, deutlicher und besser konnte der Schmerz, der oft in früheren zeiten in meiner Brust wühlte, nicht erläutert werden, ja es war gut, mit diesem haus brannte ein dumpfes Gebäude nieder, frei und licht ward's in meiner Seele, und die Vaterlandsluft wehte mich an, – noch eins will ich Dir davon erzählen: in den ersten Nachmittagsstunden schon hatte das Feuer seine Rolle im inneren ausgespielt, wie der Mond aufging, hüpften die kleinen Flammengeister spielend in die Fenstermauern, in den Verzierungen tanzend lichteten sie die geschwärzten Masken. Am dritten Tag schlug die Flamme aus den tiefgehöhlten Balkenlöchern. Gelt, mehr lässt sich nicht erwarten, – willst Du mir nun über all diesen Schutt die Hand wieder reichen, willst Du bis ans ende mich warm und liebend für Dich wissen, so sag ein Wort, aber bald, denn ich habe Durst.
Seit den langen Jahren hab ich das Schreiben verlernt, die Gedanken arbeiten sich auf ungeebnetem Weg durch, und doch denke ich mich noch wie den schäumenden Becher in Deiner Hand, aus dem Du gern nippen magst.
Wenn das beigefügte Blatt noch seine Farbe hat, so kannst Du sehen, welche Farbe meine Liebe zu Dir hat, denn immer kommt's mir vor, als ob's grad so innig rot und so ruhig, und der goldne Samenstaub auch, so ist Dein Bett in meinem Herzen bereitet, verschmähe es nicht. Meine Adresse ist Georgen-Strasse Nr. 17.
An Goete
Weimar, den 29. Oktober 1821
Mit Dir hab ich zu sprechen! – Nicht mit dem, der mich von sich gestossen, der Tränen nicht geachtet und karg keinen Fluch wie keinen Segen zu spenden hat, vor dem weichen die Gedanken zurück. Mit Dir Genius! Hüter und Entzünder! Der mit gewaltigen Schwingen oft die Flamme aus der versunknen Asche wieder emporwehte, mit Dir, der es mit heimlichem Entzücken genoss, wenn der jugendliche Quell brausend, empörend über Gefels sich den Weg suchte zur ruhigen Bucht zu Deinen Füssen, da es mir genügte, Deine Knie zu umfassen.
auge in auge! Einzig Leben! Keine Begeistrung, die über Dich geht! – Die Seligkeit, gesehen zu sein und Dich zu sehen! –
Ob ich Dich liebte? – Das fragst Du? – Macht Ihr es aus über unsern Häuptern, Ihr Schwingenbegabte. – glaube an mich! – glaube an einen heissen Trieb, – Lebenstrieb will ich ihn nennen, – so sing ich Deinem träumenden Busen vor. – Du träumst, Du schläfst! Und ich träume mit.
Ja, die damalige Zeit ist jetzt ein Traum, der Blitz der Begeistrung hatte schnell Dein irdisch Gewand Schönheit, jetzt ist's ein Traum.
Ich hatte mich selbst, ein ernstes stilles schauerliches Geheimnis Dir opfernd zu Füssen zu legen, still und tief verborgen wie der unreife Same in seiner Hülle. An Dir, an Deiner vergebenden Liebe sollte er reifen; jeden unwillkürlichen Fehl, jede Sünde wollt ich eingestehn, ich wollte sie wegsaugen aus Deinen Augen mit meinem tränenbeladenen blick, mit meinem Lächeln; aus Deinem Bewusstsein mit der Glut meines Herzens, die Du nicht zum zweitenmal findest, – aber dies alles ist nun ein Traum.
Zehn Jahre der Einsamkeit haben sich über meinem Herzen aufgebaut, haben mich getrennt von dem Quell, aus dem ich Leben schöpfte, keiner Worte hab ich mich seitdem wieder bedient, alles war versunken, was ich gefühlt und geahnt hatte. Mein letzter Gedanke war: "Es wird wieder eine Zeit kommen, in der ich sein werde, denn für diesmal haben sie meine Sinne begraben und mein Herz verhüllt."
Diese zukünftige Zeit, o Freund! schwebt über mir hin gleich den Winden der Wüste, die so manches Dasein mit leichtem Flugsand verscharren, und es wird mich keine stimme wieder erwecken, ausser der Deinen, – und das bleibt wohl auch nur ein Traum? –
Damals betete ich oft um das einzige, dass ich Deinen letzten Atemzug küssen dürfe, denn ich wollte gern Deine auffliegende Seele mit meinen Lippen berühren; ja Goete! – zeiten, die ihr vorüber seid, wendet euch am fernen Horizont noch einmal nach mir her, ihr tragt das Bild meiner Jugendzeit in dichte Schleier gehüllt.
Nein! Du kannst doch nicht sein, was Du jetzt bist: hart und kalt wie Stein! – Sei es immer für diese Welt, für diese verrinnende zeiten, aber dort, wo die Gewölke sich in triumphierenden Fahnen aufrollen, unter denen Deine Lieder zu dem Tron aufsteigen, wo Du ihr Schöpfer, und Schöpfer Deiner Welt, ruhest, nachdem Du das Werk Deiner Tage geschaffen, zum Leben geschaffen; da lass mich mit Dir sein um meiner Liebe willen, die mir von geschäftigen Geistern jener höheren Welt zugetragen ward, wie der Honig dem wilden Fruchtbaum in den hohlen Stamm von tausend geschäftigen Bienen eingeimpft wird, der dann, ob auch nicht aus sich selber, dennoch einen köstlicheren Schatz in sich bewahrt als der Baum, der edle Früchte trägt. Ja, lass das wilde Reis seine Wurzeln mit den Deinen verstricken, verzehre es, wenn Du es nicht dulden magst.
Jawohl! Ich bin zu heftig, siehe da, der Damm ist verschüttet, welchen Gewohnheit baut, und Ungewohntes überströmt Herz und Papier. Ja ungewohnte Tränen, ihr überströmt mein Gesicht, das heute die Sonne sucht und vor Tränen nicht sieht, und auch nicht, weil sie mir heute nicht scheinen will