, so merkten wird bald, dass er gescheiter gewesen war wie wir alle, da er nicht an mir trinken wollte.
Siehst Du, nun bist Du einmal geboren, nun kann ich schon immer ein wenig pausieren, nun bist Du einmal da, ein jeder Augenblick ist mir lieb genug, um dabei zu verweilen, ich mag den zweiten nicht herbei rufen, dass er mich vom ersten verdränge. – Wo Du bist, ist Lieb und Güte, wo Du bist natur! – Jetzt wart ich's erst ab, dass Du mir wieder schreibest: "Nun, erzähl weiter." Dann werde ich erst fragen: Nun, wo sind wir denn geblieben? – Und dann werde ich Dir erzählen von Deinen Grosseltern, von Deinen Träumen, Schönheit, Stolz, Liebe usw. Amen. Rätin, er lebt! Das Wort ging mir immer durch Mark und Bein, so oft es die Mutter im erhöhten Freudenton vortrug.
Das Schwert der Gefahr
Hängt oft an einem Haar,
Aber der Segen einer Ewigkeit
Liegt oft in einem blick der Gnade bereit
kann man bei Deiner Geburt wohl sagen.
Bettine
P.S.
schreibe bald, Herzenskind, dann wirst Du auch bald wachsen, in die liebsten Jahre kommen, wo Dein Mutwille Dich allen gefährlich machte und über alle Gefahr hinweghob. – Soll ich Dir bekennen, dass dieses Geschäft mir Schmerzen macht, und dass die tausend Gedanken sich um mich herlagern, als wollten sie mich für ewig gefangennehmen?
Zelter läutet und bummelt mir Deine Lieder vor wie eine Glocke, die von einem faulen Küster angeläutet wird, es geht immer Bim und zu spät wieder Bam. Sie fallen alle übereinander her, Zelter über Reichard, dieser über Hummel, dieser über Righini und dieser wieder über den Zelter; es könnte ein jeder sich selbst ausprügeln, so hätte er immer dem andern einen grösseren Gefallen getan, als wenn er ihn zum Konzert eingeladen hätte. Nur die Toten sollen sie mir ruhen lassen und den Beetoven, der gleich bei seiner Geburt auf ihr Erbteil Verzicht getan hat.
Das gilt aber alles nichts... Lieber Freund! Wer Dich lieb hat wie ich, der singt Dich im tiefsten Herzen, das kann aber keiner mit so breiten Knochen und so langer Weste.
schreibe bald, schreibe gleich, wenn Du wüsstest, wie in einem einzigen Wort von Dir oft ein schwerer Traum gelöst wird! – Ruf mir nur zu: "Kind, ich bin ja bei Dir!" Dann ist alles gut. Tu es.
Würde es Dich nicht interessieren, Briefe, die Du an Jugendfreunde geschrieben, wieder zu bekommen? – schreibe darüber, sie könnten Dich doch wohl um so lebhafter in die damalige Zeit versetzen, und derselben zum teil habhaft zu werden, wäre doch auch nicht unmöglich, antworte mir, lieber Freund, unterdessen will ich keinen Tag vergehen lassen, ohne an Deiner Aufgabe zu arbeiten.
An Bettine
Hier die Duette! In diesem Augenblick habe ich nicht mehr Fassung und Ruhe als Dir zu sagen: fahre fort, so lieb und anmutig zu sein. Lass mich nun bald taufen! Adieu. 12. November 1810
G.
Mein teuerster Freund!
Ich kenne Dich nicht! Nein, ich kenne Dich nicht! Ich kann Deine Worte missverstehen, ich kann mir Sorgen um Dich machen, da Du doch Freiheit hast über aller Sklaverei, da doch Dein Antlitz nie vom Unglück überschattet war, und ich kann Furcht haben bei dem edelsten Gastfreund des Glückes? – Die wahre Liebe hat kein Bekümmernis. Ich habe mir oft vorgenommen, dass ich Dich viel zu heilig halten will als elende Angst um Dich zu hegen, und dass Du in mir nur Trost und Freude hervorbringen sollst. Sei es, wie es mag, hab ich Dich auch nicht, so hab ich Dich doch, – und nicht wahr, in meinen Briefen, da fühlst Du, dass ich Wahrheit rede? Da hast Du mich, – und ich? – Weissagend verfolge ich die Züge Deiner Feder, die Hand, die mir gnädig ist, hat sie geführt, das Auge, das mir wohl will, hat sie übersehen, und der Geist, der so vieles, so Verschiednes umfängt, hat sich eine Minute lang ausschliesslich zu mir gewendet – da hab ich Dich, – soll ich Dir einen Kommentar hierzu machen? – Ein Augenblick ist ein schicklicherer Raum für eine göttliche Erscheinung als eine halbe Stunde – der Augenblick, den Du mir schenkst, macht mich seliger als das ganze Leben.
Heute am 24. hab ich die Duetten erhalten mit den wenigen Zeilen von Dir, die mich aufs Geratewohl irreführten, es war mir, als könntest Du krank sein, oder – ich weiss nicht, was ich mir alles dachte, aber daran dachte ich nicht, dass Du in jenem Augenblick, bloss, weil Dein Herz so voll war, so viel in wenig Worten ausdrücken könntest, und endlich, für Dich ist ja nichts zu fürchten, nichts zu zittern. Aber wenn auch! – Weh mir, wenn ich Dir nicht freudig folgen könnte, wenn meine Liebe den Weg nicht fände, der Dir immer so nah ist, wie mein Herz dem Deinigen ist und war.
Bettine
Hierbei schicke ich Dir Blätter mit allerlei Geschichten und Notizen aus Deinem und der Mutter Leben. Es ist die Frage, ob Du es wirst brauchen können, schreibe mir, ob Dir mehr erforderlich ist, in diesem