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las den Brief selbst zu Ende. Mit dem Erfolge hab' ich indes sehr wenig Ursache zufrieden zu sein; die törichte Kamilla trieb nichts als Spott mit meinen sehr ernstaften Dingen, und Albertaja Alberta sah so wunderlich drein, dass ich gar nicht aus ihr klug geworden bin. Ach, Valerius, wo ist das Tor, das zu diesem Paradiese führt? Ich flattere an dem Gitterwerk herum und nasche, wie Du's nennst, von den herüberhangenden Zweigen, und träume im blossen Anblick taumelnd umher; – wär' ich ein anderer, so wär' ich unglücklich, da ich aber Ich bin, so bin ich trotzdem munter, und bis Ihr auf Grünschloss, des Grafen Gute, eingetroffen, hab' ich alle Belagerungskunst erschöpft und empfange Euch als Herr und Meister der Festung. Die prosaische Kamilla ist mir sehr im Wege, sie besprüht meine Raketen stets mit kaltem spöttischen wasser, und scheint doch neben diesem fatal platten Wesen eine Innigkeit zu besitzen, mit der sie Alberten unauflöslich fesselt, und die ich durchaus nicht verstehe, für die mir der Zugang zu fehlen scheint. Sie ist nicht schön, aber hübsch und bewundernswert gewachsen. Ich glaube, sie wird Dir behagen.

Eben erhalte ich zwei Briefe von zwei früheren Geliebten, die in dem goldenen Wahne sind, ich hätte seit der Zeit meiner Abreise von ihnen nichts zu lieben gehabt als sie; ich hätte ins Tränentüchlein geseufzt. Ich bin nur ein Siegwart des Augenblicks, ich liebe das Leben und nicht den Tod, Ferne und Vergangenheit sind aber Tod. Ich werde zwei Briefe an Alberten schreiben und sie den beiden guten Kindern schicken, ich hoffe, sie werden zufrieden sein.

Meine Poesie fliesst lustig, ich singe Tag und Nacht wie der Vogel, und in der Musik bade ich mich wie ein sommerheisser Schwan. Komm zu uns, komm und hilf uns glücklich seinder Himmel ist blau, die Welt ist schön, man kann so unendlich viel lieben!

6. Konstantin an Valerius.

Berlin, den 2. Mai 1830.

Was hilft das Klagen?

Was soll das Zagen?

Nur keckes Wagen

Macht uns gesund.

Ich bin da, sie ist auch dadas weisst Du aus meinem letzten Billettaber ich bin noch nicht da, wo ich sein möchte. Mit aller Kraft meiner Suada bewog ich Rosa, sich hieher entführen zu lassen. Ich weiss selbst nicht, warum sie's eigentlich tat, denn ihre Neigung zu mir scheint nicht eben gross zu sein; ich glaube, sie wollte die alte Marta los werden und die Welt sehen. Ich hatte uns hier eine angenehme wohnung gemietet, warm und bequem wie römische Termen, sie schlug es bestimmt aus, mit mir zu wohnen, sie affektiert noch viel von Ruf und dergleichen; schwache Weiber klammern sich an den Ruf wie Greise an den Stockjedes Kind schlägt ihn weg. Ich musste vorausreisen, und als ich ihr dann von hier aus entgegenfuhr, durft' ich sie nur einige Stationen begleiten, sie wollte allein hier ankommen, hat sich in einem ganz anderen Stadtviertel eingemietet und bewirbt sich um ein Engagement an der Bühne. Sie ist freundlich, lienicht von der Stelle; es ist lächerlich, ich habe ihr erst einige Küsse gestohlen, aber noch nicht einen erhalten. Es ist eine grossartige Koketterie, wenn es eine ist.

Apoll senkt sein Gespann zum Schatten eines süssen Maiabends; ich habe mehrere Tage mit Rosa geschmollt; jetzt will ich zu ihr gehen, und küsst sie mich heute nicht, so küsst sie mich nie.

Lustig ist's im monat Mai,

Weil sich die Erde kleidet neu;

Lustig ist's dann in Walladmors Haus,

Weil die bösen Geister weichen hinaus.

Den 3. Mai.

Der Teufel hole den Mai! Wer gut erzählen will, muss Hindernisse bringender Teufel hole die guten Erzählungen. Rosa war nicht zu haus, oder was noch schlimmer wäre, liess sich verleugnen. Ein Gardeoffizier ging in weiter Entfernung vor mir her und in das Haus hinein, ein Gardeoffizier machte seiner Lorgnette, meiner Rosa und mir neulich im Teater viel zu schaffen, ein Gardeoffizier folgte uns beim Nachhausegehen wie ein Schattender Teufel hole die Gardeoffiziere. Rosa, das kokette Mädchen, gestattet meine Begleitung stets nur bis an die Haustür, der Aff' meint, es schicke sich nicht, so spät noch Besuche anzunehmen, wenn man allein wohneach, ich bin so bös, die geschichte ist so garstig verfahren, und das dumme Zeug bringt mich so aus dem Gleichgewicht und verdient doch so wenig Aufmerksamkeit. Ich werde ganz bös werden und morgen mich hinter die Bücher setzen und die Wirtschaft ganz liegen lassen. Wahrhaftig das werde' ich. – Ob sie wirklich so schnell hätte intrigieren können? Valer, was meinst Du, Du kennst ja die Weiber; ist ihr Teilnahmsgedächtnis wirklich solch Entengedärm? –

7. Valerius an Konstantin.

Grünschloss, Anfang Juni.

Du wirst Dich wundern, wie ich aus meiner stillen Zelle plötzlich hieher gekommen bin, was mit mir vorgegangen ist. Ich gestehe Dir, dass mich die letzten Tage etwas übereilt und verwirrt haben, ihre Bewegung hat an meinem ruhigen Gleichgewichte gerüttelt; es ist mir Erholung, Bedürfnis, mich ausführlich auszusprechen, mich selbst aufs Reine zu bringen. Wie einen ungeübten Novellenschreiber beunruhigt mich der Faktenstoff, der in der Hand herumspringt und Ort und Stelle und Ordnung erheischt. Wirst Du