. Es liegt eine siegreiche Unabhängigkeit in ihren Rhytmen, und sie scheint aus den frühesten zeiten zu stammen, wo das Volk noch ohne Störung in aller Breite sich ausdehnen konnte, durch keinerlei Feindschaft zu Hast und Ungestüm aufgeregt wurde, wo es seiner sonnenlichten und prächtigen Heimat in Asien noch eingedenk war.
Ein eisgrauer alter Pole führte sie an, und zum lebhaften Erstaunen Valerius' war Hedwig seine Dame. Das schöne Mädchen strahlte in seiner Frische und in der lebhaften, phantastischen Nationaltracht wie die ewig junge Schutzgöttin des Landes selbst, die nur eben in ihrer Flüchtigkeit oft andere Dinge neugierig betrachtet als das ihr anvertraute Land. Auf dem schönen Haare trug Hedwig ein zierliches, blitzendes Kaskett, und rot und weiss war ihre übrige blendende Tracht, bis auf die kleinen karmoisinfarbenen Halbstiefel, welche das hochgeschürzte Kleidchen mit aller Zierlichkeit des schöngeformten Beines sehen liess. Kurze Handschuhe bedeckten nur den Unterarm, der übrige Arm, Nacken, Schulter bis an die mutig schwellende jungfräuliche Brust war lustig entblösst, und das fröhliche Fleisch lachte harmlos mit den strahlenden Augen. Valerius hatte sein inniges Vergnügen an diesem Anblick. Sein krankhafter Zustand war in der letzten Zeit so gross geworden, dass auch die weibliche Schönheit keinen Reiz für ihn hatte, nur die vollendetsten Formen konnten seinem künstlerischen Sinne ein flüchtiges Behagen erwecken, alle Sinnlichkeit – und es gibt eine solche von schöner Art – hatte völlig in ihm geschwiegen, alles Blut schien aus ihm gewichen zu sein. Indes, die Jugendlichkeit Hedwigs war nicht ohne eine Art von Erfrischung für ihn gewesen; jetzt sah er zum ersten Male das schöne herausfordernde Mädchen in ihr, und der freundliche Gruss, den sie ihm nickte, belebte seit langer Zeit zum erstenmal sein Auge mit dem muntern Wohlgefallen, das der Anblick eines schönen Mädchens erweckt.
War es ihm doch, als ob er die hohe Frauengestalt, die hinter Hedwig an der Hand des Grafen Kicki einherschritt, schon irgendwo gesehen! Sein blick hatte zu fest auf jener geruht, und die andere war ihm dunkel wie eine Nebenerscheinung vorübergeglitten; der Glanz und das Klirren des Tanzes zog seinen jetzt erweckten Sinn vom Nachdenken ab, er schwelgte in diesem halbkriegerischen Triumphzuge. Fast alles war im Kriegskostüm, die meisten polnischen Tänze wurden von den Männern mit Sporen getanzt, und in der Polonäse fehlte auch der klirrende Säbel nicht. Die schlanken Gestalten, das pulsierende Leben in den kleinsten Bewegungen, der Glanz der Augen, das Blendende in der freien Schönheit der lebhaften Frauen, die rauschende Musik, – alles das versetzte den sonst so trüben Deutschen in eine Art von Rausch. "Es wäre entsetzlich," wendete er sich zu Stanislaus, "wenn diese Nation wieder unterläge."
"Sie tanzen bis zum grab," erwiderte dieser mit trauriger stimme.
Valerius' Augen folgten dem leichten Schritte der schönen Hedwig, und wie von einem Schrecken getroffen, dachte sein Herz plötzlich an Joel: "In welcher dunklen Judenstube mag der arme jetzt sitzen mit dem alten Manasse! Welch ein düsterer Gegensatz zu diesen in Licht und Glanz schimmernden Sälen! – O, können sie denn nie aufhören, diese grellen Kontraste der bürgerlichen Gesellschaft!"
Der Tanz war beendigt – wahrlich, jene Tänzerin des Grafen Kicki, jene hohe Gestalt, sie war es, die Fürstin Konstantie! Wie kam sie aus Deutschland mitten in diese ferne Stadt des Krieges? Valerius wusste nicht, ob er sich freuen sollte oder sich betrüben, es war wie ein Schreck, was ihn durchbebte, und er redete sich vor, die stolze, aristokratische Frau werde mit Hohnlächeln das verworrene Treiben einer jungen Freiheit betrachten, und dies sei es, was ihn befangen habe bei ihrem Anblick.
Während ihm diese Gedanken durch Kopf und Herz flogen, war die Fürstin neben dem Grafen Kicki ganz in seine Nähe gekommen und betrachtete Valerius mit festem, beinahe herausforderndem Blicke. Dieser, der eine unerklärliche Scheu empfand, die Bekanntschaft mit ihr zu erneuern, blieb einen Augenblick unschlüssig und ohne Bewegung, es mochte auch der natürliche Trotz sein gegen jene befehlenden Augen. Aber er glaubte plötzlich einen weichen, schmerzlichen Zug um den sonst so stolzen Mund zu sehen, das Verlangen, eine Landsmännin zu begrüssen, übermannte ihn, wie er glaubte, und er ging langsamen Schrittes ihr entgegen, um sich ihr vorzustellen.
Eine schnelle Freude flog über ihr edles Gesicht, und sie empfing ihn auf das Verbindlichste.
"Sie sind so blass, Herr Valerius? Sind Sie krank?" fragte sie mit weicher stimme, "und auf der Stirn haben Sie eine grosse Schmarre?"
Sie hatte Französisch gesprochen, und Graf Kicki übernahm die Antwort: "Herr von Valerius übernimmt sich in Anstrengungen für unser Vaterland, bei Grochow ist er auf dem Walplatz liegen geblieben, und wir haben ihn lange für tot gehalten, unterdes hat er sich in den Wäldern mit marodierenden Russen herumgeschlagen – wahrhaftig, Herr von Valerius, Sie müssen eine Zeitlang den Dienst aussetzen und sich erholen – wenn wieder eine schöne Aussicht für uns Reiter kommt, eine schöne Fläche und jenseits himmelhohe Kürassiere, dann ruf' ich Sie, zuverlässig, Herr von Valerius, dann ruf' ich Sie." – Damit beurlaubte er sich bei der Fürstin, indem er artig versicherte, der junge tapfere Landsmann würde sie am interessantesten zu unterhalten verstehen, und dem haus des Wirtes soviel Ehre machen, als er seinem deutschen vaterland Ruhm bereite durch seine Tapferkeit für eine unterdrückte Nation.
Graf Kicki war der polnische Alcibiades: schön wie