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die Mutter sehr geliebt, und ich hatte auch verschiedene Aufträge vom Geheimen Rat an Sie, von denen er glaubte, dass Sie dieselben gerne übernehmen würden; ich habe nun alles so gut wie möglich selbst besorgt in diesen traurigen Tagen. Alles, was ich von Ihrer Hand unter den Papieren der Mutter fand, hab ich gewissenhaft an die Ihrigen abgegeben; ich fand es sehr wohlgeordnet mit gelben Band zugebunden und von der Mutter an Sie überschrieben.

Sie machen uns Hoffnung auf einen baldigen Besuch, der Geheime Rat und ich sehen diesen schönen Tagen mit Freuden entgegen, nur wünschen wir, dass es bald geschehe, da der Geheime Rat wahrscheinlich in der Mitte des monat Mai wieder nach Karlsbad gehen wird.

Er befindet sich diesen Winter ausserordentlich wohl, welches er doch den heilsamen Quellen zu danken hat. Bei meiner Zurückkunft kam er mir ordentlich jünger vor, und gestern, weil grosse Cour an unserm Hof war, sah ich ihn zum erstenmal mit seinen Orden und Bändern geschmückt, er sah ganz herrlich und stattlich aus, ich konnte ihn gar nicht genug bewundern, mein erster Wunsch war, wenn ihn doch die gute Mutter noch so gesehen hätte; er lachte über meine grosse Freude, wir sprachen viel von Ihnen, er trug mir auf, auch in seinem Namen zu danken für alles Gütige und Freundliche, was Sie mir erzeugen, er hat sich vorgenommen, selbst zu schreiben und meine schlechte Feder zu entschuldigen, mit der ich nicht nach Wunsch ausdrücken kann, wie wert mir Ihr Andenken ist, dem ich mich herzlich empfehle.

Weimar, am 1. Februar 1809

C.v. Goete

An Bettine

Du bist sehr liebenswürdig, gute Bettine, dass Du dem schweigenden Freunde immer einmal wieder ein lebendiges Wort zusprichst, ihm von Deinen Zuständen und von den Lokalitäten, in denen Du umherwandelst, einige Nachricht gibst; ich vernehme sehr gern, wie Dir zumute ist, und meine Einbildungskraft folgt Dir mit Vergnügen sowohl auf die Bergeshöhen als in die engen Schloss- und Klosterhöfe. Gedenke meiner auch bei den Eidechsen und Salamandern.

Eine Danksagung meiner Frau wird bei Dir schon eingelaufen sein, Deine unerwartete Sendung hat unglaubliche Freude gemacht, alles ist einzeln bewundert und hochgeschätzt worden. Nun muss ich Dir auch schnell für die mehreren Briefe danken, die Du mir geschrieben hast, und die mich in meiner Karlsbader Einsamkeit angenehm überraschten, unterhielten und teilweise wiederholt beschäftigten, so waren mir besonders Deine Explosionen über Musik interessant, so nenne ich diese gesteigerten Anschauungen Deines Köpfchens, die zugleich den Vorzug haben, auch den Reiz dafür zu steigern.

Damals schickte ich ein Blättchen an Dich meiner Mutter, ich weiss nicht, ob Du es erhalten hast. Diese Gute ist nun von uns gegangen, und ich begreife wohl, wie Frankfurt Dir dadurch verödet ist. – Alles, was Du mitteilen willst über Herz und Sinn der Mutter und über die Liebe, mit der Du es aufzunehmen verstehst, ist mir erfreulich. Es ist das Seltenste und daher wohl auch das Köstlichste zu nennen, wenn eine so gegenseitige Auffassung und Hingebung immer die rechte wirkung tut; immer etwas bildet, was dem nächsten Schritt im Leben zugut kommt, wie denn durch eine glückliche Übereinstimmung des Augenblicks gewiss am lebendigsten auf die Zukunft gewirkt ist, und so glaube ich Dir gern, wenn Du mir sagst, welche reiche Lebensquelle Dir in diesem Deinen Eigenheiten sich so willig hingebenden Leben versiegt ist; auch mir war sie dies, in ihrem Überleben aller anderen Zeugen meiner Jugendjahre bewies sie, dass ihre natur keiner andern Richtung bedurfte als zu pflegen und zu lieben, was Geschick und Neigung ihr anvertraut hatten; ich habe in der Zeit nach ihrem tod viele ihrer Briefe durchlesen und bewundert, wie ihr Geist bis zur spätesten Epoche sein Gepräge nicht verloren. Ihr letzter Brief war ganz erfüllt von dem Guten, was sich zwischen Euch gefunden, und dass ihre späten Jahre, wie sie selbst schreibt, von Deiner Jugend so grün umwachsen seien; auch in diesem Sinn also wie in allem andern, was Dein lebendiges Herz mir schon gewährt hat, bin ich Dir Dank schuldig.

Wilhelm Humboldt hat uns viel von Dir erzählt. Viel, das heisst oft. Er fing immer wieder von Deiner kleinen person zu reden an, ohne dass er so was recht Eigentliches zu sagen gehabt, woraus wir denn auf ein eigenes Interesse schliessen konnten. Neulich war ein schlanker Architekt von Kassel hier, auf den Du auch magst Eindruck gemacht haben.

Dergleichen Sünden magst Du denn mancherlei auf Dir haben, deswegen Du verurteilt bist. Gichtbrüchige und Lahme zu warten und zu pflegen.

Ich hoffe jedoch, das soll nur eine vorübergehende Büssung werden, damit Du Dich des Lebens desto besser und lebhafter mit den Gesunden freuen mögest.

Bring nun mit Deiner reichen Liebe alles wieder ins Geleis einer mir so lieb gewordenen Gewohnheit, lasse die Zeit nicht wieder in solchen Lücken verstreichen, lasse von Dir vernehmen, es tut immer seine gute und freundliche wirkung, wenn auch der Gegenhall nicht bis zu Dir hinüberdringt; so verzichte ich doch nicht darauf, Dir Beweise ihres Eindruckes zu liefern, an denen Du selbst ermessen magst, ob die wirkung auf meine Einbildungskraft den Zaubermitteln der Deinigen entspricht. Meine Frau, hör ich, hat Dich eingeladen, das tue ich nicht, und wir haben wohl beide recht. Lebe wohl, grüsse freundlich die Freundlichen und bleib mir Bettine. Weimar, den 22. Februar 1809

G.

An Goete

Wenn Deine Einbildungskraft geschmeidig