, unter dessen Gebälk die Vögel sich bargen, denen der Sturm das Gefieder aufblätterte; so stolz gelagert und beherrschend die Umgebung.
Heute morgen, obschon der Tempel eine Stunde weges von meiner wohnung entfernt ist, weil ich am Abend Dein Bild in ihm zu sehen wähnte, dachte ich hierher zu gehen und Dir hier zu schreiben. Kaum dass der Tag sich ahnen liess, eilt ich durch betaute Wiesen hierher. – Und nun leg ich die Hand auf diesen kleinen Altar, umkreist von neun Säulen, die mir Zeugen sind, dass ich Dir schwöre.
Was Liebster? – Was soll ich Dir schwören? Wohl, dass ich Dir ferner getreu sein will, ob Du es achtest oder nicht? – Oder dass ich Dich heimlich lieben will, heimlich nur diesem Buch, und nicht Dir es bekennend? Treu sein, kann ich nicht schwören, das ist zu selbständig, und ich bin schon an Dich aufgegeben und vermag nichts über mich; da kann ich für Buch es bekennen? –
Das kann ich nicht, das will ich nicht; dies Buch ist der Widerhall meiner Geheimnisse, und an Deiner Brust wird er anschlagen. O nimm ihn auf, trink ihn, lasse Dich laben; einen einzigen heissen Mittag gehe Dein blick unter, trunken, ein einziges Mal, in diesem glühenden klaren Liebeswein.
Was soll ich Dir schwören? –
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heute will ich Dir sagen, wie es gestern war: so unter Dach einer schöneren Vorwelt, vom tausendfarbigen Morgenlicht umwebt, die Hand auf diesem Altar, der früher wohl nie unter mystischen Beziehungen berührt war; Herr! – da war mein Herz auf eine wunderliche Weise befangen; – ich fragte Dich zum Scherz, in süssem Ernst: "Was soll ich schwören?" – Und da fragt ich mich wieder: "Ist das die Welt, in der du lebst?" Und kannst du scherzen mit dir selbst, hier in der einsamen natur, wo alles schweigt und feierlich Gehör gibt deiner inneren stimme? – Dort im fernen Gefild, wo die Lerche jubelnd aufsteigt, und am Gesimse des Tempels, wo die Schwalbe ihr Nest birgt und zwitschert? Und ich lehnte meine Stirne an den Stein, und dachte Dich; ich lief hinab ans Ufer und sammelte Balsamkräuter und legte sie auf den Altar; ich dachte: möchten die Blätter dieses buches voll Liebe einmal Deinem Geist duften, wie diese Kräuter dem Geist jener schönen Vorwelt, in deren Sinn der Tempel hier gebaut ist. – Dein Geist spricht ja die heilige Ordnung der Schönheit aus wie er, und ob ich ihm was bin, ob ich ihm was bleibe, das ist dann einerlei. Ja süsser Freund! ob ich Dir was bin: was soll ich danach fragen? – Weiss ich doch, dass die Lerche nicht umsonst jubelnd aufsteigt, dass der Morgenwind nicht ungefühlt in den Zweigen lispelt, ja dass die ganze natur nicht unbegriffen in ihr Schweigen versunken ist; was sollt ich zagen, von Dir nicht verstanden, nicht gefühlt zu sein? – Drum will ich nicht schwören, Dir etwas zu sein; es ist mir gewiss, dass ich Dir bin, was in einstimmender Schönheit ein Ton der natur, eine geistige Berührung dieser sinnlichen Welt Dir sein kann.
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Im Juli
Diese Tage, diese Gegenden, sie tragen das Antlitz des Paradieses. Die Fülle lacht mich an in der reifenden Frucht, das Leben jauchzt in mir, und einsam bin ich wie der erste Mensch; und ich lerne wie dieser herrschen und gebieten dem Glück: dass die Welt soll chest, nur weil ich Dich weiss und kenne, und weil Dein sittlich Gefühl der Raum ist meiner geistigen Schöpfungen; in Dich hinein nur kann ich ja diese Welt der Gefühle legen, Dir nur kann ich diese Phänomene einer erhöhten Rührung erscheinen lassen. – Deine Schönheit ist Güte, die mich nährt, schützt, mir lohnt, mich tröstet und mir den Himmel verheisst; kann ein Christ besser organisiert sein als ich?
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Ich sitze nun einmal mitten in dieser reichen natur, mit Herz und Seele; so muss ich denn immer wieder von diesem Doppelgespann schreiben.
Heute war ich in einem andern Tempel, der an der Höhe liegt und den herrlichsten deutschen Fluss in seiner glorreichsten Pracht beherrscht, wo man unzählige Orte und Städte sieht, die an seinen Ufern in seinen Gauen weiden. In diesem sonnenhellen Himmel liegen sie da wie ruhende Herden.
Was soll mir diese Pracht der natur? Was soll mir dies wimmelnde Leben, diese mannigfaltige Geschäftigkeit, die sich durch die bunten Fluren zieht? – Es eilen die Schifflein hin und her aneinander vorüber, jedes hat seiner Reise Ziel. – Wie jener Schiffe eines hast auch Du Dein Ziel; und es geht an mir vorüber, rasch wie des Glücklichen Bahn schneller am Pfad des einsam Verlassnen vorüber fährt. Und ich höre dann nicht mehr von Dir, dass Du nach mir fragst; und Deinem Gedächtnis verhallen, wie meine Seufzer, so die Spuren der Erinnerung.
So dachte ich, dort auf der Höhe im Tempel, wie ich niedersah in das allseitig ausgebreitete Treiben der Menschen; wie ich mir überlegte, dass neue Interessen Dich jeden Augenblick aufnehmen können und mich gänzlich aus Deiner Welt bannen. Und ich hörte die Wellen brausen in der Tiefe, und Gevögel umflatterte meinen Sitz, der Abendstern winkte, dass ich heimgehen möge. Um so näher dräng ich mich jetzt an Dich: o öffne Deinen Busen und lasse