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Der Stifter meines Unheils wird selbst unglücklich: Alberta liebt seinen Freund Hippolyt, ach und ich fürchte, dieser liebt die schöne Gräfin Julia, die vor kurzem hier angekommen ist. Das Unglück hat sich hier eingenistet. Grüssen Sie innigst Ihre Schwester; o dass ich mein Leid in ihren Busen weinen könnte.

Die Bitte, mir nicht zu antworten, darf ich wohl nicht erst aussprechen. Vergeben Sie mir!

Kamilla.

20. Hippolyt an Julia.

Wir sind in einem haus, und ich muss das tote geschriebene Wort an Sie richten, dem warmen lebendigen gestatten Sie keinen Zugang. Warum verschliessen Sie sich in Ihrem Zimmer, warum nehmen Sie mir meinen Tag, das Licht Ihrer Augen? Ist es meine Schuld, dass ich Sie später gesehen als die gute Alberta? Ich habe ein heisses glühendes Herz, mein fräulein, ich schwöre es Ihnen, ich will, ich werde Ihr kaltes Gemüt erwärmen; nur Ihre Hand reichen Sie mir, durch die Fingerspitzen will ich mein Leben bis zu Ihrem Herzen treiben. Nie habe ich einem weib meine Liebe erklärt, Ihnen, Julia, sage ich, dass ich vergehe in Liebessehnsucht nach Dir. Du bist meine Sonne, mein Mond, der ganze gestirnte Himmel meiner Wünsche, meine Erde, meine Welt, meine ganze Hoffnung auf Seligkeit. Antworten Sie mir, meine ganze Seele fleht, antworten Sie mir gütig, öffnen Sie Ihre Zimmer, ich muss Sie sehen, ich verschmachte in dieser Wüste. Ihr Anblick ist mir die erfrischende Quelle; ich renne mir den Kopf ein in dieser Nacht. Sie sind mein Licht, o leuchten Sie mit dem Meere des Lichts in Ihren Augen. Ich zünde das Schloss an, um Sie aus den Flammen zu tragen, Sie in Dampf und Glut zu küssen. – Weib, das mich unterjocht, ich l i e b e D i c h Julia, Du weisst nicht, was das heisst. Antworte mir, erscheine! –

21. Valerius an Konstantin.

Warum schreibst Du keine Zeile, Mensch? Lebst Du nicht mehr? Ich muss alle Stärke des Gemüts zusammennehmen, um in diesem Drange der Dinge fest zu stehen. Sollte Dir ein Unglück begegnet sein, lass es uns bald wissen; ich will zu Dir kommen, Du hast ja für die Freiheit gefochten, für das einzige Unwandelbare im Leben. Hier ist viel Unheil. Kamilla weicht mir aus, steht mir nicht Rede. Das tut mir unendlich weh. Alberta liegt krank, Hippolyt hat ihr das Herz gebrochen, der Südländer ist rasselnd in ihm aufgesprungen, er rast in Liebe für die schöne Julia. Diese flieht ihn wie ein Reh den Wolf, und hält sich mehrere Tage in ihren Zimmern verschlossen. heute' kam sie zu Tisch; im Augenblick als wir uns setzten, fuhr die Fürstin Konstantie vor. Nun ist die Verwirrung vollständig. Hippolyt schäumt wie ein Eber, ich habe meine Not, ihn in zivilisierten Schranken zu halten. Wäre dieser Mensch ohne Bildung, man sähe die Taten eines blutigen Barbaren. Der Graf ist äusserst niedergeschlagen und sprach heute wehmütige, rührende Worte mit mir. "Ich bin alt geworden" – sagte er – "und kann der Zeit nicht mehr voraus, sie übereilt und mordet mich und mein armes Kind." –

Später.

Eben erhalte ich eine Ausforderung von unbekannter Hand. Es werden da soviel Nichtswürdigkeiten auf mich gehäuft, dass ich ein entsetzlicher Verbrecher sein muss. Es ist doch unangenehm, auch nur für einen einzigen Menschen ein solcher Gegenstand des Abscheues zu sein. Ich sinne hin und her, weil mir der Gedanke aufsteigt, die Handschrift schon irgendwo gesehen zu haben. Ich kann's nicht aussinnen. Alle Anschuldigungen sind indes so unklar, unbestimmt ausgedrückt, dass ich durchaus nicht genau weiss, welcher Übeltat ich angeklagt werde. Weiber scheinen dabei beteiligt zu sein; es ist also wohl ein eifersüchtiger oder Ritterdienst tuender Mann. Und somit ist die Sache vielleicht ein Missverständnis, denn ich wüsste doch wahrlich nicht, wem ich der Weiber halber etwas getan haben sollte. Der gute Mann verlangt keine Antwort, sondern wird sich in kurzem selbst melden. Soll ich offenherzig sein? Die Sache ist mir unangenehm; ich habe es neuerdings immer gefürchtet, in eine Duellangelegenheit verwickelt zu werden, weil ich den fatalen Kampf meiner gesunden Ansicht mit meiner schwächlichen Empfindsamkeit voraussah. Das Duell ist mir verhasst, und wenn ich an die sogenannten Skandäler auf der Universität zurückdenke, so kommen auch alle die Harlekinaden mit, aus deren und jene Paukereien erscheinen mir wie ein ernstaftes Spiel, bei dem leicht ein Unglück geschieht. Wenn man aber die Harlekinsjacke ausgezogen hat, soll man auch das Spielen lassen. Ich würde es von staates wegen niemand verbieten, weil es eine Beschränkung der persönlichen Freiheit wäre, und weil es wirklich Verhältnisse gibt, von deren feinen Linien das bürgerliche Recht keine Kenntnis haben kann, da es seiner natur nach al fresco gemalt sein muss. Ich kann es niemand wehren, an den Vorteilen der Zivilisation keinen Anteil nehmen zu wollen, sobald er einen andern, der das will, nicht stört. Wenn also ihrer zwei ausser dem gesetz begriffen sein und ihre Angelegenheit durch Degen oder Kugel schlichten wollen, so soll man sie gewähren lassen. Aber man betrachte jedes Duell mit also misstrauischen Augen, als man es noch immer mit günstigen tut. Man gestatte jedem, es unbeschadet seiner äusseren Ehre zurückzuweisen; man blamiere, verlache diese mittelalterliche Courage