Abend in Deiner Nähe zubringe, und mir auch.
Und kann man uns vereint zusammen nennen,
So drückt man aus mein seligstes Behagen.
Du siehst, Freund, wie Du mich hinüberraten lässt in die Ewigkeit; aber das irdische Wort, was der Schlüssel zu allem ist, das kann ich nicht finden.
Aber Deinen Zweck hast Du erlangt, dass ich mich zufrieden raten solle, ich errate daraus meine Rechte, meine Anerkenntnis, meinen Lohn und die Bekräftigung unsers Bundes, und werde jeden Tag Deine Liebe neu erraten, verbrenne mich immer, wenn Du mich zugleich umfangen und spiegeln willst in Deinem Geist und vereint mit mir gern genennt sein willst.
Wenn Dir die Mutter schreibt, so macht sie den Bericht allemal zu ihrem Vorteil, die geschichte war so. Ein buntes Röckchen, mit Streifen und Blumen durchwirkt, und ein Flormützchen, mit silbernen Blümchen geschmückt, holte sie aus dem grossen Tafelschrank und zeigte sie mir als Deinen ersten Anzug, in dem Du in die Kirche und zu den Paten getragen wurdest. Bei dieser gelegenheit hörte ich die genaue geschichte Deiner Geburt, die ich gleich aufschrieb. Da fand sich denn auch der kleine Frankfurter Ratsherr mit der Allongeperücke! – Sie war sehr erfreut über diesen Fund und erzählte mir, dass man sie ihnen geschenkt habe, wie ihr Vater Syndikus geworden war. Die Schnallen an den Schuhen sind von Gold, wie auch der Degen und die Perlenquasten am Halsschmuck sind echt; ich hätte den kleinen Kerl gar zu gern gehabt. Sie meinte, er müsse Deinen Nachkommen aufbewahrt bleiben, und so kam's, dass wir ein wenig Komödie mit ihm spielten. Sie erzählte mir dabei viel aus ihrer eignen Jugend, aber nichts von Dir; aber eine geschichte, die mir ewig wichtig bleiben wird, und gewiss das Schönste, was sie zu erzählen vermag.
Du erfreust Dich an der geschichte des Myrtenbaums meiner Fritzlarer Nonne, er ist wohl die geschichte eines jeden feurig liebenden Herzens. Glück ist nicht immer das, was die Liebe nährt, und ich hab mich schon oft gewundert, dass man ihm jedes Opfer bringt, und nicht der Liebe selbst, wodurch allein sie blühen könnte, wie jener Myrtenbaum. Es ist besser, dass man Verzicht auf alles tue, aber die Myrte, die einmal eingepflanzt ist, die soll man nicht entwurzeln – man soll sie pflegen bis ans Ende.
Alles, was Du verlangst, hoff ich Dir noch zu sagen, Du hast recht vermutet, dass mir die Zerstreuung hier viel rauben würde, aber Dein Wille hat Macht über mich, und ich hoffe, er soll Feuer aus dem Geist schlagen. Die Herzogin von Baden ist fort, aber unsre Familie samt anhängenden Freunden ist so gross, dass wir ganz Schlangenbad übervölkern. Adieu, ich schäme mich meines dicken briefes, in dem viel Unsinn stecken mag. Wenn Du nicht frei Porto hättest, ich schickte ihn nicht ab.
Von der Mutter hab ich die besten Nachrichten.
Bettine
Zweiter teil
An Goete
Da ich Dir zum letztenmal schrieb, war's Sommer, ich war am Rhein und reiste später mit einer heiteren Gesellschaft von Freunden und Verwandten zu wasser bis Köln; als ich zurückgekommen war, verbrachte ich noch die letzten Tage mit Deiner Mutter, wo sie freundlicher, leidseliger war als je. Am Tag vor ihrem Tod war ich bei ihr, küsste ihre Hand und empfing ihr Lebewohl in Deinem Namen. Denn ich hab Dich in keinem Augenblick vergessen; ich wusste wohl, sie hätte mir gern Deine beste Liebe zum Erbteil hinterlassen.
Sie ist nun tot, vor welcher ich die Schätze meines Lebens ausbreitete; sie wusste wie und warum ich Dich liebe, sie wunderte sich nicht darüber. Wenn andre Menschen klug über mich sein wollten, so liess sie mich gewähren und gab dem Wesen keinen Namen. Noch enger hätte ich damals Deine Knie umschliessen mögen, noch fester, tiefer Dich ins Auge fassen und alle andre Welt vergessen mögen, und doch hielt dies mich ab vom Schreiben. Später warst Du so umringt, dass ich wohl schwerlich hätte durchdringen können.
Jetzt ist ein Jahr vorbei, dass ich Dich gesehen habe, Du sollst schöner geworden sein, Karlsbad soll Dich erfrischt haben. Mir geht's recht hinderlich, ich muss die Zeit so kalt hinstreichen lassen ohne einen Funken zu erhaschen, an dem ich mir eine Flamme anblasen könnte. Doch soll es nicht lange mehr währen, bis ich Dich wiederseh; dann will ich nur einmal Dich immer und ewig in meinen Armen festalten.
Diese ganze Zeit hab ich mit Jacobi beinah alle Abende zugebracht, ich schätze es immer als ein Glück, dass ich ihn sehen und sprechen konnte; aber dazu bin ich nicht gekommen, – aufrichtig gegen ihn zu sein, und die Liebe, die man seinem Wohlwollen schuldig ist, ihm zu bezeigen. Seine beiden Schwestern verpallisadieren ihn, es ist empfindlich, durch leere Einwendungen von ihm abgehalten zu werden. Er ist duldend bis zur Schwäche und hat gar keinen Willen gegen ein paar Wesen, die Eigensinn und Herrschsucht haben, wie die Semiramis. Die herrschaft der Frauen verfolgt ihn bis zur Präsidentenstelle an der Akademie, sie wecken ihn, sie bekleiden ihn, knöpfen ihm die Unterweste zu, sie reichen ihm Medizin, will er ausgehn, so ist's zu rauh, will er zu haus bleiben, so muss er sich Bewegung machen. Geht er auf die Akademie, so wird der Nimbus geschneutzt,