und Nahrung ist, da sein Atem nur das Verzehren dieser leidenschaft ist, und da seine Erzeugnisse nur das Verkörpern dieser leidenschaft sind.
Also das Dasein ist das Umfassen der Liebe, das Geliebtsein. Das Erfinden, das Aussprechen ist das Einflössen ihrer leidenschaft in den menschlichen Geist. Die Schönheit aber ist der Spiegel ihrer Seligkeit, die sie in der Befriedigung ihrer leidenschaft hat. – Die Seligkeit der Liebe spiegelt sich in dem Geist, den sie erzeugt, den sie mit leidenschaft durchdringt, dass er sie begehre; dieses Begehren zu befriedigen, erzeugt ihren Genuss, dieses Mitgefühl ihres Genusses, ihrer Seligkeit, spricht der Geist durch Schönheit aus. Die Schönheit verkörpert sich durch den liebenden Geist, der die Form mit leidenschaft durchdringt, so wie die Liebe die selbsterschaffene Form des Geistes durchdringt. Dann spricht nachher die sinnliche Form die Schönheit des Geistes aus, wie der von leidenschaft erfüllte Geist die Schönheit der Liebe ausspricht. – Und so ist die Schönheit der irdischen Form der Spiegel der Seligkeit des liebenden Geistes, wie die Schönheit der Seele der Spiegel der Seligkeit der liebenden Gotteit ist.
Mein Freund glaubt vielleicht, ich sei mondsüchtig, da wir heute Vollmond haben, ich glaube's auch.
Den 1. August 1817
Nicht geahndet hab ich es, dass ich je wieder so viel Herz fassen würde an Dich zu schreiben, bist Du es denn? oder ist es nur meine Erinnerung, die sich so in der Einsamkeit zu mir lagert und mich allein mit ihren offnen Augen anblickt? Ach, wie vielmal hab ich in solchen Stunden Dir die Hand dargeboten, dass Du die Deinigen hineinlegen möchtest, dass ich sie beide an meine Lippen drücken könnte. – Ich fühl es jetzt wohl, dass es nicht leicht war, mich in meiner Leidenschaftlichkeit zu ertragen, ja ich ertrage mich selbst nicht, und mit Schauder wende ich mich von all den Schmerzen, die die Betrachtung in mir aufwühlt.
Warum aber gerad heute, nachdem Jahre vorüber sind, nachdem Stunden verwunden sind, wo ich mit Geistern zu kämpfen hatte, die mich zu Dir hin mahneine Liebe erfahren habest, die bis ans ende gewährt habe, heute hatte ich die Haare in Händen, die Deine Mutter sich abschnitt, um sie mir als ein Zeichen ihrer Liebe nach ihrem tod reichen zu lassen, und da fasste ich Herz, einmal will ich Dich noch rufen, was kann mir widerfahren, wenn Du nicht hörst?
Die Leute gehen jetzt häufig in die Kirche, sie gehen zum Abendmahl, sie sprechen viel von ihrem Freund und Herrn, von dem Sohn ihres Gottes;
ich habe nicht einmal den Freund bewahrt, den ich mir selbst erwählte, mein Mund hat sich geschlossen über ihn, als ob ich ihn nicht kenne, ich habe das Richtschwert der Zunge über ihm blitzen sehen und hab es nicht abgewehrt, siehst Du, so wenig Gutes ist in mir, da ich doch damals so gewiss besser sein wollte als alle, die so sind.
Mir träumte vor drei Jahren, ich erwache aus einem ruhigen Schlaf auf Deinen Knien sitzend, an einer langen gedeckten Tafel, Du zeigtest mir ein Licht, was tief herabgebrennt war und sagtest: "So lange hab ich dich an meinem Herzen schlafen lassen, alle Gäste sind von der Tafel weggegangen, ich allein bin, um deine Ruhe nicht zu stören, sitzengeblieben, nun werfe mir nicht mehr vor, dass ich keine Geduld mit dir habe" – ja wahrlich, das träumte ich, ich wollte Dir damals schreiben, aber eine Bangigkeit, die mir bis in die Fingerspitzen ging, hielt mich davon ab; nun grüsse ich Dich nochmals durch alle Nacht der Vergangenheit und drücke die Wunden wieder zu, die ich so lange nicht zu beschauen wagte, und warte ab, ob Du mich auch noch hören willst, eh ich Dir mehr erzähle.
Bettine
Den Tag, an dem ich dies geschrieben, geriet das Komödienhaus in Brand, ich ging nach dem Platz, wo Tausende mit mir dies unerhörte Schauspiel genossen, die wilden Flammendrachen rissen sich vom dach los und ringelten sich nieder oder wurden von Windstössen zerrissen, die Hitze hatte die schon tröpfelnden Wolken verzehrt oder zerteilt, und man konnte durch die rote Glut ruhig ins Antlitz der Sonne sehen, der Rauch wurde zum rötlichen Schleier. Das Feuer senkte sich in die inneren Gemächer und hüpfte von aussen hier und dort auf dem Rand des Gebäudes umher, das Gebälke des Daches war in einem Nu in sich hereingestürzt, und das war herrlich; nun muss ich Dir auch erzählen, dass es währenddem in mir jubelte, ich glühte mit, der irdische Leib verzehrte sich, und der unechte Staat verzehrte sich mit, man sah durch die geöffnete tür, durch die dunkeln toten Mauern alle Fenster schwarz, den Vorhang des Teaters brennend niederstürzen, nun war das Teater im Augenblick ein Feuermeer, jetzt ging ein leises Knistern durch alle Fenstern, und sie waren weg, ja, wenn die Geister solcher Elemente einmal die Flügel aus den Ketten los haben, dann machen sie es arg. In dieser andern Welt, in der ich nun stand, – dachte ich an Dich, den ich schon so lange verlassen hatte; Deine Lieder, die ich lange nicht gesungen hatte, zuckten auf meinen Lippen, ich allein vielleicht unter den Tausenden, die da standen, die schauderten, die jammerten, ich allein fühlte in seliger einsamer Begeisterung, wie feuerfest Du bist – ein Rätsel hatte sich gelöst