, himmelandringend die ewigen Hymnen beglückender Liebe, dass der Widerhall ans Herz schmettert, ja, zu Deinen Füssen will ich schlafen, Gewaltiger! Dichter! Fürst! Über den Wolken, während Du die Harmonien ausbreitest, deren Keime zuerst Wurzel fassten in meinem Herzen.
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Dem Freund
Gebete steigen gegen Himmel, was ist er, der auch himmelan steigt? – Er ist auch Gebet, gereift unter dem Schutz der Musen. – Eros, der himmlische, leuchtet vorauf und teilt ihm die Wolken, – ich aber kann's nicht sehen, ich muss mich verbergen.
Sein Stolz! – Sein heiliger Stolz in seiner Schönheit. Heute sagte jemand, das sei nicht möglich, er sei sechzig Jahre alt gewesen, wie ich ihn zum erstenmal gesehen, und ich eine frische Rose. O, es ist ein Unterschied zwischen Frische der Jugend und der Schönheit, die der göttliche Geist den menschlichen Zügen einprägt, Schönheit ist ein von der Gemeinheit abgeschlossnes Dasein, sie verwelkt nicht, sie löst sich nur von dem Stamm, der ihre Blüte trug, aber ihre Blüte sinkt nicht in den Staub, sie ist beflügelt und steigt himmelan. Goete, Du bist schön! Ich will Dich nicht zum zweitenmal in Versuchung führen, wie damals in der Bibliotek, Deiner Büste gegenüber, die in Deinem vierzigsten Jahr das vollkommne Ebenmass Deiner höchsten Schönheit ausdrückte; da standst Du im grünen Mantel gewickelt an den Pfeiler gelehnt, forschend, ob ich doch endlich in diesen verjüngten Zügen den gegenwärtigen Freund erkenne, ich aber tat nicht dergleichen, ach, Scherz und geheime Lust liessen mir's nicht über die Lippen. "Nun?" – fragte er ungeduldig. "Der muss ein schöner Mann gewesen sein," sagte ich. – "Ja wahrlich! Dieser konnte wohl sagen zu seiner Zeit, er sei ein schöner Mann," sagte er erzürnt; ich wollte an ihn herangehen, er wies mich ab, einen Augenblick war ich betroffen; – "halte stand wie dies Bild," rief ich, "so will ich Dich wieder sanft schmeicheln, willst Du nicht? – Nun, so lass ich den Lebenden und küsse den Stein so lange, bis Du eifersüchtig wirst." – Ich umfasste die Büste und küsste diese erhabene Stirn und diese Marmorlippen, ich lehnte Wang an Wange, da hob er mich plötzlich weg und hielt mich hoch in seinen Armen über seiner Brust, dieser Mann von sechzig Jahren sah an mir hinauf und gab mir süsse Namen und sagte die schönen Worte: "Liebstes Kind, du liegst in der Wiege meiner Brust"14, dann liess er mich an die Erde, er wickelte meinen Arm in seinen Mantel und hielt mir die Hand an sein klopfend Herz und so gingen wir langsamen Schrittes nach Haus; ich sagte: wie schlägt Dein Herz! – "Die Sekunden, die mit solchem klopfen mir an die Brust stürmen," sagte er, "sie stürzen mit übereilter leidenschaft dir zu, auch du jagst mir die unwiederbringliche Zeit vorwärts." – So schön fing er die Bewegung seines Herzens in süssen Worten ein, der heilige unwidersprechliche Dichter. –
Mein Freund, ich sage Dir gute Nacht. Weine mit mir einen Augenblick – schon ist Mitternacht vorüber, die Mitternacht, die ihn weggenommen hat.
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Gestern hab ich noch viel an Goete gedacht, nein, nicht gedacht: mit ihm verkehrt. Schmerz ist bei mir, nicht Empfinden, es ist Denken, ich werde nicht berührt, ich werde erregt. Ich fühle mich nicht schmerzlich behandelt, ich handle selbst schmerzlich. – Das hat also weh getan, wie ich gestern mit ihm war. – Ich hab auch von ihm geträumt. – Er führte mich längs dem Ufer eines Flusses schweigend und ruhig und bedeutsam, ich weiss auch, dass er sprach, einzelne Worte, aber nicht was. Die Dämmerung schwärmte wie vom Wind gejagte zerrissene Nebelwolken, ich sah das zitternde Blinken der Sterne im wasser, mein gleichmässiger Schritt an seiner Hand machte mir das Bewegte, Irrende in der natur um so fühlbarer, das rührte mich und berührt mich jetzt, während ich schreibe. Was ist Rührung? – Ist das nicht göttliche Gewalt, die eingeht durch meine Seele wie durch eine Pforte in meinem Geist, eindringt, sich mischt und verbindet mit einer natur, die vorher unberührt war, mit ihr neue Gefühle, neue Gedanken, neue Fähigkeiten erzeugt! – Ist es nicht auch ein Traum, der den grünen Teppich unter Deinen Füssen ausbreitet und ihn mit goldnen Blumen stickt? – Und alle Schönheit, die Dich rührt, ist sie nicht Traum? Alles, was Du haben möchtest, träumst Du nicht gleich Dich in seinen Besitz? – Ach, und wenn Du so geträumt hast, musst Du dann es nicht wahr machen oder sterben vor sehnsucht? – Und ist der Traum im Traum nicht jene freie Willkür unseres Geistes, die alles gibt, was die Seele fordert? Der Spiegel dem Spiegel gegenüber, die Seele inmitten, er zeigt ihre Unendlichkeit in ewiger Verklärung.
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Dem Freund
Du willst, ich soll Dir mehr noch von ihm sagen, alles? – Wie kann ich's? – Gar zu schmerzlich wär's, von ihm getrennt, alle Liebe zu wiederholen; nein! Wenn mir's wird, dass ich ihn selbst sehe und spreche, wie mir's in diesen beiden Tagen erging, wenn ich zu ihm bitten