1833_Laube_131_8.txt

. Du bist wirklich ein fataler Mensch mit Deiner Ruhe: wärst Du wenigstens ein Pedant wie William, so könnte man doch über Dich lachen, aber so wie Du bist, bist Du doch eigentlich gar nicht amüsant.

Da ich einmal schreibe, so könnte es sich begeben, dass ich im Schusse die eigentliche Veranlassung vergässelächle nicht wieder, lieber Valerius, ich bitte Dich, es ist mir unbequemich will also gleich damit anfangen. Ich wohne hier auf einer reizenden Villa bei äusserst lieben Leuten; der Graf T o p f ist zwar, wie Du's nennst, ein eingefleischter Aristokrat, indessen weisst Du, dass mich das wenig kümmert; er ist ein poetisches Gemüt. Wäre es nicht Dir gegenüber, so würde ich sagen, das sei mehr wert als alles andere. Still dochich hab' es ja nicht gesagt, hinweg mit der Stirnrunzel! Ein klein wenig Eitelkeitmein Gott, wer ist nicht eitelmag wohl auch teil dabei haben; er spielt gern den Mäcen und da ich ihm von unserm poetischen Vereine erzählte, so besteht er darauf, die Mitglieder alle hier auf seinem schloss zu sehen und zu bewirten. Ich habe Dich kühlen Mann als einziges wahrscheinliches Hindernis genannt, deshalb tat er das Unerhörte und schrieb eine verbindliche Einladung an Dich. Du hältst sie als rosenfarbene Beilage meines Briefes in der Hand. Sei freundlich, teile die Aufforderung den andern mit, und kommt her in das Reich der Düfte und Töne, der süsseste Rausch wird über Euch kommen, ich lebe wie ein kleiner Liebesgott und habe Euren Beinamen nie besser verdient. Ich wiege mich von einer Seite der klingenden Tiekschen Gedichte auf die andere, ich schwebe auf Akkorden, ich bin wie entpuppt und säusle wie Psyche körperlos durch die Lüfte. Mein ganzes Wesen ist der liebenswürdigste Argus mit hundert Augen für eitel Schönheit, der alte kleine Leopold begegnet mir nur zuweilen und überrascht mich wie ein wiedergefundener Bekannter, ich bin durch und durch ein neuer Gedanke von Glück und Liebe.

Wie Du sanft lächelst ob meiner Überschwenglichkeit, nicht wie ein Mephisto, aber wie ein Weiser der kühlen Stoasieh, das macht Dich mir so liebenswert, dass ich immer wieder meine heisse Brust an Dein kühles Haupt lege: Du gewährst ja der Persönlichkeit ihr Recht. Ich lasse mich nur von Dir gern schelten. William dagegen erbittert mich.

Nun horch, was mich hier so unsäglich beglückt. Der Graf hat eine Tochter, A l b e r t a , schön wie Diana, spröde wie Diana, göttlich wie Dianajeder Gedanke in mir liebt sie, und jeder Gedanke an sie ist Poesie. Ihr Kopf ist der einer Madonna, die ihre Verklärung ahnt, die noch nicht geliebt hat, aber auf den Lippen, auf den Augenwimpern die schalkhaften Liebesgötter hebt und wiegt, die ihr zuflüstern, dass sie unendlich lieben werde. Der Ausdruck ihrer Züge ist ein seliges, träumerisches Aufwachen, ihr wie ein Blumenkelch sich aufschliessendes Ganze lispelt zauberisch: Ich fühl's, ich werde lieben. Wie über der Blume schimmert der Tau der sehnsucht, der frische Morgenach es ist ein unbeschreiblich liebes Mädchenbild, und ich muss mir die Augen zuhalten, um ungestört mit ihr kosen zu können. Sie ist fein, aber rund und voll gewachsen. Trotz ihrer sonstigen Sanftmut trägt sie den Kopf keck und stolz und geht in einer sehr vornehmen Haltung einher. Ihr Haar ist rabenschwarz, sie trägt es glatt und ungelockt, meist verhüllt durch eine Art leichten Turbans, den sie mit grosser Geschicklichkeit zu drapieren weiss, so dass er wie ein keckes Bürschchen herunterschaut. Die Stirn ist schön wie ein Marmortempel, die Augenach wenn ich Dir sagen könnte, was es mit diesen Augen, mit diesen lispelnden Mundwinkeln für eine Beschaffenheit hätte! In den Augen und auf dem mund ruht jene sehnsucht des betauten Blumenkelchs. Das Auge ist gross und schwarz, aber nicht stechend schwarz, nein, weich wie Sammet und Seide, weich wie die Nachtluft im heissen Sommer, glänzend wie ein dunkler Wasserspiegel, der in ungestörter Ruhe zwischen den hohen Bergen Tirols lagert. In seinen Tiefen glaubt man bezauberndes Glockengeläut zu hören, Städte von fabelhafter Pracht und Herrlichkeit liegen zu sehen. Albertas Auge ist das Märchen von tausend und einer Nacht, und die langen dunkeln Wimpern beschatten es wie die träumerische Palme Arabiens zur Zeit der Dämmerung; fein und schlank, fast unmerklich gebogen ist die Nase, aber die zarten Flügel zittern mitunter wie Lotosblätter, die Brahmas Odem durchbebt, und dann hebt sich so herausfordernd der kleine Mund mit seinen vollen Lippen, und um seine spielenden Winkel hüpfen kleine üppige Tänzerinnen. Sie geht immer schneeweiss gekleidetHimmel, da kommt sie mit ihrer Freundin Kamilla, ich schreibe im Pavillon, kann nicht entrinnen und Kamillens zügelloser Neugier könnt' es leicht einfallen, mir meinen Brief wegzunehmen, ich will – –

Später.

Wie ich befürchtete, geschah's. Eh' ich meine Schreiberei verbergen konnte, waren sie bei mir. "Was schütte ich in meiner dummen Bestürzteit heraus. – "Sonst nichts?" Und nun half kein Sträuben. Die leichtsinnige Kamilla bemächtigte sich des Briefes und las ihn in Albertas Gegenwart vor. Ich war einen Augenblick in grosser Verlegenheit, indes Du kennst mich ja, und hast diese Art meiner Dreistigkeit oft besprochen; ich fasste mich schnell, die Schönheit, der Zauber des Gegenstandes entflammte mich; ich