Nadel, Dein Lob hat ihm grossen Eifer gegeben, sein Lehrer ist der Kupferstecher Hess, dem ich manchmal mit stillem Staunen bei seinen grossen ernsten arbeiten zusehe.
Marcellos Psalmen werden hier in Landshut zu schlecht abgeschrieben, es ist alter Kirchenstil, ich muss Geduld haben, bis ich einen Abschreiber finde.
Lebe wohl, alles grüsse herzlich von mir, was Dein ist.
Meine Adresse ist in Graf Joners haus in Landshut.
Bettine
An Goete
Ich habe meine tür verriegelt, und um doch nicht so ganz allein zu sein mit meinem Missmut, sucht ich Deine "Eugenie"; sie hatte sich ganz in den hintersten Winkel des Bücherschranks versteckt, mir ahnte ein Trost, ein himmlischer Gedanke werde mich drin anwehen, ich habe sie eingesogen wie Blumenduft, unter drückenden Wolken bin ich gelassen unermüdet vorwärts geschritten bis zum einsamen Ziel, wo keiner gern weilt, weil da die vier Winde zusammenstossen und den armen Menschen nicht jagen, aber fest in ihrer Mitte halten; ja, wen das Unglück recht anbraust, den treibt's nicht hin und her, es versteinert ihn wie Niobe.
Da nun das Buch gelesen ist, verzieht sich der dichte Erdennebel, und nun muss ich mit Dir reden. – Ich bin oft unglücklich und weiss nicht warum, heute meine ich nun, es komme daher, weil ich dem Boten Deinen Brief abzunehmen glaubte, und es war ein anderer, nun klopfte mir das Herz so gewaltig, und dann war's nichts. Als ich hereinkam, fragten alle, warum siehst Du so blass aus? Und ich reichte meinen Brief hin und fiel ganz matt auf einen Sessel, man glaubte wunder, was er entalte, es war eine alte Rechnung von 4 Fl. von dem alten Maler Robert aus Kassel, bei dem ich nichts gelernt habe; sie lachten mich alle aus, ich kann aber doch nicht lachen; denn ich hab ein bös Gewissen, ich weiss ja wenig, was Geist, Seele und Herz für Prozesse miteinander führen, warum hab ich Dir denn allerlei geschrieben, was ich nicht verantworten kann? Du bist nicht böse auf mich, wie könnte mein unmündig Geschwätz Dich beleidigen, aber Du antwortest nicht, weil ich ja doch nicht verstehe, was Du sagen könntest, und so hat mich mein Aberwitz um mein Glück gebracht, und wer weiss, wann Du wieder einlenkst. – Ach, Glück! Du lässt dich nicht meistern und nicht bilden, wo du erscheinst, da bist du immer eigentümlich und vernichtest durch deine Unschuld alles Planmässige, alle Berechnung auf die Zukunft.
Unglück ist vielleicht die geheime Organisation des Glückes, ein flüssiger Demant, der zum Kristall anschliesst, eine Krankheit der sehnsucht, die zur Perle wird. O schreibe mir bald.
Am 12. Januar 1810
Bettine
Goete an Bettine
Das ist ein liebes, feines Kind, listig wie ein Füchschen, mit einer Glücksbombe fährst Du mir ins Haus, in der Du Deine Ansprüche und gerechte Klage versteckst. Das schmettert einem denn auch so nieder, dass man gar nicht daran denkt, sich zu rechtfertigen. – Die Weste, innen von weichem Samt, aussen glatte Seide, ist nun mein Bussgewand, je behaglicher mir unter diesem wohlgeeigneten Brustlatz wird, je bedrängter ist mein Gewissen, und wie ich gar nach zwei Tagen zufällig in die Westentasche fahre und da das Register meiner Sünden herausziehe, so bin ich denn auch gleich entschlossen, keine Entschuldigungen für mein langes Schweigen aufzusuchen. Dir selbst aber mache ich es zur Aufgabe, mein Schweigen bei Deinen so überraschenden Mitteilungen auf eine gefällige Weise auszulegen, die Deiner nie versiegenden Liebe, Deiner Treue für Gegenwärtiges und Vergangenes auf verwandte Weise entspricht. Über die Wahlverwandtschaften nur dies: der Dichter war bei der entwicklung dieser herben Geschicke tief bewegt, er hat seinen teil Schmerzen getragen, schmäle daher nicht mit ihm, dass er auch die Freunde zur Teilnahme auffordert. Da nun so manches Traurige unbeklagt den Tod der Vergangenheit stirbt, so hat sich der Dichter hier die Aufgabe gemacht, in diesem einen erfundnen Geschick wie in einer Grabesurne die Tränen für manches Versäumte zu sammeln. Deine tiefen, aus dem Geist und der Wahrheit entspringende Ansichten gehören jedoch zu den schönsten Opfern, die mich erfreuen, aber niemals stören können, ich bitte daher recht sehr, mit gewissenhafter Treue dergleichen dem Papier zu vertrauen und nicht allenfalls in Wind zu schlagen, wie bei Deinem geistigen Kommers und Überfluss an Gedanken leichtlich zu befahren ist. Lebe wohl und lasse bald wieder von Dir hören.
Goete
Weimar, den 5. Februar 1810
Meine Frau mag Dir selbst schreiben, wie verlegen sie um ein Maskenkleid gewesen und wie erfreut sie bei Eröffnung der Schachtel war, es hat seinen herrlichen Effekt getan. Über der lieben Meline Heirat sage ich nichts, es macht einem nie wohl, wenn ein so schönes Kind sich weggibt, und der Glückwunsch, den man da anbringt, drückt einem nur auf dem Herzen.
An Goete
Fahre fort, so liebreich mit mir zu sein, packe selbst zusammen, was Du mir schickst, mache selbst die Adresse aufs Paket, das alles freut mich, und Dein Brief, der allen Schaden vergütet, ja meine eignen Schwächen so sanft stützt, mich mir selbst wiedergibt, indem er sich meiner annimmt.
Nun, ich bin angeblasen von allen Launen, ich drücke die Augen zu und brumme, um nichts zu sehen und zu hören, keine Welt, keine Einsamkeit,
keinen Freund, keinen Feind,