, sondern tief in uns, sie führt uns mit dem idealischen Ich zusammen, um dessentwillen der Geist in den Leib geboren ist: dies Ich, das allein leidenschaft entzünden, sie gestalten und bilden kann. Der Mensch wird von der Begeistrung erzogen, das ganze irdische Leben verhält sich dann zu diesem Geistigen wie der Boden zum Fruchtkorn, das aus ihm emporsteigt, um tausendfältig zu tragen.
Nur die Ewigkeit gibt Wirklichkeit; denn was einmal zugrunde geht, mag's gleich zugrunde gehen, ob heute oder morgen, das ist einerlei; aber die Liebe trägt alles zum himmlischen Reich, sie ist allumfassend, alldurchdringend wie die Sonne, und doch bildet sie jeden geistigen Reiz zu einem in sich abgeschlossnen, sich selber anheimgegebenen Eigentum, sie bewegt den Geist, dass er ganz eigentümlich das Eigentümliche fasse. So macht's die Liebe mit mir, in Dir werde ich meines Geistes mächtig, – und Du? – Das leuchtende Grün, was der Baum in erneuter Frühlingskraft hervortreibt, das gibt Zeugnis, dass die Sonne ihm ins Mark dringt. – Und Du bist erfrischt durch diese Liebe, nicht wahr? –
Wer Dich mit leiblichen Augen sieht und sieht Dich nicht durch die Liebe, der sieht Dich nicht, Du erscheinst nur durch sie dem liebenden beschwörenden Geist. Je feuriger, je kräftiger die Beschwörung: je herrlicher Deine Erscheinung, je mächtiger Deine Einwirkung. Lieber Freund! Meiner Beschwörung hast Du Dich aufs innigste vergegenwärtigt, ich habe Dich in jedem Gedanken als in einem magischen Kreis umfasst, und der Inhalt mag sein, welcher er wolle, Du durchwaltest ihn und wohnst in jeder Gestalt, die mein Geist ausspricht. –
Es ist wahr, Zauber ist Zauber, er hebt sich in sich selber auf, und darum leugnen sie seine Wirklichkeit; sie glauben: nur was sinnlichen Leib habe, sei wirklich, und ihnen muss Verstand nur als sinnlicher Boden gelten.
Das Werk Gottes aber ist Magie, die Liebe in unserer Brust, die Unsterblichkeit, die Freiheit sind magische Erzeugnisse Gottes, sie werden nur durch die Kraft seiner Beschwörung in uns erhalten, sein Hauch ist ihr Leben, sie sind unser Element, und in diesem verewigen wir uns, und ob auch Zauber ins Nichts verschwinden könnte, wie leicht! – so ist er doch die einzige Basis der Wirklichkeit; denn er ist wirkung des göttlichen Geistes.
Das Geborenwerden der göttlichen natur ins irdische Leben und sein Sterben im vorbereiteten Schmerz ist magische Beschwörungsformel. Schmerz liegt in der natur als der mächtige Übergang aus dem Nichts ins magische Leben.
Leben ist Schmerz, aber da wir nur so viel Leben haben, als unser Geist verträgt, so empfinden wir diesen Schmerz gleichgültig, wär unser Geist stark, so wär der stärkste Schmerz die höchste Wollust.
In meiner Liebe, sei's Abschied oder Willkomm, schwankt mein Geist immer zwischen Lust und Schmerz, denn Du machst meinen Geist stark, und doch kann er's kaum ertragen. Übergehen ins Göttliche ist immer schmerzlich, aber es ist Leben.
Jedes Aneignen im Geist ist schmerzlich, alles, was wir erlernen, erkennen, macht uns Schmerz im Erwerben, so wie es in uns übergegangen ist, so hat es unsern Geist erhöht und befähigt, dies Leben kräftiger zu fassen, und was uns früher weh tat, das wird jetzt Genuss.
Die Kunst ist auch Magie, sie beschwört auch den Geist in eine erhöhte sichtbare Erscheinung, und der Geist geht auch über die Schmerzensbrücke bis innerhalb des magischen Kreises.
Genie ist der vorgreifende, wollustahnende, durstende Instinkt, sein Trieb überwindet das schmerzliche Zagen und reizt den Geist zu ewig neuer Energie. – Je leidenschaftlicher der Genius im Menschen, je mehr wird ihm Seligkeit Bedürfnis, je gewaltiger überwindet er, je gewisser ist er seiner Befriedigung; – dies bejahest Du mir. – Ich stehe in meiner Liebe zu Dir zwischen diesem Schmerz und dieser genialischen Begierde, die Trägheit meines Geistes zu überwinden und Beseligung zu empfinden. Manchmal fühlt sich der Geist ganz verlassen, und ein Nichts nimmt die Stelle dieser entusiastischen Begeistrung ein, und alles ist verschwunden. Aber wie könnte ich mir dies gefallen lassen. Nein, Du musst Dich verzaubern lassen. Wenn Gott mich aus dem Nichts hervorberufen hat, wenn er mein Wesen gebildet hat als reinen Anspruch an die Seligkeit, so erwerb ich diese in der Magie der Liebe; und aus Bedürfnis, aus göttlich eingeprägter sehnsucht nach dem Schönen erhebt der Genius immer wieder die ermüdeten Flügel und hält treu und fest dies Herz zu Deiner wohnung und die Seele, Dich zu empfinden, und den Geist, Dich zu fassen und zu bekennen, alles wie Du bist in Deiner inneren Wesenheit.
Und wenn dies alles wahr ist, was ich hier sage, und wir werden einst uns wiedersehen in einem höheren Leben, dann denke, dass mein Genie Deinem Geist gewachsen sein werde.
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An Goete13
22. März 1832
Hier aus den Bergesschluchten hervor wag ich's und komme ungerufen, unerwartet, wie manchmal sonst auf Deinen Wegen. Im Böhmer Gebirg, wo ich wie ein Stossvogel auf dem vorragenden Gefels über Dir hing, weisst Du noch? – Und wie ich dann niederkletterte ganz erhitzt, dass mir alle Adern im Kopf klopften, und wie Deine Hand meine Augenwimper vom Staub reinigte, und Du die kleinen Reiser und Moose aus meinen Flechten sammeltest und legtest es sanft neben Dich auf den Sitz? Du weisst's nicht mehr. Scharen sind