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wie ein schlechter Postwagen auf holperigem Weg, da schmeisst alles Passagiergut durcheinander; Du hast auch Deine Gedanken so schlecht gepackt, ohne Komma, ohne Punkt, dass, wenn es Passagiergut wär, keiner könnt das seinige herausfinden; ich hab den Schnupfen und bin nicht aufgelegt, hätt ich Dich nicht so lieb, so hätt ich nicht geschrieben, wahr Deine Gesundheit.

Ich sag allemal, wenn die leute fragen, was Du machst: sie fängt Grillen, und das wird Dir auch gar nicht sauer, bald ist's ein Nachtvogel, der Dir an der Nas vorbeifliegt, dann hast Du um Mitternacht, wo alle ehrliche Leute schlafen, etwas zu bedenken, und marschierst durch den Garten an den Rhein in der kalten feuchten Nachtluft, Du hast eine natur von Eisen und eine Einbildung wie eine Rakett, wie die ein Funken berührt, so platzt sie los. Mach, dass Du bald wieder nach Haus kommst. Mir ist nicht heuer wie's vorige Jahr, manchmal krieg ich Angst um Dich, und an den Wolfgang muss ich stundenlang denken, immer wie er ein klein Kind war und mir unter den Füssen spielte, und dann wie er mit seinem Bruder Jacob so schön gespielt hat, und hat ihm Geschichten gemacht; ich muss einen haben, dem ich's erzähl, die andern hören mir alle nicht so zu wie Du; ich wollt wirklich wünschen, die Zeit wär vorbei und Du wärst wieder da.

Adieu, mach, dass Du kommst, ich hab alles so hell im Gedächtnis, als ob's gestern passiert wär, jetzt kann ich Dir die schönsten Geschichten vom Wolfgang erzählen, und ich glaube, Du hast mich angesteckt, ich mein immer, das wär kein rechter Tag, an dem ich nichts von ihm gesprochen hab.

Deine Freundin Goete

Liebe Frau Rat!

Ich war in Köln, da hab ich den schönen Krug gekauft, schenk Sie ihn Ihrem Sohn von sich, das wird ihr besser Freud machen, als wenn ich Ihr ihn schenkte. Ich selbst mag ihm nichts schenken, ich will nur von ihm nehmen.

Köln ist recht wunderlich, alle Augenblick hört man eine andre Glocke läuten, das klingt hoch und tief, dumpf und hell von allen Seiten untereinander. Da spazieren Franziskaner, Minoriten, Kapuziner, Dominikaner, Benediktiner aneinander vorbei, die einen singen, die andern brummen eine Litanei, und wenn sie aneinander vorbeikommen, da begrüssen sie sich mit ihren Fahnen und Heiligtümern und verschwinden in ihren Klöstern. Im Dom war ich grade bei Sonnenuntergang, da malten sich die bunten Fensterscheiben durch die Sonn auf dem Boden ab, ich kletterte überall in dem Bauwerk herum und wiegte mich in den gesprengten Bögen.

Fr. Rat, das wär Ihr recht gefährlich vorgekommen, wenn Sie mich vom Rhein aus in einer solchen gotischen Rose hätte sitzen sehen; es war auch gar kein Spass; ein paarmal wollte mich Schwindel antreten, aber ich dachte: sollte der stärker sein wollen wie ich? – Und express wagt ich mich noch weiter. Wie die Dämmerung eintrat, da sah ich in Deutz eine Kirche mit bunten Scheiben von innen illuminiert, da tönte das Geläut herüber, der Mond trat hervor und einzelne Sterne. Da war ich so allein, rund um mich zwitscherte es in den Schwalbennestern, deren wohl Tausende in den Gesimsen sind, auf dem wasser sah ich einzelne Segel sich blähen. Die andern hatten unterdessen den ganzen Kirchbau examiniert, alle Monumente und Merkwürdigkeiten sich zeigen lassen. Ich hatte dafür einen stillen Augenblick, in dem meine Seele gesammelt war, und die natur, auch alles, was Menschenhände gemacht haben und mich mit, in die feierliche Stimmung des im Abendrot glühenden himmels einschmolz. – verstehe Sie das oder verstehe Sie es nicht, es ist mir einerlei. Ich muss Sie freilich mit meinen übersichtigen Grillen behelligen, wem sollt ich sie sonst mitteilen!

Das ist auch noch eine Merkwürdigkeit von Köln; die Betten, die so hoch sind, dass man einen Anlauf nehmen muss, um hineinzukommen; man kann immer zwei, drei Versuche machen, ehe einer glückt; ist man erst drin, wie soll man da wieder herauskommen? Ich dachte, hier ist gut sein, denn ich war müde, und hatte mich schon den ganzen Tag auf meine Träume gefreut, was mir die bescheren würden; da kam mir auch auf ihrem goldnen Strom ein Kahn beladen und geschmückt mit Blumen aus dem Paradies entgegen, und ein Apfel, den mir der Geliebte schickte, den hab ich auch gleich verzehrt.

Wir haben am Sonntag so viel Rumpelkammern durchsucht, Altertümer, Kunstschätze betrachtet, ich hab alles mit grossem Interesse gesehen. Ein Humpen, aus dem die Kurfürsten gezecht, ist schön, mit vier Henkel, auf denen sitzen Nymphen, die ihre Füsse im Wein baden, mit goldnen Kronen auf dem Kopf, die mit Edelsteinen geziert sind; um den Fuss windet sich ein Drache mit vier Köpfen, die die vier Füsse bilden, worauf das Ganze steht; die Köpfe haben aufgesperrte Rachen, die inwendig vergoldet sind, auf dem Deckel ist Bacchus von zwei Satyrn getragen, er ist von Gold und die Satyrn von Silber. So haben auch die Nymphen emaillierte Gewande an. Der Trinkbecher ist von Rubinglas, und das Laubwerk, was zwischen den Figuren sich durchwindet, ist sehr schön von Silber und Gold durcheinander geflochten. – Dergleichen Dinge sind viel, ich wollt Ihr bloss den einen beschreiben, weil