s verwünscht, dass ich sie da oben hingebracht hatte; keinem mocht ich's sagen, aber die Ungeduld hinüberzukommen! Ich hatte Fieber aus Angst um meine Briefe, ich konnte mir ja erwarten, der Regen würde irgendwo durchgedrungen sein und sie verderben; ach, sie haben auch ein bisschen Wassernot gelitten, aber nur ganz wenig, ich war so froh, wie ich von weitem die Distel blühen sah, da hab ich sie denn ausgegraben und in die Sonne gelegt; sie sind gleich trocken, und ich nehm sie mit. Die Distel hab ich zum ewigen Andenken wieder festgepflanzt. – Nun muss ich Dir auch erzählen, was ich hier oben für eine neue Einrichtung gefunden, nämlich oben im Beichtstuhl ein Brett befestigt und darauf einen kleinen viereckigen Bienenkorb. Die Bienen waren ganz matt und sassen auf dem Brettchen und an dem Korb. Nun muss ich Dir aus dem Kloster erzählen. Da war eine Nonne, die hiess man Mere celatrice, die hatte mich an sich gewöhnt, dass ich ihr alle Geschäfte besorgen half. Hatten wir den Wein im Keller gepflegt, so sahen wir nach den Bienen; denn sie war Bienenmutter, und das war ein ganz bedeutendes Amt. Im Winter wurden sie von ihr gefüttert, die Bienen saugten aus ihrer Hand süsses Bier. Im Sommer hingen sie sich an ihren Schleier, wenn sie im Garten ging, und sie behauptete, von ihnen gekannt und geliebt zu sein. Damals hatte ich grosse Neigung zu diesen Tierchen. Die Mere celatrice sagte, vor allem müsse man die Furcht überwinden, und wenn eine stechen wolle, so müsse man nicht zucken, dann würden sie nie stark stechen. Das hat mich grosse Überwindung gekostet, nachdem ich den festen Vorsatz gefasst hatte, mitten unter den schwärmenden Bienen ruhig zu sein, befiel mich die Furcht, ich lief, und der ganze Schwarm mir nach. Endlich hab ich's doch gelernt, es hat mir tausend Freude gemacht, oft hab ich ihnen einen Besuch gemacht und einen duftenden Strauss hingehalten, auf den sie sich setzten. Den kleinen Bienengarten hab ich gepflegt, und die gewürzigen dunklen Nelken besonders hab ich hineingepflanzt. Die alte Nonne tat mir auch den Gefallen, zu behaupten, dass man alle Blumen, die ich gepflanzt hatte, aus dem Honig herausschmecke. So lehrte sie mich auch, dass, wenn die Bienen erstarrt waren, sie wieder beleben. Sie rieb sich die Hand mit Nesseln und mit einem duftenden Kräutchen, welches man Katzenstieg nennt, machte den grossen Schieber des Bienenhauses auf und steckte die Hand hinein. Da setzten sie sich alle auf die Hand und wärmten sich, das hab ich oft auch mitgemacht; da steckte die kleine Hand und die grosse Hand im Bienenkorb. Jetzt wollt ich's auch probieren, aber ich hatte nicht mehr das Herz; siehst Du, so verliert man seine Unschuld und die hohen Gaben, die man durch sie hat.
Bald hab ich auch den Eigentümer des Korbes kennen lernen; indem ich am mitten Berg lag, um im Schatten ein wenig zu faulenzen, hört ich ein Getrappel im Traumschlummer, das war die Binger Schafherde nebst Hund und Schäfer; er sah auch gleich nach seinem Bienenkorb; er sagte mir, dass er noch eine Weile hier weide, da hab ihm der volle blühende Tymian und das warme sonnige Plätzchen so wohl gefallen, dass er den Schwarm junger Bienen hier herauf gepflanzt habe, damit sie sich recht wohl befinden, wenn sie sich dann mehren sollten und den ganzen gegitterten Beichtstuhl einnehmen, wenn er übers Jahr wiederkäme, so solle es ihm recht lieb sein.
Der Schäfer ist ein alter Mann; er hat einen langen grauen Schnurrbart, er war Soldat und erzählte mir allerlei von den Kriegsszenen und von der früheren Zeit; dabei pfiff er seinem Hund, der ihm die Herde regierte. Von verschiedenen Berggeistern erzählte er auch, das glaube er alles nicht, aber auf der Ingelheimer Höhe, wo noch Ruinen von dem grossen Kaisersaal stehen, da sei es nicht geheuer; er habe selbst auf der Heide im Mondschein einen Mann begegnet, ganz in Stahl gekleidet, dem sei ein Löwe gefolgt; und da der Löwe Menschen gewittert, so habe er fürchterlich geheult; da habe der Ritter sich umgekehrt, mit dem Finger gedroht und gerufen: "Bis stille, frevelicher Hund!" – da sei der Löwe verstummt und habe dem Mann die Füsse geleckt. Der Schäfer erzählte mir dies mit besonderm Schauer, und ich schauderte zum Pläsier ein klein bisschen mit; ich sagte: "Ich glaube wohl, dass ein frommer Schäfer sich vor dem Hüter eines Löwen fürchten muss." "Was?" sagte er, "ich war damals kein Schäfer, sondern Soldat und auch gar nicht besonders fromm; ich freite um ein Schätzchen und war herübergegangen nach Ingelheim um Mitternacht, um Tür und Riegel zu zwingen; aber in der Nacht ging ich nicht weiter; ich kehrte um." – "Nun", fragt ich, "Euer Schätzchen, das hat wohl umsonst auf Euch gewartet?" – "Ja", sagte er, "wo Geister sich einmischen, da muss der Mensch dahinten bleiben." – Ich meinte, wenn man liebe, brauche man sich vor Geistern nicht zu fürchten und könne sich grade dann für ihresgleichen achten; denn die Nacht ist zwar keines Menschen Freund, aber des Liebenden Freund ist sie.
Ich fragte den Schäfer, wie er sich bei