ein Gott, tapfer bis zur Verwegenheit, heiter, galant, liebenswürdig, ritterlich, war er der Abgott der polnischen Damen, der fabelhafte Paladin des Krieges. Alles schrie seinen Namen, wenn er durch die Strassen sprengte, die Damen eilten aus Fenster, und warfen Blumen auf ihn hinab, und kein Geliebter, kein Gatte verargte dies: der schöne Kicki war der Repräsentant ihrer nationalen Liebenswürdigkeit. Lächelnd und unbefangen, als wäre er aus einem Ritterroman heraus in die Strassen gesprengt, nahm er das alles auf, und grüsste rechts und grüsste links, und verschwand auf dem brausenden Rosse.
Die Fürstin sah ihm nach und sagte mit jenem vornehmen Abandon, den Valerius schon an ihr kannte, gleich als ob sie sich bereits den ganzen Abend mit dem wiedergefundenen Bekannten unterhalten hätte: "Wahrhaftig, ein schöner Mann, und ein glücklicher Mann," setzte sie nach einer kleinen Pause hinzu, "schön und glücklich sind die meisten dieser phantastischen Nation, sie leben in einem kindlichen Leichtsinne, einer liebenswürdigen Oberflächlichkeit dahin, als wäre das Leben ein Karneval, selbst die idee ihres Vaterlandes ist ihnen eine stehende Maske geworden, für die man schwärmen und sich totschlagen lassen muss – still, still, ich spreche frivol in meiner Ballstimmung; Sie sind ein tiefsinniger, ernster Mann, ich weiss es. Machen Sie mir nicht das alte Professorgesicht, ich nehm' es ja zurück, das bunte Zeug, man muss die heiligen Dinge einer Nation nicht bespötteln, wo nähmen wir am Ende die Götter oder Götzen her, welche die Gesellschaft halten und das Höhere von dem Niederen scheiden – wie geht's Ihnen, Herr von Valerius? So heissen Sie ja wohl hier? Wo ist Ihr Hass gegen den Adel geblieben, dass Sie sich auf einmal solch ein adeliges 'von' gefallen lassen?"
Valerius konnte sich eines Lächelns nicht erwehren, was zum teil von dem gefälligen Eindruck herrührte, welchen die überwältigende Schönheit der Fürstin auf ihn machte. Sie hatte, während sie unter dem Sprechen einige Schritte im saal hin ging, den Handschuh vom Arm gestreift, um eine neugierige Locke festzustecken, welche ihr auf den Busen herabgefallen war. Ihr voller Arm lockte in seiner Krümmung das Auge des Begleiters, der warme Handschuh, den er hielt, strömte das Frauenleben verführerisch in seine Nerven, und es war nicht zu verwundern, wenn Valerius diesmal die neckenden Herausforderungen der Fürstin unbeantwortet liess, und kaum mit halben Worten etwas auf die letzte erwiderte.
"Es ist nicht wie in Deutschland, Durchlaucht, mit den Titulaturen, die Leute fragen nicht nach meiner Geburt, ich gehöre zur höheren Klasse, und da werde ich Valeriuski, von Valerius genannt, ich mag wollen oder nicht."
"Ganz recht," nahm die Fürstin die Rede auf, und liess sich ihren Handschuh wiedergeben, "dies Land der Aristokratie ist darin liebenswürdig, die kleine adelige Gewürzkrämerei Deutschlands ist ihnen unbekannt – ein freier unabhängiger Mann ist ein Edelmann – aber antworten Sie doch, Herr von Valerius, wie geht's Ihnen – lassen Sie mir diesen Namen: Herr von Valerius; ich muss Ihnen die Schwäche gestehen, dass es mir leichter ist, als das harte Herr Valerius. Dies 'von' ist mir durch die Gewohnheit so notwendig geworden, man ist in Deutschland nur mit solchen Leuten umgeben, die es führen, Sie sind mir fremder, wenn ich es weglasse, und ich möchte nicht gern, Herr von Valerius, dass Sie mir fremder seien, als Sie sich ohnedies machen. Antworten Sie mir recht offen: Wie geht's Ihnen? Sind Sie glücklich, sind Sie zufrieden?"
Valerius schüttelte wehmütig den Kopf.
"Das freut mich, Sie werden mich nicht missverstehen, Sie sind ein Poet und erraten meinen Ideengang, oder doch irgend einen. Es soll Ihnen nicht gut gehen bei diesem törichten Leben – die Menschen sind der Opfer nicht wert, und warum vernachlässigen Sie diejenigen, die Ihnen nahe stehen, um ins Blaue hinaus für die Menschheit zu wirken! Was ist die Menschheit? Der Mensch, der neben Ihnen steht. Sprechen Sie nichts darüber, ich bitte; ein andermal, nicht hier. kennen Sie dort das schöne Mädchen, bei dessen Anblick sich vorhin Ihr trauriges Gesicht belebte? – Ja, ja, ich habe Sie beobachtet, wären Sie ein anderer Mann, o würde ich glauben, jene unerfahrenen jungen Augen hätten eben in aller Unschuld Ihr Herz getroffen, aber Sie haben keine Zeit zu solchen Dingen, Ihre historischen Gedanken lassen Sie nicht zu Privatneigungen kommen. Nicht wahr, ich kenne Sie? – Indessen, gerade die grosse Jugend dieses schönen Mädchens könnte Ihnen gefährlich werden, ich weiss, Sie suchen jene Unbefangenheit, weil Sie eine dunkle Ahnung haben mögen, dass sie Ihnen selbst fehlt. – Ihr Gesicht voll Verwunderung, Herr von Valerius, ist für mich sehr unterhaltend, es steht Ihnen völlig neu und originell, da sie sonst immer alles wissen und durch nichts überrascht werden, oder wenigstens durch nichts sich überraschen lassen. Es ist da nichts zum Verwundern, wir Frauen bemerken es nebenbei, ohne dass wir handwerksmässig auf das Beobachten ausgehen, und unsere Bemerkungen sind oft tiefer, weil es die schnellen Gefühle sind, von denen sie uns zugetragen werden. Fast jede Frau betrachtet eine neue Männerbekanntschaft mit den Beziehungen der Liebe, der Mann mag noch so reizlos und uninteressant sein, die Frau forscht überall an ihm, ob nichts Liebenswürdiges aufzufinden