, die schwerlich bei dem Verstand die Maut passiert hätten; es war, als läg das Geheimnis der Schöpfung mir auf der Zunge. Der Ton, den ich lebendig in mir fühlte, gab mir die Empfindung, wie durch die Macht seiner stimme Gott alles hervorgerufen, und wie Musik diesen ewigen Willen der Liebe und der Weisheit in jeder Brust wiederholt. – Und ich war beherrscht von Gefühlen, die von der Musik getragen, durchdrungen, vermittelt, verändert, vermischt und gehoben wurden; ich war endlich so in mich versunken, dass selbst die späte Nacht mich nicht vom Platz brachte. Das Hofgeschwirr und die vielen Lichter, von deren Widerschein die Bäume in grünen Flammen brannten, sah ich von oben herab verschwinden; endlich war alles weg; kein Licht brannte mehr in den Häusern; ich war allein in der kühlen himmlischen Ruhe der Nacht; ich dachte an Dich! Ach, hätten wir doch beisammen unter jenen Bäumen gesessen und bei dem Rauschen und Plätschern der wasser miteinander geschwätzt!
Am 24. August
Immer noch hab ich Dir was zu erzählen; den letzten Abend am Rhein ging ich noch spät ins nächste Dorf mit Begleitung; als ich am Rhein hinschlenderte, sah ich von ferne etwas Flammendes heranschwimmen; es war ein grosses Schiff mit fackeln, die zuweilen das Ufer grell erleuchteten; oft verschwanden die Flammen; minutenlang war alles dunkel; es gab dem Fluss eine magische wirkung, die sich mir tief einprägte als Abschluss von allem, was ich dort erlebt habe.
Es war Mitternacht, – der Mond stieg trüb auf; das Schiff, dessen Schatten in dem erleuchteten Rhein wie die waldige Ingelheimer Aue, an der sie hinsteuerten, hinter welcher sich der Mond so mild bescheiden hervortrug und allmählich sich in die dünne Nebelwolke wie in einen Schleier entwickelte. – Wenn man der natur ruhig und mit Bedacht zusieht, greift sie immer ins Herz. Was hätte Gott meine Sinne inniger zuwenden können? – Was mich leichter von dem Unbedeutenden, was mich drückt, lösen können? – Ich schäme mich nicht, Dir zu bekennen, dass Dein Bild dabei heftig in meiner Seele aufflammte. Wahr ist's: Du strahlst in mich, wie die Sonne in den Kristall der Traube, und wie diese kochst Du mich immer feuriger, aber auch klarer aus.
Ich hörte nun die Leute auf dem Schiff schon deutlich sprechen und zur Arbeit anrufen; sie ankerten an der Insel, löschten die fackeln; – nun wurde alles still bis auf den Hund, der bellte, und die Flaggen, die sich in der frischen Nachtluft drehten. – Nun ging auch ich nach Haus zum Schlafen, und wenn Du's erlaubst, so legte ich mich zu Deinen Füssen nieder, und es belohnte mich der Traum mit Liebkosungen von Dir, wenn's nicht Falschheit war.
Wer wollte nicht an Erscheinung glauben! Beglückt mich doch die Erinnerung dieser Träume noch heute! Ja sag: was geht der Wirklichkeit ab? – O ich bin stolz, dass ich von Dir träume; ein guter Geist dient meiner Seele; er führt Dich ein, weil meine Seele Dich ruft; ich soll Deine Züge trinken, weil mich nach ihnen dürstet; ja, es gibt Bitten und Forderungen, die werden erhört. Nun wehr Dich immer gegen meine Liebe; was kann Dir's helfen? – Wenn ich nur Geist genug habe! – Dem Geist stehen die Geister bei.
Bettine
Am 30. August
Ich öffne das Siegel wieder, um Dir zu sagen, dass ich Deinen Brief vom 10. seit gestern abend in Händen habe, und habe ihn fleissig studiert. – O Goete, Du sagst zwar, Du willst keinen Krieg führen, und verlangst Friede, und schlägst doch mit dem Primas wie mit einer Herkuleskeule drein. Mutz mir doch den Primas nicht auf! – Wenn ich's ihm sagte, er spränge Decken hoch und verliebte sich in mich – aber Du bist nicht eifersüchtig. Du bist nur gütig und voll Nachsicht.
Deine Charade hab ich schlaftrunken ans Herz gelegt, aber geraten hab ich sie nicht; – wo hätt ich Besinnung hernehmen sollen? – Mag es sein, was es will, es macht mich selig; ein Kreis liebender Worte, – so unterscheidet man auch nicht Liebkosungen, man geniesst sie und weiss, dass sie die Blüten der Liebe sind. – Ach, ich möchte wissen was es ist:
Ich hoffe still; – doch hoff ich's zu erlangen,
Als Namen der Geliebten sie zu lallen.
Was hoffst Du? – sag mir's und wie soll die Geliebte Dir heissen? Welche Bedeutung hat der Name, dass Du mit Entzücken ihn nur zu lallen vermagst? –
In Einem Bild sie beide zu erblicken,
In Einem Wesen beide zu umfangen.
Wer sind die beide? Wer ist mein Nebenbuhler? In welchem Bild soll ich mich spiegeln? – und mit wem soll ich in Deinen Armen verschmelzen? – Ach, wie viele Rätsel in einem verborgen, und wie brennt mir der Kopf; – nein, ich kann es nicht raten; es will nicht gelingen, mich von Deinem Herzen loszureissen und zu spekulieren.
Es tut gar wohl, an schön beschlossnen Tagen
Eins an dem andern kecklich zu verbrennen.
Und kann man sie vereint zusammen nennen,
So drückt man aus ein seliges Behagen.
Das tut Dir wohl, dass ich an Dir verglühe, an schön beschlossnen Tagen, wo ich den