nicht umhin kann zu rügen, denn da Du listig genug bist, mich mitten im heissen Sommer aufs Eis zu führen, so möchte ich Dir auch meinen Witz zeigen, wie ich auch unvorbereitet und unverhofft mit Geschicklichkeit diese Winterfreuden zu bestehen wage; ich werde Dir nicht sagen, dass ich keinen lieber schmücken möchte wie Dich, denn schmucklos hast Du mich überrascht, und schmucklos wirst Du mich ewig ergötzen. Ich hing die Perlenreihe chinesischer Früchte zwischen den geöffneten Fensterflügeln auf, und da eben die Sonne drauf schien, so hatte ich gelegenheit, ihre wirkung an diesen balsamartigen Gewächsen zu beachten. Das brennende Rot verwandelte sich da, wo die Strahlen auflagen, bald in dunklen Purpur, in Grün und entschiedenes Blau; alles von dem echten Gold des Lichtes gehöht; kein anmutigeres Spiel der Farben habe ich lange beobachtet, und wer weiss, zu welchen Umwegen mich das alles verführen wird; zum wenigsten würde der Schwanenhals, von dem die Dir gehorsamen Schreibefinger der Mutter mir melden, schwerlich mich zu so entschiedenen Betrachtungen und Reflexionen veranlasst haben; und so hab ich es denn Deinem Willen ganz angemessen gefunden, mich so dran zu erfreuen und zu belehren, und ich hüte vielmehr meinen Schatz vor jedem lüsternen Auge, als dass ich ihn der Wahl preisgeben sollte. Deiner gedenk ich dabei und aller Honigfrüchte der Sonnenlande, und ausgiessen möchte ich Dir gerne die gesamten Schätze des Orients, wenn es auch wäre, um zu sehen, wie Du ihrer nicht achtest, weil Du Dein Glück in anderem begründet fühlst.
Dein freundlicher Brief, Deine reichen Blätter haben mich hier bei einer Zeit aufgesucht, wo ich Dich gerne selbst auf- und angenommen hätte. Es war eine Zeit der Ungeduld in mir; schon seit mehreren Posttagen sah ich allemal den freundlichen Postknaben, der noch in den Schelmenjahren ist, mit spitzen Fingern Deine wohlbeleibten Pakete in die Höhe halten. Da schickte ich denn eilig hinunter, sie zu holen, und fand meine Erwartung nicht betrogen; ich hatte Nahrung von einem Posttag zum andern; nun war sie aber zweimal vergeblich erwartet und ausgeblieben. Rechne mir's nicht zu hoch an, dass ich ungeduldig wurde; Gewohnheit ist ein gar zu süsses Ding. – Die liebe Mutter hatte aus einer übrigens sehr löblichen Ökonomie Deine Briefe gesammelt und sie der kleinen Schachtel beigepackt, und nun umströmt mich alles – eine andere Gegend, ein anderer Himmel, Berge, über die auch ich gewandert bin; Täler, in denen auch ich die schönsten Tage verlebt und trefflichen Wein getrunken habe; und der Rhein, den auch ich hinuntergeschwommen bin, in einem kleinen, lekken Kahn. Ich habe also ein doppeltes Recht an Dein Andenken; einmal war ich ja dort, und einmal bin ich bei Dir und vernehme mit beglückendem Erstaunen die Lehren Deiner Weisheit wie auch die so lieblichen Ereignisse, denn in allen bist Du es, die sie durch ihre Gegenwart verherrlicht.
Hier noch eine kleine wohlgemeinte Bemerkung, mit Dank für das Eingesendete, die Du demjenigen, den es angeht, gelegentlich mitteilen mögest: ob ich gleich den Nifelheimischen Himmel nicht liebe, unter welchem sich der..... gefällt, so weiss ich doch recht gut, dass gewisse Klimaten und Atmosphären nötig sind, damit diese und jene Pflanze, die wir doch auch nicht entbehren mögen, zum Vorschein komme. So heilen wir uns durch Renntiermoos, das an Orten wächst, wo wir nicht wohnen möchten, und, um ein ehrsameres Gleichnis zu brauchen, so sind die Nebel von England nötig, um den schönen grünen Rasen hervorzubringen.
So haben auch mir gewisse Aufschösslinge dieser Flora recht wohl behagt. Wäre es dem Redakteur jederzeit möglich, dergestalt auszuwählen, dass die Tiefe niemals hohl und die Fläche niemals platt würde, so liesse sich gegen ein Unternehmen nichts sagen, dem man in mehr als einem Sinne Glück zu wünschen hat. Grüsse mir den Freund zum schönsten und entschuldige mich, dass ich nicht selbst schreibe.
Wie lang wirst Du noch im Rheinlande verweilen? – Was wirst Du zu der Zeit der Weinlese vornehmen? Mich finden Deine Blätter wohl noch einige Monate hier, zwischen den alten Felsen, neben den heissen Quellen, die mir auch diesmal sehr wohltätig sind: ich hoffe, Du wirst mich nicht vergeblich warten lassen, denn meine Ungeduld zu beschwichtigen, alles zu erfahren, was in Deinem Köpfchen vorgeht, dafür sind diese Quellen nicht geeignet.
Meinem August geht es bis jetzt in Heidelberg ganz wohl. Meine Frau besucht in Lauchstädt Teater und Tanzsaal. Schon haben mich manche entfernte Freunde hier brieflich besucht; mit andern bin ich ganz unvermutet persönlich zusammengekommen.
Ich habe so lange gezaudert, daher will ich dies Blatt gleich fortschicken und schlage es an meine Mutter ein. Sage Dir alles selbst, wozu mir der Platz hier nicht gegönnt ist, und lasse mich gleich von Dir hören.
G.
Am 8. August
Überall wo es gut ist, das muss man zu früh verlassen; – so war es mir wahrlich gut bei Dir, drum musst ich Dich zu früh verlassen.
Ein guter lieber Aufentalt ist für mich, was das fruchtbare Land einem Schiffer ist, der eine unsichre Reise vorhat, er wird Vorrat einsammeln, soviel ihm Zeit und Mittel erlauben. Ach, wenn er auf der einsamen weiten See ist, wenn die frischen Früchte schwinden, das süsse wasser! – er sieht kein Ziel vor sich; – wie sehnsuchtsvoll wird die Erinnerung ans Land. – Jetzt geht mir