Heldenereignissen ist ja auch wieder so belebend, so begeistigend, wie dies Streiten und Gebaren der verschiedenen Modulationen, die doch alle in ihren eigensinnigen Richtungen unwillkürlich durch ein Gesamtgefühl getragen, immer allseitiger, immer in sich konzentrierter in ihrer Vollendung sich abschliessen. – So empfinde ich die Symphonie, so erscheinen mir jene Heldenschlachten auch Symphonien des göttlichen Geistes, der in dem Busen des Menschen Ton geworden ist himmlischer Freiheit. Das freudige Sterben dieser Helden ist wie das ewige Opfern der Töne einem hohen gemeinsamen Zweck, der mit göttlichen Kräften sich selbst erstreitet; so scheint mir auch jede grosse Handlung ein musikalisches Dasein; so mag wohl die musikalische Tendenz des Menschengeschlechts als Orchester sich versammeln und solche Schlachtsymphonien schlagen, wo denn die geniessende, mitempfindende Welt neu geschaffen, von Kleinlichkeit befreit, eine höhere Befähigung in sich gewahrt.
Ich werde müde vom Denken und schläfrig, wenn ich mir Mühe gebe, der Ahnung nachzugehen, da wird mir angst, ja ich möchte die hände ringen vor Angst um einen Gedanken, den ich nicht fassen kann. Da möchte ich mit einem Ausdruck Dir hingeben Dinge, denen ich nicht gewachsen bin, und da schwindet mir alle Erkenntnis, langsam wie die untergehende Sonne, ich weiss, dass sie ihr Licht ausströmt, aber sie leuchtet mir nicht mehr.
Denken ist Religion, fürs erste Feueranbeten, wir werden einst noch weiter schreiten, wo wir mit dem ursprünglich göttlichen Geist uns vereinen, der Mensch geworden und gelitten hat, bloss um in unser Denken einzudringen; so erkläre ich mir das Christentum als Symbol einer höheren Denkkraft, wie mir denn überhaupt alles Sinnliche Symbol des Geistigen ist.
Nun, wenn auch die Geister sich mit mir necken und nicht fangen lassen, so erhält dies mich doch frisch und tätig, und sie haben mir auf den Weg gestreut gleich einem auserwählten Ritter der Tafelrunde gar mannigfach Abenteuer auf holperigem Pfad, bekannt bin ich worden mit den dürren Geistern der Zeit, mit Ungeheuern verschiedener Art, und wunderbar haben mich diese Besessenen in ihr träumerisch Schicksal gezogen. Aber nicht hab ich erblickt wie bei Dir, da von heiliger Leier mir frisches Grün entgegenglänzte, und nicht hört ich wie bei Dir, dem unter den Füssen silbern der Pfad tönt, als der auf Strassen Apollos wandelt. Da denke ich mit verschlossenen Augen, wie ich gewohnt war, mit Dir lächelnd des Herzens Meinung zu wechseln, den eignen Geist in der Seele fühlend. Deine Mutter sagte mir manchmal von vergangner Zeit, da wollt ich nicht zuhören und hiess sie schweigen, weil ich grad eben mich in Deine Gegenwart träumte.
Franz Bader, der nach seiner Glasfabrik in Böhmen gereist ist, hat mir beim Abschied beigepackte Abhandlungen für Dich gegeben und mich zugleich gebeten, Dich seiner innigsten achtung zu versichern, er hat mir dabei mancherlei aus seinem Leben erzählt, wie er in Schottland zum Beispiel gar gefahrvolle Reisen gemacht, in einem winzigen Nachen, mit Deinem "Egmond", im Meer zwischen Klippen und Inseln hin und her geworfen, wie er mit den Meerkatzen fechten müssen, wie Nacht und Sturm ihm alle Lebensgeister ausbliesen und er mitten in der Not nur immer Deine Bücher zu retten gesucht. Siehst Du! so treibt's Dein Geist auf allen Pfaden, zu Land wie zu wasser, und er zieht von der Quelle an fort mit dem Strom, bis wo er sich ergiesst, und so ziehen mit die noch fremden Ufer, und die blaue Ferne sinkt neigend zusammen vor Deiner Ankunft. Und es sehen die Wälder Dir nach, und die vergoldende Sonne schmückt die Bergeshöhen zu Deinem Empfang; es feiern aber im Mondglanz Dein Andenken die Silberpappel und die Tanne am Weg, die Deiner Jugend reine stimme gehört.
Gestern erhielt ich Dein Bild, eine kleine Paste in Gips, aus Berlin, es gleicht, was hilft's, ich muss nach Dir verlangen.
Noch ein ägyptisches Ungeheuer ist mir hier auf Bayerns feuchtem Boden begegnet, und nicht wundert mich, dass seine trockne sandige natur hier verfault, es ist Klotz, der von den Geistern der Farbe verfolgte und gepeinigte, endlich ihrer Gewalt erliegend, sein fünfundzwanzigjähriges Werk endet. Ägyptisch nenne ich ihn, weil erstens sein Antlitz, wie von glühenden Harzen geschmiedet, zugleich eine ungeheure Pyramide darstellt, und zweitens, weil er in fünfundzwanzig Jahren mit ausserordentlicher Anstrengung sich nicht vom platz gearbeitet hat. Ich habe aus christlicher Milde (und zugleich um Dir, als welcher nach Klotzens Aussage einer Entschuldigung bedürfte, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen) sein ganzes Manuskript angehört. Nun kann ich mich freilich mit was ich von ihm erlernt, nicht breit machen, ich war mit Rätseln umstrickt, die durch seine Reden nur noch verwickelter wurden, und er war ängstlich auf seiner Hut, dass ich ihm nicht eins seiner Geheimnisse erschnappte, um es Dir zu übertragen, er möchte gern mit Dir selber hierüber sprechen, am meisten klagte er, dass Du ihm auf einen demütigen, aufrichtigen Brief keine Antwort gegeben, ich aber tröstete ihn damit, dass Du mir auf einen bittenden, liebenden Brief auch keine Antwort gegeben, und so war es gut. – Ich kann dem armen Mann nicht begreiflich machen, dass er die Perlen mit den Kleien gemischt, und dass wahrscheinlich beides zusamt von den Schweinen gefressen wird. Du aber könntest hier gewiss Gutes stiften, wenn Du Dich über seine Entdeckungen mit ihm einlassen wolltest. Beikommende Tabelle hab ich ihm für Dich abgeluchst, sie gefällt mir so wohl, dass ich sie wie ein