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aus der Asche, die er zum Frühstück geröstet hatte. Dann zog er ein Stück Schwarzbrot aus der einen tasche seines Pelzes und eine Schnapsflasche aus der andern, und legte alles vor Valerius hin, indem er ihn mit einem halb verschmitzten, halb schmerzlichen Lächeln aufforderte, sich des Frühstücks zu bedienen.

Valerius nahm lächelnd einige Bissen Brot. "Trink getrost, Herr," sagte Taddäus, "es ist Wein vom Grafen, im Lärm der Abreise hab' ich meine Flasche leer und wieder voll gemachtder alte Schurke, wenn nicht seine Mutter wäre, die der heilige Adalbert erhalten möge."

"Wo ist Joel? Und wo sind wir eigentlich?" Taddäus deutete auf einen Winkel des Gebäudes, unter dessen dach sie sich befandenda lag der arme Junge zusammengekrümmt unter seinem Mantel und schlief. Mit der Hand und einem bunten Tüchlein hielt er sich einen teil des Gesichts verdecktValerius kannte das Tuch von jenem Abende, es war Hedwigs.

Taddäus hatte die zweite Frage nicht beantwortet; eh' sie Valerius wiederholte, sah er sich um, ob er sie vielleicht selbst beantworten könnte. Er erkannte nicht ohne Anstrengung, dass er sich mit seinen gefährten unter einer sogenannten Wildraufe befände, wie man sie für strenge Winter zur Atzung des Wildes anlegt. Einige alte zerfallene Krippen und Raufen, die umherlagen, erinnerten in ihren Trümmern daran. Solche Wildraufen bestehen eigentlich nur aus einem schiefen dach, das sich auf eine Bretterwand und einige Pfosten stützt. Die drei übrigen Zugänge sind offen, und da die offene Seite nach Morgen lag, so schien die Sonne freundlich auf die Gruppe und erheiterte wie immer den deutschen Wallfahrer, wie er sich manchmal nannte. Der Fichten- und Kieferwald glänzte mit den Funken des gerinnenden leichten Schnees, der den Abend vorher gefallen und jetzt grösstenteils schon wieder verschwunden war. Es begann einer jener Wintertage, in deren Mundwinkeln schon ein Frühlingslächeln schwebt, ein lauer Tauwind zog langsam über die Fläche. Solch ein Wind ist wie der Hauch eines jungen Mädchens, wenn er uns zum ersten Male berührt, und wir empfinden, welch eine Lust es sein müsse, von den Lippen geküsst zu werden, über welche dieser Atem flog. Frühlingsahnung, Ahnung einer schöneren Zeit zieht damit in unsere Brust.

Auch Valerius sagte lächelnd: "Es wird noch alles gut werdenweiter, weiter."

Einer der Seitenausgänge dieser Wildraufe war aber verschlossen durch ein Bretterhäuschen, das sich daran lehnte, und mit der Hinterwand der Raufe eben jenen Winkel bildete, in welchem Joel lag.

"Wer wohnt hier, Taddäus?" fragte Valerius von neuem. Taddäus umging aber die Frage noch einmal. "In der guten alten Zeit," sagte er, "wo die Polen noch Polen waren, hat es hier in der Gegend einen freundlichen Herrn gegeben, welcher das wild besser behandelte, als mancher die Menschen; der liess in strengen Wintern zuweilen hier Futter ausschütten für die hungrigen Tiere – 's ist aber lange her, und die alten Bretter sind schon verfault, wenn der Wind hineinfährt, da stöhnen sie wie die Wölfe, die sich öfters hierher flüchten."

"Ich bin dein Freund, Taddäus, wer wohnt in jenem haus?"

"Gott lohn's Euch, Herr," erwiderte dieser und griff nach Valerius' Mantelzipfel, "wir haben nicht viel Freunde, wir Polen in Schafspelzen, aber einen mächtigen und einen stolzen Feind: den Russen und den Edelmann, dort in der Hütte, Herr, aber" – und dabei sank seine stimme zum Geflüster herab – "wohnt der Schmiedseit vielen, vielen Jahren schonwer seine wohnung verrät, begegnet keinem Polen mehr," setzte er mit blitzenden Augen hinzu, "es führt kein Weg durch den Wald hierher, und eine Stunde im Umkreise haben seine Freunde einen Graben im wald ringsum gezogen, über den kein Reiter setzt, es haben viel Leute daran gegraben."

"Warum," fragte Valerius weiter, "wohnt er denn schon so lange im verborgenen?"

Ein zuckendes, böses Lächeln presste sich über Magyacs Gesicht, und er schien etwas Schlimmes auf der Zunge zu haben, aber er schluckte es hinunter, und nach einer Pause fuhr er fort mit wehmütigem Tone: "Es ist schon lange her, dass sie ihm alles genommen haben, ich war ein kleiner Bube, als er noch in Wavre wohnte mit Weib und Kind, und 's war ein trüber, nebliger Herbstabend, als ich wieder einmal bei der Schmiede stand und mit grosser Freude die glühenden Funken betrachtete, die durch den Nebel hinstoben von des Schmiedes gewaltigen Schlägen. Ja, Herr, die alten Leute sagen, sie hätten Zeit ihres Lebens keinen tüchtigeren Polen gesehen als den Schmied Florian, und der selige Herr KosciuscoGott segne seine Asche! – hat ihn immer den jungen Piasten genannt. Ja, Herr, so war der Schmied, und als er an jenem Abende auf den Ambos schlug, da sang er ein altes Lied von unserer Freiheit, und die Gesellen sangen mit, und das halbe Dorf versammelte sich um die Schmiede, 's war just der Abend vorm heiligen Martinstage, die Leute in Wavre gedenken alle Jahre dieses Abends. Denn als sie noch nicht fertig waren mit der Axt, die der Schmied hämmerte, und dem lied, das sie alle sangen, da kamen die Russen aus Warschau und wollten den Florian gefangen nehmen, weil