiel mir schwer aufs Herz, dass ich so bald den lieben Freund verlieren sollte.
Nach der Messe ging ich aufs Chor, Winter liess die Lamentation singen, ich warf ein Chorhemd über und sang mit, unterdessen kam der Kronprinz mit seinem Bruder, das Kruzifix lag an der Erde, das beide Brüder küssten, nachher umarmten sie sich; sie waren bis an den Tag entzweit gewesen über einen Hofmeister, den der Kronprinz, weil er ihn für untauglich hielt, von seinem Bruder entfernt hatte; sie versöhnten sich also hier in der Kirche miteinander, und mir machte es grosse Freude, zuzusehen. Bopp, ein alter Klaviermeister des Kronprinzen, der auch mir Unterricht gibt, begleitete mich nach haus, er zeigte mir ein Sonett, was der Kronprinz an diesem Morgen gedichtet hatte; schon dass er diesen Herzensdrang empfindet, bei Ereignissen, die ihn näher angehen, zu dichten, spricht für eine tiefere Seele; in ihm waltet gewiss das Naturrecht vor, dann wird er auch die Tiroler nicht misshandeln lassen; ja, ich hab eine gute Zuversicht zu ihm; der alte Bopp erzählt mir alles, was meinen Entusiasmus noch steigern kann. Am dritten Feiertag holte er mich ab in den englischen Garten, um die Anrede des Kronprinzen an seine versammelte Truppen,