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Unsicherheit, diese Verwirrung, welche die Männer anrichten! Unsere fröhliche, muntere Kamilla istder Himmel weiss wodurchvollständig umgewandelt. Sie ist still wie das Grab, und ist wenig unter uns.

Eben erhalte ich einen Brief vom Vater aus Parisich werde Dir ihn beilegenAdieu, tausendmal Adieu, meine liebe zärtliche Mutter.

23. Valerius an Konstantin.

Also wirklich krank bist Du, gemütskrank? Krank an Deinem neuen Frankreichich glaube, Du hast recht mit Deiner Krankheit; sie wollen Euer heisses Juliblut konfiszieren. schreibe' mir nur nicht so karg darübermehr, mehr, auch wenn es Wermut ist.

heute abend ist plötzlich mein Gegner hier angekommen; er kennt den Grafen und hat ihn unterrichtet. Eben war dieser bei mir, sehr ernstaft und feierlich gestimmt; von seiner sonstigen Wärme gegen mich keine Spur. Was muss der Mensch für Dinge ihm gesagt haben! Ich ging mein Leben durch und fand durchaus keinen Anhaltspunkt. Deshalb versicherte ich dem Grafen, es müsste notwendig ein Irrtum sein. Mit wunderlicher Bestimmteit versicherte mir dieser, es sei keiner, und der Fremde habe den triftigsten Grund mich zu fordern. natürlich erklärte ich, dass vom Duell keine Rede sein könne, bevor ich von der Ursache unterrichtet und mit dem Narren, der person, welche mich durchaus totschiessen wolle, bekanntgemacht sei. – Auf des Grafen Bitte, nicht danach zu fragen, auf seine heilige Versicherung, dass alles in vollgültiger Richtigkeit sei, habe ich mich zu der wunderlichen Farce entschliessen müssen, ein Duell mit jemand einzugehen, den ich nicht kenne, dessen Vorwürfe und Zornesgründe mir unbekannt sind. Morgen früh werden sich zwei Leute im Park schiessen. Der eine tritt wie eine Sache, wie ein Pfahl ans Ziel hin, der andere aber wird, Gott weiss, wessen Ehre durch einen Schuss auf diesen Pfahl reinigen. O Welt, mit wieviel Fratzenbildern bist du eingezäunt!

Begegnet mir etwas Menschliches, so bedaure die Enkel, dass ihnen ein Kämpfer für ihre Freiheit gefallen ist, beneide die jetzt Herrschenden, dass sie einen unversöhnlichen Feind ihrer herrschaft weniger haben. Ich habe nur ein grosses Interesse auf dieser Welt, das ist die Freiheit, nur weil ich noch für sie sterben kann, würde' ich ungern im Fratzenkampfe untergehen. – –

Eben höre ich mit tiefem Schmerz, dass Kamilla bei Ankunft des Fremden ausser sich geraten ist, sich eingeschlossen, gepackt und soeben den Reisewagen bestellt hat. Der Wagen rollt vor das Schlosslautes Geräusch auf der Flur, der Treppe. – –

Ich ging an die Tür und hörte eine fremde stimme neben Kamillas; ich durfte nicht hin; es war offenbar der Fremde, und dem Grafen hatte ich versprechen müssen, ihm auszuweichen. – Alberta sprach weinend dazwischen; sie waren im Hausflur, ich eilte an mein Fenster, Lichter und Laternen erhellten den Raum vor dem schloss, Kamilla ging eilig auf den Wagen zu, wehrte mit der Hand alle zurück, sprang in den Wagen und flog davon.

Das Schloss ist einsam für mich, ich bin dem Mädchen sehr gut gewesen. Die Lösung der Rätsel muss ich erwarten.

24. Hippolyt an Konstantin.

Der Teufel ist los, und es gilt den ernstaften Versuch, ob wir ihn nicht besiegen können. Ein Weib, das ich nicht gewinnen kann, ein Freund, dessen Herzblut unnützerweise strömt. Valerius schoss sich heute morgen mit einem Fremden, der verlarvt auf der Mensur erschien, und dem Graf Topf sehr ernstaft sekundierte. Sie schossen sich auf Barriere. Valer war vollkommen passiv dabei, blieb unverrückt auf seinem platz stehen und machte keine Miene anzugreifen. Desto eiliger avancierte der Gegner. Als Valer die blutigste Absicht nicht mehr verkennen mochte, regte sich ihm die Galle auch, er trat einen Schritt vor und drückte ab, im nämlichen Augenblick tat's der Gegner auchBlitz und Knall von beiden Seiten, beide stürzen zusammen. Kaum fing ich meinen armen Freund noch in den Armen auf. Das Blut stürzte aus der oberen rechten Brust. Eh' ich ihn noch ins Haus bringen konnte, hatte sich der Gegner aufgerafft, er war nur von einem Streifschuss am Schlaf betäubt gewesen und kam ohne Maske zu uns heran. Valer, der nicht einen Augenblick die Besinnung verlor, schien ihn sogleich zu erkennen und machtesprechen konnte er nichteine unwillige Bewegung mit der Hand zum Zeichen, dass er ihm aus den Augen gehen möge. Der Narr konnte aber sein Komödienspiel nicht lassen und fing an zu deklamieren, er sei Klaras Bruder, und Valer habe seine Schwester unglücklich gemacht, ein Brief, den er bei seiner Schwester gefunden, habe es ihm verraten. – – Es wurde mir zuviel, und ich drängte ihn mit Schulter und Arm von meinem Freunde weg, ihm bedeutend, dass Epiloge vor einem Schwerverwundeten überflüssig seien, und dass ich ihm mit meiner Sekundantenkugel den Weg zeigen würde, wenn er sich nicht schleunig davon mache. Dem Grafen sagte ich einige harte Worte wegen dieses unziemlichen Betragens, er zog den Mann mit dem gelben Italienergesicht fort. Ich trug Valer auf sein Zimmer; es war sehr früh am Tage. Niemand störte mich. Der Graf hatte schon den Abend vorher nach einem arzt geschickt, der ward herbeigeholt und untersuchte die Wunde. Die Kugel war dicht unter der Schulter hineingegangen und sass noch drin. Der maliziöse Schuft hatte wenig Pulver genommen. Valer hatte noch kein Wort gesprochen; wir legten