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schöne Erde, die den Geliebten trägt, dass ich mich hinfinden kann zu ihm.

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Schwalbach, auf der Mooshütte

Namen nennen Dich nicht!

Ich schweige und nenne Dich nicht, ob's auch süss wär, Dich bei Namen zu rufen.

O Freund! schlanker Mann! weicher hingegossner Gebärde, Schweigsamer! – Wie soll ich Dich umschreiben, dass mir Dein Name ersetzt sei? – Beim Namen rufen ist ein Zaubermittel, den Entfernten zur Erinnerung aufzuregen; hier auf der Höhe, wo die waldigen Schluchten siebenfaches Echo zurückgeben, wage ich nicht Deinen Namen preiszugeben; ich will nicht hören eine stimme, die eben so heiss, so eindringend Dir ruft.

O Du! Du selbst! – Ich will Dir's nicht sagen, dass Du es selbst bist; drum will ich dem Buch Deinen Namen nicht vertrauen, wie ich dem Echo ihn nicht vertraue. entblösst von irdischem Besitztum nenne ich Dich mein.

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Ems

Nicht schlafen gehen, ohne mit Dir zu sprechenso müde wie ich auch bin! Die Augenlider sinken und trennen mich von Dir; mich trennen nicht die Berge und die Flüsse, und nicht die zeiten, und nicht Deine eigne Kälte, und dass Du nichts weisst von mir, wie ich Dich liebe. – Und mich trennt der Schlaf? – Warum denn trennen? Ich wühle mich in Deinen Busen, diese Liebesflammen umzingeln Dein Herz, und so schlafe ich ein.

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Nein, ich will Dich nicht nennen, Du, dem ich rufe: gib mir Gehör! Du hörst Dich ja gern beschwätzenso hör auch mir zu; nicht wie jene, die von Dir, über Dich schwätzen; zu Dir, in Deinem Anschauen sammeln sich meine Gedanken; wie der Quell, der das Gestein spaltet und niederrauscht durchs Schattental, Blume um Blume anhaucht; so hauch' ich Dich an, süsser Freund! Er murmelt nur, der Bach; er plätschert, er lispelt, wenige Melodien wechseln seinen Lauf; aber vernimm's mit freundlichem Ohr, da wirst Du jauchzen hören, klagen, bitten und trotzen, und noch wirst Du hören und empfinden, Geheimnisse, feierliche, leuchtende, die nur der versteht, der die Liebe hat.

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Ich bin nicht mehr müde, ich will nicht mehr schlafen, der Mond ist aufgegangen mir gegenüber, Wolken jagen und decken ihn, immer wieder leuchtet er mich an.

Ich denke mir Dein Haus, die Treppe, dass die im Schatten liege, und dass ich an dieser Treppe sitze, und jenseits die Ebene vom Mond beleuchtet. Ich denke, dass die zeiten jagen, eilen und mannigfach sich gestalten wie jene Wolken, dass der Mensch an der Zeit hängt und glaubt, mit ihr eile alles vorüber, und das reine Licht, das durch die zeiten bricht, wie der Mond durch die fliehenden Wolken, das anerkennt er nicht. –

O ja doch! – Erkenne meine Liebe und denke, dass, da die Zeit vorübereilt, sie doch das eine hat, dass im flüchtigen Moment sich eine Ewigkeit erfassen lasse.

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Schon lange ist Mitternacht vorüber, da lag ich im Fenster bis jetzt, und da ich mich umsehe, ist das Licht tief herabgebrannt.

Wo war ich so tief in Gedanken, – ich hab gedacht, Du schläfst, und hab über den Fluss gesehen, wo die Leute Feuer angezündet haben bei ihrem Linnen, das auf der Bleiche liegt, und hab ihren Liedern zugehört, die sie singen, um wach zu bleiben; – ich wache auch und denke an Dich, es ist ein gross Geheimnis der Liebe, dies immerwährende Umfassen Deiner Seele mit meinem Geist, und es mag wohl manches daraus entstehen, was keiner ahnt.

Ja, Du schläfst! Träumst Du? Und ist es Dir wahr, was Du träumst? – Wie mir, wo ich zu Deinen Füssen sitze und sie im Schoss halte, und der Traum mir selbst die Zügel hält, dass ich nichts denke als nur dies, dass ich in Deiner Nähe bin?

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Liebster! Gestern war ich tief bewegt und war sehnsüchtig; weil man viel über Dich gesprochen hat, was nicht wahr ist, da ich Dich besser kenne. Durch das Gewebe Deiner Tage zieht sich ein Faden, der sie mit dem Überirdischen verbindet. Nicht durch jedes Dasein schlingt sich ein solcher Faden, und jedes Dasein zerfällt ohne diesen.

Dass Dein Dasein nicht zerfalle, sondern dass alles ewige Wirklichkeit sei, das ist, wonach ich verlange; Du, der Du schön bist, und dessen Gebärden gleichfalls schön sind, weil sie Geist ausdrücken: Schönheit begreifen, heisst das nicht Dich lieben? – Und hat die Liebe nicht die sehnsucht, dass Du ewig sein mögest? – Was kann ich vor Dir, als nur Dein geistig Bild in mich aufnehmen! – Ja sieh, das ist mein Tagwerk, und was ich anders noch beginnees muss alles vor Dir weichen. Dir im Verborgnen dienen in meinem Denken, in meinem Treiben, Dir leben, mitten im Gewühl der Menschen oder in der Einsamkeit Dir gleich nahe stehen; eine heilige Richtung zu Dir haben, ungestört, ob Du mich aufnimmst oder verleugnest.

Die ganze natur ist nur Symbol des Geistes; sie ist heilig, weil sie ihn ausspricht; der Mensch lernt durch sie den eignen Geist kennen, dass der auch der Liebe bedarf; dass er sich ansaugen will an den Geist, wie