du naseweiser Lümmel."
"Ich weiss, ich weiss, Alter. Lass uns noch eins trinken. Solange der Schmied ein Paar Augen im kopf hat und seine grossen Fäuste auf die Flinte legen kann, sind ihre weissen Haare in Sicherheit. 's wird ein lustiges Jahr, du krummer Schimmel, und 's werden viele Franzosen traurig werden, die unsere Kutka nicht mehr tragen mögen. Gib her, du langer Saufaus, ich will eins auf den alten Krukowiecki trinken."
In diesem Augenblicke hörte man Cölestin rufen. Er steckte eiligst die Flasche ein, wischte sich den Schnurrbart ab, hauchte schnell einigemal in die Luft, und machte sich eiligst davon.
"Vergiss nicht, Alter, heute' abend wegen des Feuers," rief ihm Magyac nach.
Valerius ging jetzt nach dem stand seines Pferdes und machte Geräusch, als ob er eben erst in den Stall trete. Magyac kam eiligst herbeigesprungen und bat ihn, heute noch nicht auszureiten. Valerius fragte ihn nach der Ursache dieser Bitte. Der junge Pole meinte, des Herrn Kopfwunde sei noch nicht so weit.
"Possen," sagte dieser, und griff nach dem Zaum.
"Die Gegend ist unsicher, es reiten Russen durch die Wälder, Herr."
Valerius zog das Pferd hinter sich fort, der Stalltüre zu.
Magyac kratzte sich verdriesslich in den Haaren, endlich als jener den Fuss in den Steigbügel setzte, kam er eiligst hinzugesprungen: "Herr, reitet nicht, der Schmied von Wavre ist dagewesen."
"Wer ist der Schmied von Wavre?"
"Ein Pole, Herr."
In diesem Augenblicke ward ein Fenster im schloss geöffnet, und Joel rief hastig herunter, der Herr Graf liesse Valerius bitten, eiligst zu ihm zu kommen. Hedwig öffnete den anderen Fensterflügel und winkte ihm heftig. Es blieb ihm keine Zeit, nähere Aufklärung von Magyac zu erfahren, und dieser hatte nichts eiliger zu tun, als das Pferd wieder in den Stall zu ziehen.
Valerius fand ein lautes Leben im grossen saal. Kutscher und Pferdeknechte trugen allerlei Waffen herbei und stellten und legten sie neben den Stuhl des Grafen und auf den Tisch, der vor ihm stand; Cölestin öffnete Weinflaschen, der Kutscher lud die Doppelflinte mit Kugeln, Hedwig tanzte singend herum, der Graf herrschte den Leuten allerlei Befehle zu. Selbst Joel lud Pistolen; nur die alte Gräfin sass wie immer in ihren schwarzen Gewändern unbeweglich auf der Stelle, wo sie alle Tage sass; ihre Augen sahen gläsern und unbeweglich auf all die Dinge und schienen nichts zu bemerken.
"Sie müssen zu haus bleiben, Herr von Valerius," rief der Graf, "der Teufel ist los. Wir müssen einen Überfall gewärtigen, es sind russische Streifkorps in der Nähe; Graf Stanislaus, den ich schon seit mehreren Tagen erwarte, kommt nicht. Er wollte uns mit einem Trupp Ulanen nach Warschau eskortieren, da er für unsere Sicherheit fürchtete. Vielleicht ist sein Trupp zu klein gewesen, und er ist abgeschnitten von uns, vielleicht hält er auch die Gefahr nicht für so dringend, kurz, wir sind unserem Mute überlassen."
"Wer sagt denn aber, dass die Gefahr so nahe sei? Es ist durchaus nicht wahrscheinlich, dass – "
"Ei, den Teufel auch, der Schmied von Wavre ist heute nacht dagewesen."
"Aber wer ist denn dieser –"
In dem Augenblicke hörte man das schnelle Wechseln mehrerer Flintenschüsse im nahen wald.
"Auf eure Posten, ihr Schurken," schrie der Graf, und die Bedienten flogen zur Tür hinaus. Valerius trat ans Fenster und sah alles, was von Knechten und Bedienten im haus war, mit Waffen, meist Jagdflinten, an allerlei Verstecke eilen und sich postieren. Taddäus Magyac stand an die Pfoste der Pferdestalltür gelehnt und sah unverwandten Blickes nach dem wald. Des Grafen Stuhl und Tisch wurden nach dem Fenster hingerückt, damit er die ersten Kugeln in die Weite senden könne. Joel war zu demselben Zwecke ans zweite Fenster getreten; Valerius ans dritte postiert. Cölestin stand zum Laden am Tische und hatte einen grossen Haufen Patronen vor sich ausgebreitet. Der Graf bat seine Mutter, nach ihrem Zimmer zu gehen, sie schüttelte aber den Kopf und blieb unverrückt in der alten Stellung. Hedwig, der ein gleiches anbefohlen wurde, erklärte, dass sie die Grossmutter nicht verlassen wolle, und es träfen nicht alle Kugeln. Der Graf stiess einen Fluch aus und lachte hinterdrein; Joel machte eine bittende Bewegung nach Hedwig hin, sie trotzte ihm aber mit einem halb bösen Gesicht und sprach halblaut, wie die kleinen Kinder gewöhnlich sagen: "Ich will aber nicht!" – Da schien es, als flöge ein Schatten ungewöhnlichen Lebens über das Gesicht der alten Gräfin, und als zucke ein schneller Strahl aus ihren sonst sprachlosen Augen über Joel hin. Sie griff hastig nach der Hand Hedwigs und zog sie zu sich nieder.
Es trat eine erwartungsvolle Stille ein, die wohl eine Viertelstunde lang anhielt – nun hatte aber die Spannung dem leichtsinnigen Volkscharakter zu lange gedauert, der Graf schlug ein lautes Gelächter auf, griff nach einer Weinflasche, rief dem Taddäus zu, in den Wald auf Kundschaft zu gehen, und bat Valerius, mit ihm zu frühstücken. Man schloss die Fenster, und das Leben des Tages ging weiter, als wäre man in der grössten Sicherheit. Der Graf trank mehr als gewöhnlich und schickte beim Abendessen Cölestin in den Keller, um Champagner zu