du: Goete erinnert sich an keinen wie an diesen." – nachher nahm er mich sanft an sein Herz, ich zählte die Schläge. – "Ich hoffe, du vergisst mich nicht," sagte er, "es wäre undankbar, ich habe ohne Bedingungen alle deine Forderungen soviel wie möglich befriedigt." – "Also liebst Du mich", sagte ich, "und ewig; denn sonst bin ich ärmer wie je, ja ich muss verzweifeln."
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Heute morgen hab ich einen Brief vom Kanzler Müller erhalten, der folgendes über Goete schrieb: "Er starb den seligsten Tod, selbstbewusst, heiter, ohne Todesahnung bis zum letzten Hauch, ganz schmerzlos. Es war ein allmählich sanftes Sinken und Verlöschen der Lebensflamme, ohne Kampf. Licht war seine letzte Forderung, eine halbe Stunde vor dem Ende befahl er: 'Die Fensterladen auf, damit mehr Licht eindringe.'"
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An Goete
Heute wollen wir der Leier andre saiten aufziehen! Heute bin ich so glücklich! Herr und Meister! Heute ist mir ein so herrlicher überraschender Entschluss aus der Seele hervorgegangen, der mich Dir so nah bringen wird. Du hast mich wie ein läuterndes Feuer durchgriffen und alles Überflüssige, alles Unwesentliche weggezehrt. Es rauscht so selig durch mich – keine lustvollere, keine jugendlichere Zeit von heute an bis zu Dir hinüber.
Wer kann sich mit mir messen? – Was wollen die? – die über mich urteilen? – Wer mich kennt, wer mich fühlt, will nicht urteilen. – Wie die Sonne freundlich mit ihren Streiflichtern auf Deinem Antlitz spielt, so spielt die Liebe, die Laune mir am Herzen, und wen ich liebe, dem bringt es Ehre, und wen ich Freund nenne, der kann sich darüber freuen, dem hab ich Ehre erzeugt, denn er kam gleich nach Dir. Wenn's in mir klopfte und tobte, dann strömte mir die Liebeslust die Melodien dazu, und die Begeistrung nahm sie in den allumrauschenden Ozean der Harmonien auf. Du hörtest mir zu und liessest die andern den Verstand haben, sich meiner Narrheit zu entsetzen; unterdessen strömte Ewiges durch Deine Lieder, und der Eifersucht Brand teilte die Nebelschauer auseinander, der Sonne kräftiger Strahl lockte Blüte und Frucht.
Ja, ewiger Rausch der Liebe und Nüchternheit des Verstandes, Ihr stört einander nicht, die eine jauchzt Musik, die andre liest den Text. – Bildet euch, urteilt, macht euch Namen, nützlich, herrlich und gross. Habt Launen und was ihr versäumt? – erkennt es nie! Denn ich und er, der mir im ungemessnen Leben zuströmte, ersetzt mir alles.
Du bist oben, Du lächelst herab! O dieses Jahres Frühlingsregen, die Gewitter seiner Sommerzeit, sie kommen aus Deinem Bereich. Du wirst mir zudonnern, Du wirst Deine gewaltige tiefe natur mir ans Herz schmettern, und ich jauchze mich hinauf.
Wenn die Begeistrung den Weg zum Himmel nimmt, dann schwingt sie sich tanzend im Flug, und die Götterjünglinge stehen gereiht und freuen sich ihrer Kühnheit. – Und Du? – Du bist stolz, dass sie der Liebling Deiner irdischen Tage ist, die den Luftozean mit luftbrausender Ungeduld durchrudert, aufspringt mit gleichen Füssen am Himmelsbord und mit hochauflodernder Fackel Dir entgegenfliegt, sie über Dir schwingend, dann sie hinschleudernd in die hallenden Himmelsräume, dass sie dem Zufall leuchte zum Dienst, ihr ist's einerlei wie; sie liegt im Schoss des Geliebten, und Eros, der Eifersüchtige, hält Wache, dass nicht ähnliche Flammen in ihrer Nähe sich zünden.
In Böhmen, am Waldesrand auf der Höhe, da harrtest Du meiner, und wie ich Dir entgegenkam, den steileren kürzeren Weg kletternd, da standest Du fest und ruhig wie eine Säule; der Wind aber, der Bote des heranrückenden Wetters, raste gewaltig und wühlte in den Falten Deines Mantels und hob ihn und warf ihn Dir übers Haupt und wieder herab und wehte an beiden Seiten ihn mir entgegen, als wolle er Dich mit herabziehen zu mir, die ich ein kleines Weilchen unweit Deiner Höhe ausruhte vom Steigen, um die klopfenden Schläfen und die erhitzten Wangen zu kühlen, und dann kam ich zu Dir, Du nahmst mich vor Dich an die Brust und schlugst die arme um mich, in Deinen Mantel mich einhüllend. Da standen wir im leisen Regen, der sich durch das dickbelaubte Gezweig stahl, dass hie und da die warmen Tropfen auf uns fielen. Da kamen die Wetter von Osten und Westen, wenig wurde geredet. Wir waren einsilbig. – "Es wird sich verziehen jenseits", so sagtest Du, "wenn es nur nicht da unten so schwarz heraufkäme." – Und die Scharen der Wolken ritten am Horizont herauf, – es ward dunkel, – der Wind hob kleine Staubwirbel um uns her. Deine linke Hand deutete auf die Ferne, während die rechte das Gekräut und die bunten Pflanzen hielt, die ich unterwegs gesammelt hatte. – "Sieh, dort gibt's Krieg! – Diese werden jene verjagen; wenn meine Ahnung und Erfahrungen im Wetter nicht trügen, so haben wir ihrer Streitsucht den Frieden zu danken." – Kaum hattest Du diese Worte ausgesagt, so blitzte es und brach wie von allen Seiten der Donner los; – ich sah über mich und streckte die arme nach Dir, Du beugtest Dich über mein Gesicht und legtest Deinen Mund auf meinen, und die Donner krachten, prallten aneinander, stürzten von Stufe zu