1835_Arnim_002_208.txt

es werde mir gelingen.

Zur geschichte des Monuments gehört noch, dass ich es selbst zu Goete brachte. Nachdem er es lange angesehen hatte, brach er in lautes lachen aus; ich fragte: "Nun! Mehr kannst du nicht als lachen?" – Und Tränen erstickten meine stimme. – "Kind! Mein liebstes Kind!" rief er mit Wehmut, "es ist die Freude, die laut aus mir aufjauchzt, dass du liebst, mich liebst; denn so was konnte nur die Liebe tun." – Und feierlich mir die hände auf den Kopf legend: "Wenn die Kraft meines Segens etwas vermag, so sei sie dieser Liebe zum Dank auf dich übertragen." – Es war das einzigemal, wo er mich segnete, anno 24 am 5. September.

***

Der Freund weiss, dass die sehnsucht nicht ist, wie der Mensch sich von ihr denkt, wie von dem Brausen des Windes und von beiden falsch; nämlich, dass beide so sind und auch wohl wieder vergehen; und die Frage: Warum und woher und wohin, ist ihnen bei der sehnsucht wie bei dem Wind. Aber: wie hoch herab senken sich wohl diese Kräfte, die das junge Gras aus dem Boden hervorlocken? – Und wie hoch hinauf steigen wohl diese Düfte, die sich den Blumen entschwingen? – Ist da eine Leiter angelegt? – Oder steigen alle Gewalten der natur aus dem Schoss der Gotteit herab und ihre einfachsten Erzeugnisse wieder zu ihrem Erzeuger hinauf? – Ja gewiss! – Alles, was aus göttlichem Segen entspringt, kehrt zu ihm hinauf! Und die sehnsucht nach Ihm, der erst niedersank wie Tau auf den durstigen Boden des menschlichen Geistes, der hier in seine herrlichste Blüte sich entfaltete, der aufstieg im Duft seiner eigenen Verklärung: sollte diese sehnsucht nicht auch himmelan steigen? – Sollte sie den Weg zu ihm hinauf nicht finden? –

Dieses Fleisch ist Geist geworden

Diese Worte habe ich als Inschrift des Monuments erwählt. Was der Liebende dir zuruft, Goete, es bleibt nicht ohne Antwort. Du belehrst, du erfreust, du durchdringst, du machst fühlbar, dass das Wort Fleisch annimmt in des Liebenden Herz.

Wie der Ton hervorbricht aus dem Nichts und wieder hinein verhallt, der das Wort trug, was nie verhallt, was in der Seele klingt und alle verwandten Harmonien ausruft: so bricht auch die Begeisterung hervor aus dem Nichts und trägt das Wort ins Fleisch und verhallt dann wieder. – Der Geist aber, der sich vermählt mit der Weisheit des Wortes, wie jene himmlischen Kräfte sich im Boden vermählen mit dem Samen, aus dessen Blumen sie im Duft wieder aufsteigen zu ihrem Erzeuger, der wird auch emporsteigen, und ihm wird Antwort ertönen vom himmlischen Äter herab.

Der Zug der Lüfte, die auch aufseufzen und daherbrausen wie die sehnsucht, von denen wir nicht wissen, von wannen, die haben auch keine Gestalt; sie können nicht sagen: "Das bin ich!" Oder: "Das ist mein!" – Aber der Atem der Gotteit durchströmt sie, der gibt ihnen Gestalt; denn er gebärt sie durch das Wort ins Fleisch. – Du weisst, dass die Liebe die einzige Gebärerin ist; – dass, was sie nicht darbringt dem himmlischen Erzeuger, nicht zur ewigen Sippschaft gehöre? – Was ist Wissen, das nicht von der Liebe ausgeht? – Was ist Erfahrung, die sie nicht gibt? – Was ist Bedürfnis, das nicht nach ihr strebt? – Was ist Handeln, das nicht sie übt? – Wenn Du die Hand ausstreckst und hast den Willen nicht, die Liebe zu erreichen, was hast Du da? – Oder was erfassest Du? – Der Baum, den Du mit allen Wurzeln in die Grube einbettest, dem Du die fruchtbare Erde zuträgst, die Bäche zuleitest, damit er, der nicht wandern kann, alles habe, was ihn gedeihen macht, der blüht Dir und Deine sorge schenkst Du ihm darum; ich auch tue alles, damit sein Andenken mir blühe. – Die Liebe tut alles sich zu lieb, und doch verlässt der Liebende sich selber und geht der Liebe nach.

Ende des Tagebuchs

Fussnoten

1 Warum ich wieder zum Papier mich wende? Das musst du, Liebster, so bestimmt nicht fragen: Denn eigentlich hab ich dir nichts zu sagen; Doch kommt's zuletzt in deine lieben hände. Weil ich nicht kommen kann, soll, was ich sende Mein ungeteiltes Herz hinübertragen Mit Wonnen, Hoffnungen, Entzücken, Plagen: Das alles hat nicht Anfang, hat nicht Ende. Ich mag vom heute'gegen Tag dir nichts vertrauen, Wie sich im Sinnen, Wünschen, Wähnen, Wollen Mein treues Herz zu dir hinüber wendet: So stand ich einst vor dir, dich anzuschauen, Und sagte nichts. Was hätt ich sagen sollen? Mein ganzes Wesen war in sich vollendet.

(Goetes Werke, 2. Band Seite 11)

2 Ein blick von deinen Augen in die meinen,

Ein Kuss von deinem Mund auf meinem mund,

Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde,

Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?

entfernt von dir, entfremdet von den Meinen, Führ ich stets die Gedanken in die Runde, Und immer treffen sie auf jene Stunde, Die einzige; da fang ich an zu weinen. Die Träne trocknet wieder unversehens: Er liebt ja, denke ich, her in diese Stille, Und