Wenn's kreuz und quer schneite, da wusst ich, das war so ein recht Wetter für Dich, ich braucht nicht lange zu warten, so warst Du da. Jetzt guck ich auch immer noch aus alter Gewohnheit nach der Ecke von der Katarinenpfort, aber Du kommst nicht, und weil ich das ganz gewiss weiss, so kümmert's mich. Es kommen Visiten genug, das sind aber nur so Leutevisiten, mit denen ich nichts schwätzen kann.
Die Franzosen hab ich auch gern – das ist immer ein ganz ander Leben, wenn die französische Einquartierung hier auf dem Platz ihr Brot und Fleisch ausgeteilt kriegt, als wenn die preussische oder hessische Holzböck einrücken.
Ich hab recht meine Freud gehabt am Napoleon, wie ich den gesehen hab; er ist doch einmal derjenige, können sich die Menschen bedanken, denn wenn sie nicht träumten, so hätten sie auch nichts davon und schliefen wie die Säck, wie's die ganze Zeit gegangen ist.
Amüsiere Dich recht gut und sei lustig, denn wer lacht, kann keine Todsünd tun.
Deine Freundin
Elisabet Goete
Nach dem Wolfgang frägst Du gar nicht; ich hab Dir's ja immer gesagt: wart nur bis einmal ein andrer kommt, so wirst Du schon nicht mehr nach ihm seufzen.
Frau Rat!
Am 20. März 1807
Geh Sie doch mit Ihren Vorwürfen; – das antwort ich Ihr auf Ihre Nachschrift, und sonst nichts.
Jetzt rat Sie einmal, was der Schneider für mich macht. Ein Andrieng? – Nein! Eine Kontusche? – Nein! Einen Joppel? – Nein! Eine Mantille? – Nein! Ein paar Boschen? – Nein! Einen Reifrock? – Nein! Einen Schlepprock? – Nein! Ein Paar Hosen? – Ja! – Vivat – jetzt kommen andre zeiten angerückt – und auch eine Weste und ein Überrock dazu. Morgen wird alles anprobiert, es wird schon sitzen, denn ich hab mir alles bequem und weit bestellt, und dann werf ich mich in eine Chaise und reise Tag und Nacht Kurier durch die ganzen Armeen zwischen Feind und Freund durch; alle Festungen tun sich vor mir auf, und so geht's fort bis Berlin, wo einige Geschäfte abgemacht werden, die mich nichts angehn. Aber dann geht's eilig zurück und wird nicht eher haltgemacht bis Weimar. O Frau Rat, wie wird's denn dort aussehen? – Mir klopft das Herz gewaltig, obschon ich noch bis zu Ende April reisen kann, ehe ich dort hinkomme. Wird mein Herz auch Mut genug haben, sich ihm hinzugeben? – Ist mir's doch, als ständ er eben vor der doch bei Ihr! – Das allein könnt mich ruhig machen, dass ich säh, wie Sie auch vor Freud ausser sich wär, oder wollt mir einer einen Schlaftrunk geben, dass ich schlief, bis ich bei ihm erwachte. Was werde ich ihm sagen? – Ach, nicht wahr, er ist nicht hochmütig? – Von Ihr werde ich ihm auch alles erzählen, das wird er doch gewiss gern hören. Adieu, lebe Sie wohl und wünsch Sie mir im Herzen eine glückliche Reis. Ich bin ganz schwindlig.
Bettine
Aber das muss ich Ihr doch noch sagen, wie's gekommen ist. Mein Schwager kam und sagte, wenn ich seine Frau überreden könne, in Männerkleidern mit ihm eine weite Geschäftsreise zu machen, so wolle er mich mitnehmen und auf dem Rückweg mir zulieb über Weimar gehen. denke Sie doch, Weimar schien mir immer so entfernt, als wenn es in einem andern Weltteil läg, und nun ist's vor der Tür.
Liebe Frau Rat!
Am 5. Mai 1807
Eine Schachtel wird Ihr mit dem Postwagen zukommen, beste Frau Mutter, darin sich eine Tasse befindet; es ist das sehnlichste Verlangen, Sie wieder zu sehen, was mich treibt, Ihr solche unwürdige Zeichen meiner Verehrung zu senden. Tue Sie mir den Gefallen, Ihren Tee früh morgens draus zu trinken, und denke Sie meiner dabei. – Ein Schelm gibt's besser, als er's hat.
Den Wolfgang hab ich endlich gesehen; aber ach, was hilft's? Mein Herz ist geschwellt wie das volle Segel eines schiffes, das fest vom Anker gehalten ist am fremden Boden und doch so gern ins Vaterland zurück möchte.
Adieu, meine liebe gute Frau Mutter, halt Sie mich lieb.
Bettine Brentano
Goetes Mutter an Bettine
Am 11. Mai 1807
Was lässt Du die Flügel hängen? Nach einer so schönen Reise schreibst Du einen so kurzen Brief, und schreibst nichts von meinem Sohn, als dass Du ihn gesehen hast; das hab ich auch schon gewusst, und er hat mir's gestern geschrieben. Was hab ich von Deinem geankerten Schiff? Da weiss ich soviel wie nichts. schreibe doch, was passiert ist. denke doch, dass ich ihn acht Jahre nicht gesehen hab und ihn vielleicht nie wieder sehe, wenn Du mir nichts von ihm erzählen willst, wer soll mir dann erzählen? – Hab ich nicht Deine alberne Geschichten hundertmal angehört, die ich auswendig weiss, und nun, wo Du etwas Neues erfahren hast, etwas Einziges, wo Du weisst, dass Du mir die grösste Freud machen könntest, da schreibst Du nichts. Fehlt Dir denn was? – Es ist ja nicht übers Meer bis nach Weimar. Du hast ja jetzt selbst erfahren, dass man