von mir, Beetoven hat sie gesehen und mir viel Schönes darüber gesagt, dass wenn ich mich dieser Kunst gewidmet hätte, ich grosse Hoffnungen darauf bauen könnte; ich aber streife sie nur im Flug; denn meine Kunst ist lachen und Seufzen in einem Säckelchen, und über die ist mir keine.
Adieu! Vieles hole ich noch nach im böhmischen Schloss Bukowan.
Bettine
An Goete
Bukowan im Praginer Kreis: Juli
Wie bequem ist's, wie lieblich an Dich zu denken unter diesem Dach von Tannen und Birken, die den heissen Mittag in hoher Ferne halten. Die schweren Tannzapfen glänzen und funkeln mit ihrem Harze, wie tausend kleine Tagsterne, machen's droben nur noch heisser und hier unten kühler. Der blaue Himmel deckt mein hohes enges Haus; ich messe rücklings seine Ferne, wie er unerreichbar scheint, doch trug mancher schon den Himmel in der Brust; ist mir doch, als hab auch ich ihn in mir festgehalten einen Augenblick, diesen weitgedehnten über Berg und Tal hinziehenden: über alle Ströme Brücken; durch alle Felsen, Höhlen; über Stock und Stein in einem Strich fort, der Himmel über mir, bis dort an Dein Herz, da sinkt er mit mir zusammen.
Liegt es denn nur in der Jugend, dass sie so innig wolle, was sie will? – Bist Du nicht so? – Begehrst nicht nach mir? – Möchtest Du nicht zuweilen bei mir sein? – sehnsucht ist ja doch die rechte Fährte, sie weckt ein höheres Leben, gibt helle Ahnung noch unerkannter Wahrheiten, vernichtet allen Zweifel und ist sie die sicherste Prophetin seines Glückes. Dir sind aus allen sind den fragen Deiner sehnsucht göttliche Wahrheiten zugeströmt. – Was hab ich? – Ich habe Dich auf tausend fragen.
Hier in der tiefen Felsschlucht denke ich so allerlei; – ich hab mich einen halsbrechenden Weg heruntergewagt, wie werde ich wieder hinaufkommen an diesen glatten Felswänden, an denen ich vergeblich die Spur suche, wo ich herabgeglitten bin. – Selbstvertrauen ist Vertrauen auf Gott, er wird mich doch nicht stecken lassen! – Ich lieg hier unter frischen hohen Kräutern, die mir die heisse Brust kühlen, viele kleine Würmchen und Spinnen klettern über mich hinaus, alles wimmelt geschäftig um mich her. Die Eidechsen schlüpfen aus ihren feuchten Löchern und heben das Köpfchen und staunen mich an mit ihren klugen Augen und schlüpfen eilig zurück; sie sagen's einander, dass ich da bin; – ich der Liebling des Dichters – es kommen immer mehr und gucken.
Ach, schöner Sommernachmittag! Ich brauch nicht zu denken, der Geist sieht müssig hinauf in die kristallne Luft. – Kein Witz, keine Tugend, nackt und bloss ist die Seele, in der Gott sein Ebenbild erkennt.
Die ganze Zeit war Regenwetter, heute brennt die Sonne wieder. Nun lieg ich hier zwischen Steinen auf weichem Moos von vielen Frühlingen her, die jungen Tannen dampfen heisses Harz aus und rühren mit den Ästen meinen Kopf. Ich muss jedem Fröschchen nachgucken, mich gegen Heuschrecken und Hummeln wehren, dabei bin ich so faul – was soll ich mit Dir schwätzen, hier wo ein Hauch das Laub bewegt, durch das die Sonne auf meine geschlossnen Augenlider spielt? – Guter Meister! – Hör in diesem Lispeln, wie sehr Du meine Einsamkeit beglückst; der Du alles weisst und alles fühlst, und weisst, wie wenig die Worte dem inneren Sinn gehorchen. – Wann soll ich Dich wiedersehen? – Wann? – Dass ich mich nur ein klein wenig an Dich anlehnen möge und ausruhen, ich faules Kind.
Bettine
Wie ich gestern aus meiner Faulheit erwachte und mich besann, da waren die Schatten schon lang geworden; ich musste mich an den jungen Birkenstämmchen, die aus den Felsritzen wachsen, aus meiner Untiefe heraufschwingen, das Schloss Bukowan mit seinen roten Dächern und schönen Türmen sah ich nirgends, ich wusste nicht, welchen Weg ich einschlagen sollte, und entschloss mich kurz, ein paar Ziegen nachzugehen, die brachten mich wieder zu Menschen, mit denen sie in einer Hütte wohnen, ich machte diesen verständlich, dass ich nach Bukowan wolle, sie begleiteten mich, der Tag ging schlafen, der Mond ging auf, ich sang, weil ich doch nicht mit ihnen sprechen konnte, nachher sangen sie wieder, und so kam ich am späten Abend an, ein paarmal hatte ich Angst, die Leute könnten mich irreführen, und war recht froh, wie ich in meiner kleinen Turmstube sass.
Ich bin übrigens nicht ohne Beschäftigung, so einsam es auch ist, an einem Morgen hab ich mehrere Hundert kleine Backsteine gemacht, das Bauen ist meine Freude, mein Bruder Christian ist ein wahres Genie, er kann alles, eben ist das Modell einer kleinen Schmiede fertig geworden, das nun auch gleich im grossen ausgeführt werden soll. Die Erfindungsgabe dieses Bruders ist ein unversiegbarer Quell, und ich bin sein bester Handlanger, soweit meine Kräfte reichen, mehrere ideale Gebäude stehen in kleinen Modellen um uns her in einem grossen Saal, und da sind der Aufgaben so viele, die ich zu lösen habe, dass ich abends oft ganz müde bin, es hindert mich jedoch nicht, morgens den Sonnenaufgang auf dem Pedeetsch zu erwarten, ein Berg, der rund ist wie ein Backofen und hiervon den Namen trägt (denn Pedeetsch heisst auf Böhmisch Backofen), etwas erhöht über hundert seinesgleichen, die wie ein grosses Lager von Zelten ihn umgeben, da sehe ich denn abermals und abermals