Stufe den Olympos herab, und leise rollend flüchteten sie in die Ferne, kein zweiter Schlag folgte. –
"Hält man das Liebchen im Arm: lässt man die Wetter überm Haupt sich ergehen!" Das waren Deine letzten Worte da oben, wir gingen hinab, Hand in Hand. – Die Nacht brach ein, in der Stadt zündete die Obstfrau eben ihr Licht an, um ihre Äpfel zu beleuchten, Du bliebst stehen und sahst mich lange an. – "So benützt Amor die Leuchte der Alten, und man betrachtet bei einer Laterne seine Äpfel und sein Liebchen." – Dann führtest Du mich schweigend bis zu meiner wohnung, küsstest mich auf die Stirn und schobst mich zur Haustür hinein. Süsser Friede war die Wiege meiner träumenden Lust bis zum andern Morgen.
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An den Freund
Nach zehn Jahren ward dies schöne Ereignis, was so deutlich in meinem Gedächtnis eingeprägt blieb, Veranlassung zur Erfindung von Goetes Monument. Moritz Betmann aus Frankfurt am Main hatte es bestellt, er wünschte, der unwidersprechliche Charakter des Dichters möge drin ausgedrückt werden. Er traute mir das Talent zu, dass ich die idee dazu finden würde, obschon ich damals noch nichts mit der Kunst zu schaffen gehabt hatte. – In demselben Augenblick fiel mir Goete ein, wie er damals am Rand des berges gestanden, den Mantel unter den Armen hervor zusammengeworfen, ich an seiner Brust. – Das Erfindungsfieber ergriff mich, oft musst ich mich zerstreuen, um nur nicht mich ganz überlassen zu dürfen dem Gebrause der Imagination und den Erschütterungen der Begeistrung. Nachdem ich die Nächte nicht geschlafen und am Tag nichts genossen, war meine idee gereinigt vom Überflüssigen und entschieden fürs Wesentliche.
Ein verklärtes Erzeugnis meiner Liebe, eine Apoteose meiner Begeistrung und seines Ruhms; so nannte es Goete, wie er es zum erstenmal sah. Goete in halber Nische auf dem Tron sitzend, sein Haupt über die Nische, welche oben nicht geschlossen, sondern abgeschnitten ist, erhaben, wie der Mond sich über den Bergesrand heraufhebt. Mit nackter Brust und Armen. Den Mantel, der am Hals zugeknöpft ist, über die Schultern zurück, unter den Armen wieder hervor, im Schosse zusammengeworfen, die linke Hand, welche damals nach den Gewittern deutete, hebt sich jetzt über der Leier ruhend, die auf dem linken Knie steht; die rechte Hand, welche meine Blumen hielt, ist in derselben Art gesenkt und hält, nachlässig seines Ruhms vergessend, den vollen Lorbeerkranz gesenkt, sein blick ist nach den Wolken gerichtet, die junge Psyche steht vor ihm wie ich damals, sie hebt sich auf ihren Fussspitzen, um in die saiten der Leier zu greifen, und er lässt's geschehen, in Begeistrung versunken. Auf der einen Seite der Tronlehne ist Mignon als Engel gekleidet mit der Überschrift: "So lasst mich scheinen, bis ich werde", jenseits Bettina, wie sie, zierliche kindliche Mänade, auf dem Köpfchen steht, mit der Inschrift: "Wende die Füsschen zum Himmel nur ohne sorge! Wir strekken arme betend empor, aber nicht schuldlos wie Du."
Es sind jetzt acht Jahre her, dass ein hiesiger Künstler15 die gefälligkeit hatte, mit mir eine Skizze in Ton von diesem Monument zu machen, es steht in Frankfurt auf dem Museum, man war sehr geneigt, es in Ton ausführen zu lassen, da gab Goete das Frankfurter Bürgerrecht auf, dies verminderte zu sehr das Interesse für ihn, als dass man noch mit der Energie, die dazu nötig war, die Sache betrieben hätte, und so ist's bis heute unterblieben. Ich selbst hab oft in mich hineingedacht, was meine Liebe zu ihm denn wohl bedeute, und was daraus entspringen könne, oder ob sie denn ganz umsonst gewesen sein solle, da fiel mir's in diesen letzten Tagen ein, dass ich so oft schon als Kind überlegte, wenn er gestorben wär, was ich da anfangen solle, was aus mir werden solle, und dass ich da immer mir dachte, auf seinem Grab möchte ich ein Plätzchen haben, bei seinem Denkmal möchte ich versteinert sein wie jene Steinbilder, die man zu seinem ewigen Nachruhm aufstellen werde; ja, ich sah im Geist mich in ein solches Hündchen, das gewöhnlich zu Füssen hoher Männer und Helden als Sinnbild der Treue ausgehauen liegt, darein möchte ich mich verwandeln. Heute nacht dachte ich daran, dass ich früher öfter in solche Visionen versunken war, und da war mir's so klar, dass dies der Keim sei zu seinem Monument, und dass es mir obliege, seine Entstehung zu bewirken. Seit ich diesen Gedanken erfasst habe, bin ich ganz freudig und habe grosse Zuversicht, dass es mir gelingen werde. Goete sagte mir einmal folgende goldne Worte: "Sei beständig, und was einmal göttlicher Beschluss in dir bedungen, daran setze alle Kräfte, dass du es zur Reife bringest. Wenn die Früchte auch nicht derart ausfallen, wie du sie erwartest, so sind es doch immer Früchte höherer Empfindung, und die allseitig erzeugende lebenernährende natur kann und soll von der ewigen göttlichen Kraft der Liebe noch übertroffen werden." – Dieser Worte gedenkend, die er damals auf unsre Liebe bezog, und ihnen vertrauend, dass sie noch heute meine schwache natur zum Ziel leiten, werde ich verharren in diesem Beschluss; denn solche Früchte erzeugt die Liebe: wenn es auch die nicht sind, die ich damals erwartete, so traue ich doch seiner Verheissung,