beiden Bauern, die ihn festielten, und die lange, magere Figur streckte sich kerzengerade in die Höhe; mit der einen Hand riss er sich die schwarze Mütze vom Schädel, die andere streckte er dem andringenden Slodczek entgegen – die dürren Finger zitterten, die dünnen grauen Haare flogen im Winde, er war anzuschauen wie einer jener Propheten, die den Untergang Judas weissagten: "Der Cherem des allmächtigen Adonai falle über euch, so ihr einem unglücklichen alten mann ein Haar krümmt, euer Stamm sei verflucht bis ins tausendfachste Glied, euer Land soll wüste liegen, wie das Land zwischen Ägypten und Kanaan, euer Name soll vergessen werden auf ewig, und der Würgengel halte Wache an euren Grenzen bis zum Jüngsten Gericht, so ihr euch vergreift mit frechen Händen an einem mann des strengsten Gesetzes, an einem der Chassidim, an Manasse, dem Auserwählten des hochgelobten Herrn der Heerscharen."
Dieser Bannstrahl machte einen unerwarteten Eindruck auf die Bauern. Es lag ein religiöses Element darin, das die frommen Katoliken berührte, jener schreckliche Bezug auf ihr Vaterland und dessen Zerstörung, der entsetzlichste Gedanke für den wildesten polnischen Bauer, der Anblick und die erschreckende Zuversicht des Greises, womit er die Worte sprach – alles das erzeugte eine Totenstille.
Manasse blieb in derselben Stellung, seine Muskeln schienen ehern geworden zu sein, und die düsteren schwarzen Augen leuchteten wie schauerliche Totenfackeln.
"Ich soll euch verraten an eure Herren! O Adonai, wie lange schon liegt dein Zorn auf uns – bin ich nicht ein tiefer gebeugter Sklave als ihr – wenn der Herr euch schlägt mit der Hand, so tritt er mich mit dem fuss, wenn er den einen von euch misshandelt, so beklagen ihn die andern, wenn er mich misshandelt, so lachen sie, wenn ihr unter die Kugeln lauft, und sie euch treffen, so fallt ihr für euer Land, so fallt ihr als Helden, welche die Nachwelt besingt – wenn wir fallen für euer Land, so ist ein Jude weniger, und das ist gut, sprecht ihr dann – weil ich suche meinen Sohn Joel, der vielleicht schon gefallen ist für euch unter den Kugeln der Russen, schlagt ihr auch den Vater tot – das ist auch gut. Und ich soll euch verraten! Was hab' ich zu verraten als grösseres Elend denn eures" –
Dabei sank er zusammen. Hedwig, die ihn plötzlich verschwinden sah unter der Menge, glaubte, man sei im Begriff, ihn umzubringen, und stürzte hinaus, Valerius, der schon längst auf dem Sprunge gestanden hatte, folgte ihr augenblicklich. Nur die Überzeugung, dass er in diesem Augenblicke eine ebenso verhasste Erscheinung sein müsse, als der Jude, dass er den Verdacht der Bauern, behorcht zu sein, zur Gewissheit steigern würde, hatte ihn bisher abgehalten. Aber der Moment schien ihm der äusserste, als Manasse vor seinen Blicken verschwand, und er bemerkte es kaum, dass auch Hedwig hinauseilte.
Ihr erscheinen machte die Verwirrung vollständig. – "Ein Edelmann – des Grafen Tochter," schrie alles durcheinander, und im ersten Angenblicke drängten sich die Bauern alle auf eine Seite zusammen, gleich als ob sie sich fürchteten, oder nur in Masse von nun an handeln müssten.
Da erschien auch plötzlich Joel, der mit dem grössten Erstaunen die Gruppe betrachtete, die so wenig zu den Liebesträumen passen mochte, aus denen er eben erwachte. Er stürzte zu Manasse und richtete ihn auf; in den Augen des zerbrochenen Greises leuchtete eine unbeschreibliche Glückseligkeit, als er sah, dass es sein Sohn, sein Joel wäre, der ihn unterstützte.
Das Feuer war zwischen den Parteien, nur Magyac sass wie ein unbeteiligter Grenzpflock vor demselben, und somit zwischen den beiden in diesem Augenblick so feindlich gegeneinander gestimmten Heeren.
Ein rasches Gemurmel flog durch die Gruppe der Bauern – es sind Kiekis Uniformen – ein braves Regiment – wir sind verloren, wenn sie lebendig den Ort verlassen – warum nicht gar – sie müssen daran. –
Die letzte Äusserung kam von Slodezek, der Lärm ward stürmisch, die Masse bewegte sich gegen das Feuer zu, Slodezek voran; Valerius und Joel zogen ihre Säbel, Hedwig stand unbeweglich, nur ihre Augen glitten bald von Joels Gesicht auf das Antlitz des alten Manasse, bald von diesem auf jenes.
Magyac nahm ruhig einen Feuerbrand und hielt ihn dem andringenden Slodezek unter die Nase, dass dieser einen Schritt zurückfuhr. "Diese Leute sind die Gäste des Schmiedes von Wavre," sprach er und sprang in die Höhe.
Slodezek aber, ergrimmt durch den steten Widerspruch, riss ihm den Feuerbrand aus der Faust, schleuderte ihn in die Finsternis hinein und fiel dann mit der grössten Heftigkeit über Magyac her. Das Signal war gegeben, der Kampf selbst erzeugt dann bei solchen Gelegenheiten den Kampf, wenn die Parteien kurz vorher noch so unschlüssig gewesen wären. Alles drang auf die beiden Soldaten ein, welche ihre wehrlosen Verbündeten zurückschoben, und sich so gut als möglich zu verteidigen gedachten. Das Handgemenge begann.
"Holla, ho!" rief plötzlich eine donnernde stimme, und von unwiderstehlicher Kraft fühlten sich die ersten Kämpfer auseinandergerissen. – "Der Schmied, der Schmied," schrie alles, und er stand wirklich zwischen ihnen. Die Flinte hing ihm auf dem rücken, seine Hand war ohne Waffe, aber sein blick genügte, dem Kampfe ein Ende zu machen. Er nahm seine dunkelrote Mütze ab, ein unendlicher Schmerz breitete sich über das gefurchte hartkantige Antlitz – die hände