er so prächtig ist, und weil Ihr die Pracht wohlgefällt.
Adieu, Frau Rat! – Zu Schiff kamen wir herab, und zu Wagen fuhren wir wieder zurück nach Bonn.
Bettine
Frau Rat!
Winckel
Ich will nicht lügen: wenn Sie die Mutter nicht wär, die Sie ist, so würde ich auch nicht bei Ihr schreiben lernen. Er hat gesagt, ich soll ihn vertreten bei Ihr und soll Ihr alles Liebe tun, was er nicht kann, und soll sein gegen Sie, als ob mir all die Liebe von Ihr angetan war, die er nimmer vergisst. – Wie ich bei ihm war, da war ich so dumm und fragte, ob er Sie liebhabe, da nahm er mich in seinen Arm und drückte mich ans Herz und sagte: "Berühr eine Saite und sie klingt, und wenn sie auch in langer Zeit keinen Ton gegeben hätte." Da waren wir still und sprachen nichts mehr hiervon, aber jetzt hab ich sieben Briefe von ihm, und in allen mahnt er mich an Sie; in einem sagt er: "Du bist immer bei der Mutter, das freut mich; es ist, als ob der Zugwind von daher geblasen habe, und jetzt fühl ich mich gesichert und warm, wenn ich Deiner und der Mutter gedenke;" ich hab ihm dagegen erzählt, dass ich Ihr mit der Schere das Wachstuch auf dem Tisch zerschnitten hab, und dass Sie mir auf die Hand geschlagen hat und hat gesagt: "Grad wie mein Sohn – auch alle Unarten hast du von ihm!" –
Von Bonn kann ich nichts erzählen, da war's wiedabei denkt; wenn ich mich recht besinne, so waren wir im botanischen Garten, grad wie die Sonn unterging; alle Pflanzen waren schon schlaftrunken, die Siebenberg waren vom Abendrot angehaucht, es war kühl, ich wickelte mich in den Mantel und setzt mich auf die Mauer, mein Gesicht war vom letzten Sonnenstrahl vergoldet, besinnen mocht ich mich nicht, das hätt mich traurig gemacht in der gewaltigen verstummten natur. Da schlief ich ein, und da ich erwachte (ein grosser Käfer hat mich geweckt), da war's Nacht und recht kalt. Am andern Tag sind wir wieder hier eingetroffen.
Adieu, Fr. Rat, es ist schon so spät in der Nacht, und ich kann gar nicht schlafen.
Bettine
An Bettine
21. September
Das kann ich nicht von Dir leiden, dass Du die Nachte verschreibst und nicht verschläfst, das macht Dich melancholisch und empfindsam, wollt ich drauf antworten, bis mein Brief ankäm da ist schon wieder ander Wetter. Mein Sohn hat gesagt: was einem drückt, das muss man verarbeiten, und wenn er ein Leid gehabt hat, da hat er ein Gedicht draus gemacht. – Ich hab Dir gesagt, Du sollst die geschichte von der Günderode aufschreiben, und schick sie nach Weimar, mein Sohn will es gern haben, der hebt sie auf, dann drückt sie Dich nicht mehr.
Der Mensch wird begraben in geweihter Erde, so soll man auch grosse und seltne begebenheiten begraben in einem schönen Sarg der Erinnerung, an den ein jeder hintreten kann und dessen Andenken feiern. Das hat der Wolfgang gesagt, wie er den Werter geschrieben hat; tu es ihm zulieb und schreibe's auf.
Ich will Dir gern schreiben, was meine arme Feder vermag, weil ich Dir Dank schuldig bin; eine Frau in meinem Alter, und ein junges feuriges Mädchen, das lieber bei mir bleibt und nach nichts anderm frägt, ja das ist dankenswert; ich hab's nach Weimar geschrieimmer auf der Stell; er sagt, dass Du bei mir aushältst, das sei ihm ein Trost. – Adieu, bleib nicht zu lang im Rheingau; die schwarzen Felswände, an denen die Sonne abprallt, und die alten Mauern, die machen Dich melancholisch.
Deine Freundin Elisabet
Der Moritz Betmann hat mir gesagt, dass die Staël mich besuchen will; sie war in Weimar, da wollt ich, Du wärst hier, da werde ich mein Französisch recht zusammennehmen müssen.
An Goetes Mutter
Diesmal hat Sie mir's nicht recht gemacht, Frau Rat; warum schickt Sie mir Goetes Brief nicht? – Ich hab seit dem 13. August nichts von ihm, und jetzt haben wir schon Ausgang September. Die Staël mag ihm die Zeit verkürzt haben, da hat er nicht an mich gedacht. Eine berühmte Frau ist was Kurioses, keine andre kann sich mit ihr messen, sie ist wie Branntwein, mit dem kann sich das Korn auch nicht vergleichen, aus dem er gemacht ist. So Branntwein bitzelt auf der Zung' und steigt in den Kopf, das tut eine berühmte Frau auch; aber der reine Weizen ist mir doch lieber, den säet der Säemann in die gelockerte Erd, die liebe Sonne und der fruchtbare Gewitterregen locken ihn wieder heraus, und dann übergrünt er die Felder und trägt goldne Ähren, da gibt's zuletzt noch ein lustig Erntefest; ich will doch lieber ein einfaches Weizenkorn sein als eine berühmte Frau, und will auch lieber, dass Er mich als tägliches Brot breche, als dass ich ihm wie ein Schnaps durch den Kopf fahre. – Jetzt will ich Ihr nur sagen, dass ich gestern mit der Staël zu Nacht gegessen hab in Mainz; keine Frau wollt neben ihr sitzen bei Tisch, da hab ich mich neben sie gesetzt; es war unbequem genug,