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auf den Schneidewall; dann hinter die schlimme Mauer, wo in der Jugend Dein Spielplatz war; dann zum Mainzer Törchen hinaus; auch in Offenbach war er mit mir und der Mutter, und sind gegen Abend bei Mondschein zu wasser wieder in die Stadt gefahren; da hat unterwegs die Mutter recht losgelegt von all Deinen Geschichten und Lustpartien; und da legte ich mich am Abend zu Bett mit trunkner Einbildung, was mir einen Traum eintrug, von dem die Erinnerung mir eine Zeitlang Nahrung sein wird. Es war, als lief ich in Weimar durch den Park, in dem ein starker Regen fiel; es war grade alles im ersten Grün, die Sonne schien durch den Regen. Als ich an Deine Tür kam, hört ich Dich schon von weitem sprechen; ich rief, – Du hörtest nicht, – da sah ich Dich auf derselben Bank sitzen, hinter welcher im vorigen Jahr die schöne breite Malve noch spät gewachsen war, – gegenüber lag auch die Katze wie damals, und als ich zu Dir kam, sagtest Du auch wieder: "Setze Dich nur dort üben zur Katze, wegen Deinen Augen, die mag ich nicht so nah." – Hier wachte ich auf, aber weil mir der Traum so lieb war, konnte ich ihn nicht aufgeben; ich träumte fort, trieb allerlei Spiel mit Dir und bedachte dabei Deine Güte, die solche Zutraulichkeit erlaubt. – Du! der einen Kreis des Lebendigen umfasset, in dem wir alle Dein Vertrauen in so mächtigen Zügen schon eingesogen haben. Ich fürchte mich manchmal, die Liebe, die rasch in meinem Herzen aufsteigt, wenn auch nur in Gedanken vor Dir auszusprechen; aber so ein Traum stürzt wie ein angeschwollner Strom über den Damm. Es mag sich einer schwer entschliessen, eine Reise nach der Sonne zu tun, weil ihn die Erfahrung, dass man da nicht ankommt, davon abhält; – mir gilt in solchen Augenblicken die Erfahrung nichts, und so scheint mir denn, Dein Herz zu erreichen in seinem vollen Glanze, nichts Unmögliches.

Molitor war gestern bei mir; ich las ihm die Worte über ihn aus Deinem Briefe vor, sie haben ihn sehr ergötzt; dieser Edle ist der Meinung, dass, da er einen Leib für die Juden zu opfern habe und einen Geist ihnen zu widmen, beide auch recht nützlich anzuwenden; es geht ihm übrigens nicht sehr wohl, ausser in seinem Vertrauen auf Gott, bei welchem er jedoch fest glaubt, dass die Welt nur durch Schwarzkunst wieder ins Gleichgewicht zu bringen ist. Er hat gross Vertrauen auf mich und glaubt, dass ich mit der Divinationskraft begabt bin; brav ist er und will ernstlich das Gute; bekümmert sich deswegen nicht um die Welt und um sein eigen Fortkommen; ist mit einem Stuhl, einem Bett und mit fünf Büchern, die er im Vermögen hat, sehr wohl zufrieden.

Adieu, ich eile Toilette zu machen, um mit Deiner Mutter und Deinem Sohn zum Primas zu fahren, der heute ihnen zu Ehren ein grosses fest gibt; – da werde ich denn wieder recht mit dem Schlaf zu kämpfen haben; diese vielen Lichter, die geputzten Leute, die geschminkten Wangen, das summende Geschwätz, haben eine narkotische unwiderstehliche wirkung auf mich.

Bettine

An Frau von Goete

Am 7. April

Erinnern Sie sich noch des Abends, den wir bei Frau von Schopenhauer zubrachten, und man eine Wettung machte, ich könne keine Nähnadel führen? – Ein Beweis, dass ich damals nicht gelogen habe, ist beikommendes Röcklein; ich hab es so schön gemacht, dass mein Talent für weibliche Handarbeit ohne Ungerechtigkeit doch nicht mehr im Zweifel gezogen werden kann. Betrachten Sie es indessen mit Nachsicht, denn im stillen muss ich Ihnen bekennen, dass ich meinem Genie beinahe zuviel zugetraut habe. Wenn Sie nur immer darin erkennen, dass ich Ihnen gern so viel Freude machen möchte, als in meiner Gewalt steht.

August scheint sich hier zu gefallen; das fest, welches der Fürstprimas der Grossmutter und dem Enkel gab, beweist recht, wie er den Sohn ehrt. Ich will indessen der Frau Rat nicht vorgreifen, die es Ihnen mit den schönsten Farben ausmalen wird. August schwärmt in der ganzen Umgegend umher; überall sind Jugendfreunde seines Vaters, die von den Höhen da und dort hindeuten und erzählen, welche glückliche Stunden sie mit ihm an so schönen Orten verlebten; und so geht es im Triumph von der Stadt aufs dem zierlichsten und reinsten Städtchen von der Welt, das mit himmelblauseidenem Himmel unterlegt ist, mit silbernen Wellen garniert und mit blühenden Feldern von Hyazinten und Tausendschönchen gestickt; da war des Erzählens der Erinnerungen an jene glückliche zeiten kein Ende.

Beiliegende Granaten hab ich aus Salzburg erhalten; tragen Sie dieselben zu meinem Andenken.

Bettine

Einliegende Bücher für den Geheimen Rat.

An Bettine

Weimar, den 20. April 1808

Auch gestern wieder, liebes Herz, hat sich aus Deinem Füllhorn eine reichliche Gabe zu uns ergossen, grade zur rechten Zeit und Stunde, denn die Frauenzimmer waren in grosser Überlegung, was zu einem angesagten fest angezogen werden sollte. Nichts wollte recht passen, als eben das schöne Kleid ankam, das denn sogleich nicht geschont wurde.

Da unter allen Seligkeiten, deren sich meine Frau vielleicht rühmen möchte, die Schreibseligkeit die allergeringste ist: so verzeihe Du, wenn sie nicht selbst die Freude ausdrückt, die Du ihr gemacht hast. Wie leer es bei uns aussieht, fällt mir erst recht auf, wenn ich