ist auch das rechte Wort getroffen. Geliebt? Ach, nein, berauscht –, o bitte, erlass mir das Zergliedern, Du weisst, ich kann das nicht, ich liebe das bewusstlose, ungeprüfte Hinträumen, ich frage nicht viel. Valerius nennt mich darum immer die romantische Dame, und hat mir versprochen, mit mir nach Paris zu reisen, und mich mit den dortigen Romantikern Viktor Hugo, Janin und wie sie heissen mögen, bekannt zu machen. Ja, ja, das hat er mir versprochen. Und sie würden mich sehr lieben, sagt er, der gute Mann. Gestern hat er mir Viktor Hugos Hernani vorgelesen – ach, wenn ich doch so lieben könnte wie Donna Sol, sterben könnt' ich gewiss so für meinen Hernani. Aber Hernani gleicht in vieler Wildheit zu sehr dem Hippolyt, es ist in beiden zu tolles spanisches Blut. Ich habe Valerius gebeten, mir einen sanfteren Hernani, einen deutschen zu schreiben. Er lachte, als ich's ihm sagte, dass die Deutschen am liebenswürdigsten wären. Der Vater hat uns versprochen, dass wir drei, er, Valerius und ich im Späterbst nach Paris reisen würden. Papa ist viel weicher als sonst, aber nicht mehr recht lustig. Du fehlst ihm, meine liebe Kamilla, o komm und mach uns munter mit Deiner guten Laune. Wenn Du bald kommst, kannst Du auch mitreisen. Valerius hat heute' viel zu schön für Dich gebeten, und der Vater nickte still mit dem kopf und sah so unbeschreiblich gut dabei aus. Ach Gott ja, Du warst in der letzten Zeit gar nicht mehr vergnügt, das fällt mir erst ein. Gib doch Deinen garstigen Ludoviko auf. Dem Herrn Valerius darf man gar nicht davon sprechen, sonst wird er gleich betrübt.
Die Fürstin wollt' ihn gar zu gern mitnehmen; der Vater sagte uns, sie hätte sich einen Scherz ausgesonnen, die jungen Leute mit ihren neuen Ansichten in den grossen Gesellschaften auftreten zu lassen, welche sich jetzt aus ihrem Lustschlosse versammeln werden. Sie verspräche sich von diesem Turnier mit den alten Aber das ein und alles meines briefes ist: Komme –
Alberta.
32. Kamilla an Alberta.
Ich soll zu Euch kommen? Ach Du gutes, harmloses Kind weisst nicht, was Du bittest und doch, wenn ich wirklich ein starkes Mädchen bin, so siehst Du mich bald. Ach, ich weiss nicht, wohin ich soll, und Grünschloss ist so schön, so verführerisch schön. Hätt' ich nur einen so jungen, fügsamen Charakter wie Du, meine Liebe. Ich habe ein hartes garstiges Herz. Aber hier auf dem schloss der Fürstin halte ich's nicht mehr aus vor Langerweile. William schmachtet für die Fürstin und bemerkt es nicht, wie ihn ihr Schwager schnöde, ja unwürdig, verächtlich und abgeschmackt behandelt – o wie würde Valers Zorn donnern, wenn er dies mit ansähe. Der Prinz gewordene Leopold spielt eine wunderliche Rolle hier. Man behandelt ihn mit aller Auszeichnung, die seinem neuen stand zukommt, und doch weiss niemand, wie er eigentlich heisst, und doch hüpft ein so gefährlicher Spott auf den Lippen der Fürstin herum, wenn sie mit dem "verzauberten Prinzen" spricht, dass ich wirklich nicht weiss, was ich dazu sagen soll. So erregt mir das ernstafte Liebesverhältnis, das sich zwischen Leopold und der Prinzessin Amelie gebildet hat, eine Art gespenstigen Grauens. Ich fürchte, Konstantie hasst die Prinzessin. Die klare, in Goete poetische Frau ist der gerade Gegensatz alles Nebelhaften, unklar Romantischen. Unsere Freunde würden sagen: Sie ist griechisch, plastisch und Gott weiss was, die Prinzessin aber ossianisch, mittelalterlich, christlich. Es ist mehr, es ist ein wunderlich Wesen, diese Amelie. Wenn man noch keinen Begriff von einer Mondscheinprinzessin hat, so muss man sie ansehen, aber feineren, durchsichtigeren Teint habe ich nie erblickt, weicheres, schöneres Organ nie gehört – ich kann mich nur von dem Gedanken nicht losmachen, dass all solche toll romantische Personen schwachköpfig sind. Du weisst, dass das Haus, woher sie stammt, sehr vornehm, aber sehr arm ist. Bei all ihrer Schwärmerei hat Amelie doch gegen alle niedrigeren Stände einen Stolz, ja Hochmut, dass ich mich oft innerlich erbittert gefühlt habe, wenn ich es sah. Das ist alles so ganz anders bei der Fürstin. Nur der Schwager derselben passt zu Amelie – es ist ein garstiger Mensch, hinter dessen Hofton eine grinsende Roheit zu lauern scheint Er gibt sich den Anschein, als zeichne er mich aus. Ach mir ist so unheimlich unter all den Larven, und dass sie mich zum teil an Grünschloss erinnern, ist mir doppelt schmerzhaft – ich will nichts von Euch Lieben hören, wenn ich nicht bei Euch sein kann. Ach, Ihr mögt in Eurem Frieden recht glücklich sein, Ihr guten Leute. Nach Paris soll ich mit Euch reisen? Ich möchte wohl, aber – liebe Alberta, es ist nicht alles gut in der Welt. Wenn ich recht stark oder recht schwach werde, so bin ich bald in Grünschloss. Gestern hab' ich einen sehr lieben Brief von Ludovikos Schwester erhalten. Sie muss ein sehr liebenswürdiges Wesen sein, und bittet mich um Nachricht über ihren Bruder, der sie plötzlich verlassen hat, ohne dass sie den Grund seiner Abreise weiss. Wie geht es mit Valers Gesundheit? Wie ist der Himmel doch so gut, dass er das Unglück abgewendet. –