kein Gott seist? – Ich spreche von Grossem und Kleinem, was die Seele irrt. O wüsstest Du, was Dir zum Heile dient jetzt in den Tagen Deiner Heimsuchung? Lukas XIX.
Ich hätte Dir vieles zu sagen, aber in meinem Herzen zuckt es, und schmerzliche Gedanken türmen sich übereinander.
Der Friede bestätigt sich. Im Augenblick der glorreichsten Siege, wo die Energie dieses Volkes seinen Gipfel erreichte, mahnt Österreich, die Waffen niederzulegen; was hat es für ein Recht dazu? – Hat es nicht lange schon tückisch furchtsam seine Sache von der der Tiroler getrennt? – Da stehen die gekrönten Häupter um diesen Edelstein Tirol, sie schielen ihn an und sind alle von seinem reinen Feuer geblendet; aber sie werfen ein Leichentuch darüber hin: ihre abgefeimte Politik! Und nun entscheiden sie kaltblütig über sein Los. Wollt ich sagen, welche tiefe Wunden mir die geschichte dieses Jahres geschlagen, wer würde mich bemitleiden? – Ach und wer bin ich, dass ich meine Jeder hat das Recht, sich den höchsten Geschicken zu vermählen, dem es so rast im Herzen wie mir, ach ich hab auch zu nichts mehr Lust und Vertrauen; der kalte Winterwind, der heute stürmt, mit dem bin ich nicht im Widerspruch, der belügt mich doch nicht. Vor sechs Wochen waren noch schöne Tage, wir machten eine Reise ins Gebirg. Wie wir uns dem Kettenwerk der felsigen Alpen näherten, das hat mächtig in mir gearbeitet, die Asche fiel vom Herzen, es strömte Frühlingsglut in den matten Schein der Herbstsonne. Es war herrlich unter den Tannen und Fichten auf der Hochalme, sie neigten im Windesrauschen ihre Wipfel zueinander; war ich ein Kätzchen, in ihrem Schatten hätte mich des Kaisers Majestät nicht geblendet. – Hier lag ich am jähen Abhang und überschaute das enge Tal, dem verkuppelt mit Bergen hieroglyphische Felswände entstiegen. Ich war allein auf steilster Höhe und übersah unzählige Schluchten, die gefühlvollen Entzückungsprediger waren zurückgeblieben, es war für sie zu steil. – Wären wir beide doch dort beisammen im Sommer und stiegen Hand in Hand bedachtsam, langsam, einsam den gefahrsamen Pfad hinab, das waren so meine heiligen Gedanken da oben; wärst Du dabei gewesen, wir hätten noch anderes bedacht. – Ein Kranz kühlt und steht schön zu erhitzten Wangen; was willst Du? – Tannen stechen, Eichen wollen sich nicht geschmeidig biegen, Ulme, sind die Zweige zu hoch, Pappel schmückt nicht, und der Baum, der Dein ist, der ist nicht hier. – Das hab ich oft gesagt, der mein ist, der ist nicht hier, Du bist mein, Du bist aber nicht hier.
Es könnte sich auch fügen, dass nach Deiner prophetischen Vision in kurzer Zeit mein Weg mich mit Dir zusammen führte, ich bedarf dieser Entschädigung für die böse Zeit, die ich ohne Dich verlebte.
Eine ausgezeichnete Klasse von Menschen, worunter herrliche Leute waren, sind die Mediziner, da die Krankheiten so schrecklich durch den Krieg in Aufruhr kamen, wurden die meisten ein Opfer ihrer Tätigkeit, da merkt man denn erst, wieviel einer wert war, wenn er nicht mehr lebt. Der Tod treibt zur Unzeit die Knospen in die Blüte.
Beiliegende Zeichnung ist das Porträt von Tiedemann, eines hiesigen Professors der Medizin, er interessiert sich so sehr für die Fische, dass er ein schönes Werk über die Fischherzen schrieb, mit gar guten Kupfern versehen; da Du nun in Deinen Wahlverwandtschaften gezeigt, dass Du Herz und Nieren genau prüfst, so werden Dir Fischherzen auch interessant sein, und vielleicht entdeckst Du, dass Deine Charlotte das Herz eines Weissfisches hat; mit nächstem, wo ich noch manches andre übersende, werde ich's mitschicken. Die Zeichnung achte nicht gering, lernst Du den Mann einmal kennen, so wirst Du sehen, dass er seinem Spiegel Ehre macht.
Um wieder auf etwas Bitteres zu kommen, die Meline mit den schönen Augenwimpern, von der Du sagtest, sie gleiche einer Rose, die der Tau eben aus tiefem Schlaf geweckt, die heiratet einen Mann, von dem die allgemeine Sage geht, er sei ein ganz vortrefflicher Mensch. O wie ist das traurig, Sklave der Vortrefflichkeit sein, da bringt man es nicht weiter wie Charlotte es gebracht hat, man ketzert sich und andre mit der Tugend ab. Verzeih nur, dass ich immer wieder von Deinem Buch anfange, ich sollte lieber schweigen, da ich nicht Geist genug habe, es ganz zu fassen. Seltsam ist es, dass, während die Wirklichkeit mich so gewaltig aufregt, schlägt mich die Dichtung so gewaltig nieder. Die schwarzen Augen, die gross sind und etwas weit offen, aber ganz erfüllt voll Freundlichkeit, wenn sie mich ansehen, der Mund, von dessen Lippen Lieder fliessen, die ich schliessen kann mit einem Siegel, die dann viel schöner singen, süsser und wärmer plaudern als vorher, und die Brust, an die ich mich verbergen kann, wenn ich zu viel geschwätzt habe, die werde ich doch nie missverstehen, die werden mir nie fremd sein. – Gute Nacht hierüber.
Beiliegende Kupfer sind von unserm Grimm, die beiden Bubenköpfchen machte er nur flüchtig auf einer Reise nach dem Staremberger See, die Zeichnung davon ist noch besser, sie ist samt der Gegend, die Buben, der braune auf einer Bank in der Sonne sitzend, der blonde auf die Brunnenmauer gelehnt, alles ganz lieblich nach der natur. Das Mädchen ist ein früherer Versuch seiner