reich belaubt." – "So! Und da bist Du abends mit ihm hingeschlendert aus dem zigmal erzählt;" – "so erzähl's noch einmal. Hattet ihr denn Licht im Haus?" – "Nein, wir sassen vor der Tür auf der Bank, und der Mond schien hell." – "Nun! Und da ging ein kalter Wind?" – "Nein, es war gar nicht kalt, es war warm, und die Luft ganz still und wir waren auch still. Die reifen Früchte fielen von den Bäumen, er sagte: da fällt schon wieder ein Apfel und rollt den Berg hinab; da überflog mich ein Frostschauer; – der Wolfgang sagte: 'Mäuschen, du frierst', und schlug mir seinen Mantel um, den zog ich dicht um mich, seine Hand hielt ich fest, und so verging die Zeit; – wir standen beide zugleich auf und gingen Hand in Hand durch den einsamen Wiesengrund; – jeder Schritt klang mir wieder im Herzen, in der lautlosen Stille, – der Mond kam hinter jedem Busch hervor und beleuchtete uns, – da blieb der Wolfgang stehen, lachte mich an im Mondglanz und sagte zu mir: 'Du bist mein süsses Herz', so führte er mich bis zu seiner wohnung und das war alles." – "Das waren goldne Minuten, die keiner mit Gold aufwiegen kann", sagte die Mutter, "die sind nur dir beschert, und unter Tausenden wird's keiner begreifen, was dir für ein Glückslos zugefallen ist; ich aber verstehe es und geniesse es, als wenn ich zwei schöne Stimmen sich singend rede und Antwort geben hörte über ihr verschwiegenstes Glück."
Da holte mir die Mutter Deinen Brief und liess mich lesen, was Du über mich geschrieben hast, dass es Dir ein grosser Genuss sei, meine Mitteilungen über Dich zu hören; die Mutter meint, sie könne es nicht, es läg in meiner Art, zu erzählen, das Beste.
Da hab ich Dir nun diesen schönen Abend beschrieben.
Ich weiss ein Geheimnis: wenn zwei miteinander sind und der göttliche
Genius waltet zwischen ihnen, das ist das höchste Glück.
Adieu, mein lieber Freund.
An Goete
Ach frage nur nicht, warum ich schon wieder ein neues Blatt vornehme, da ich Dir doch eigentlich nichts zu sagen habe? – Ich weiss freilich noch nicht, womit ich's ausfüllen soll, aber das weiss ich, dass es doch zuletzt in Deine lieben hände kommt. Drum hauch ich's an mit allem, was ich Dir aussprechen würde, ständ ich selbst vor Dir. Ich kann nicht kommen, drum soll der Brief mein ungeteiltes Herz zu Dir hinübertragen, erfüllt mit Genuss vergangner Tage, mit Hoffnung auf neue, mit sehnsucht und Schmerz um Dich; da weiss ich nun keinen Anfang und kein Ende.
Von heute mag ich Dir nun gar nichts vertrauen, wie soll ich loskommen vom Wünschen, Sinnen und Wähnen; wie soll ich Dir mein treues Herz, das sich von allem zu Dir allein hinüberwendet, aussprechen? – Ich muss schweigen wie damals, als ich vor Dir stand, um Dich anzusehen. Ach, was hätt ich auch sagen sollen? – Ich hatte nichts mehr zu verlangen1.
Gestern waren viele witzige Köpfe im Haus Brentano beisammen, da wurden unter andern gymnastischen Geistesübungen auch Rätsel aufgegeben, da waren sehr geschickte Einfälle, und wie die Reihe an mich kam, da wusst ich nichts. Wie ich in der Verlegenheit mich umsah, und kein Gesicht, das mir einen befreundeten, verständlichen Ausdruck hatte, da erfand ich dies Rätsel. "Warum die Menschen keine Geister sehen?" – Keiner konnte es raten, ich sagte: "Weil sie sich vor Gespenster fürchten." – "Wer? – Die Menschen?" "Nein, die Geister." – Ja, so grausamlich kamen mir diese Gesichter vor und so fremd und unverständlich, aus denen nichts zu mir sprach wie aus Deinen geliebten Zügen, vor denen sich die Geister gewiss nicht fürchten; nein, es ist Deine Schönheit, dass die Geister mit Deinen Mienen spielen, und dies ist der unwiderstehliche Reiz für den Liebenden, dass der Geist ewig Dein Gesicht umströmt. Sonntag, ganz allein im einsamen grossen Haus, alles ist ausgefahren, geritten und gegangen, Deine Mutter ist vor dem Bockenheimer Tor im Garten, weil heute die Birnen geschüttelt werden von dem Baum, der bei Deiner Geburt gepflanzt wurde.
Bettine
An Bettine
Du bist ein feines Kind, ich lese Deine lieben Briefe mit innigem Vergnügen und werde sie gewiss immer wieder lesen mit demselben Genuss. Dein Malen des Erlebten samt aller inneren Empfindung von Zärtlichkeit und dem, was Dir Dein witziger Dämon eingibt, sind wahre Originalskizzen, die auch neben den ernsteren Beschäftigungen ihr hohes Interesse nicht verleugnen, nimm es daher als eine herzliche Wahrheit auf, wenn ich Dir danke. Bewahre mir Dein Vertrauen und lasse es womöglich noch zunehmen. Du wirst mir immer sein und bleiben, was Du bist. Mit was kann man Dir auch vergelten als nur, dass man sich willig von allen Deinen guten Gaben bereichern lässt. Wieviel Du meiner Mutter bist, weisst Du selbst, ihre Briefe fliessen in Lob und Liebe über. Fährst Du so fort, den flüchtigen Momenten guten Glückes lieblicher Denkmale der Erinnerung zu widmen: ich stehe Dir nicht dafür, dass ich mir's anmassen könnte, solche geniale