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wohl schon einmal gesagt; verlangen Sie nichts Geordnetes von mir. Sie wollten eine Beschreibung, ich gebe sie, wie ich in meiner Eile und Zerfahrenheit eben kann. Er war beide Male, wo ich ihn sah, braun gekleidet, trug um den vollen Hals ein leicht fliegendes Tuch, keine Krawatte und keinen steifen Vatermörder, sondern einen weichen nachgiebigen Hemdkragen. Sie sehen, wie ich Ihren Regeln nachzukommen trachte und ins Detail beschreibe, um Ihnen die Figur deutlich zu machen. Ich muss mich im Beschreiben von Personen üben, dies Zeichnen mit Worten macht mir Vergnügen. Bitte, lassen Sie mir wieder mein altes Zimmer einrichten, das auf die Terrasse sieht, es ist gar zu hübsch. Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wie ich mich auf Grünschloss freue; ich bin hier so sommertrocken und suche Kühle und Grün. Adieu, meine Liebe, tausendmal Adieu.

17. Konstantin an Hippolyt.

Paris, den 29. Juli.

Ich hoffe nicht, dass mir die Zeitungen vorausfliegen; wenigstens werden sie Euch nicht sagen können, wie gut mir's in der hiesigen Schlacht geht. Sattle Dein Ross und fliege her, wir machen Freiheit hier. Vorgestern ist er losgegangen in den Strassen von Paris, der hochrote blutige Kampf eines Volkes um sein Recht, die dunkeln Schatten der Jakobiner schreiten vor der neuen Jugend einher, die alten Freiheitslieder flattern wie Sturmvögel über den Plätzen, mein Herz ist fast zersprungen vor Freude, so zur rechten Zeit gekommen zu sein, und meinen grimmigen Hass gegen alles weltgeschichtliche Unrecht ausbaden zu können in schlechtem Söldnerblute. Ich habe gefochten wie ein Rasender. Gestern stand ich am Fenster des Zimmers, wo die Deputierten zusammenkamender alte Student der Revolutionen, das bemooste Haupt auf dem Fechtboden der Völker, Lafayette, sagte uns, was wir taten. Die Deputierten sprachen verwirrt von Emeuten, Revolten usw. – Da stand der unsterbliche alte Knabe, dessen Herz noch im Sarge schlagen wird, auf, und sagte mit seinem gewöhnlichen weltistorischen Lächeln: Meine Herren, das ist keine Revolte, donnerte das Wort durch Paris; er, der alle Vorlesungen der revolutionären Professoren besucht hatte, er musste es wissen, wie das Kollegium hiess. Nun ist der Name da und nun lässt sich Paris totschlagen, bis dieser Name von allen Türmen flaggt. Heiss brennt die Julisonne und saugt gierig das Blut auf, heiss schlagen die Herzen, wir haben eben das Stadtaus wieder gewonnen, das Haus, wo die ehernen Männer der neunziger Jahre sassen; in einem Winkel desselben schreibe' ich Dir; an dem Fenster, wo ich sitze, stürzten sich einst die Männer des Termidor hinunter. Hurra, Freund, von hier geh' ich, um die letzten Schergen des dummen Herrschers aus dem Louvre vertreiben zu helfen, neben mir regiert Lafayette, und seine arme, die Hunderttausende des volkes, geben dem alten morschen Tron der Bourbonen, dem Tron der herkömmlichen Bevorzugung, den letzten Stoss; morgen machen wir eine Regierung, eine lustige Republik. – O grosser Gott, seit Jahren dank ich dir heute zum ersten Male für deine Welt, ja sie ist schön; der alte Unflat wird unter die Füsse getreten, die Menschenrechte schreien durch die Gassen, und alle Welt hört sie; das Herrschen und Beherrschtwerden hört auffrage den Valer, ob er Präsident werden will, ich werde' ihm meine stimme geben. Du taugst nichts dazu, Du bist zu monarchisch gewachsen und geartet. Schreibt mir, schreibt mir, was das erschrockene Schlesien sagtkönnt' ich die zertretenen dummen Fratzen Eurer Aristokratie in diesem Augenblicke sehen, mein Glück reichte bis an den Himmel. Eine Schmarre in der Wange ausgenommen bin ich noch heiler Hauthätt' ich tausend Leben, ich stürbe tausendmal für die Freiheit. Holla die Trommelndie Trommeln, es geht zum Louvre gegen die Schweizer. Gott behüte Euch; fall' ich, so beneidet mich, ich bin im Rausche gefallen. –

18. Hippolyt an Konstantin.

Den 7. August.

Mein Pferdmein Pferd – a horse, a horse, a kingdom for a horseja so hab' ich geschrien, und bin hinuntergestürzt, um fortzujagen nach Parislache mich aus, schmähe mich, schlage mich, dass ich nur bis ans Portal des Schlosses kam: Julia stieg aus dem Reisewagen und sah mich neugierig an mit ihren grossen Augen, und das grosse Auge der Weltgeschichte schlug seine Wimpern für mich zu, und ich blieb hier und glühe in Liebesfieber, wie es meine Seele nie gekannt. Vergib mir, ich reiche dem Valer die Feder, er mag weiter schreiben. Ich kann es nicht.

Valerius an Konstantin.

Ich habe sie gelesen jene Worte, Freund, "Sie haben den König verjagt, weil er die Charte gebrochen," ich habe sie gehört, und mein zitternder Mund hat sie mir hundertmal zum hören vorgesagt, dass die Eisrinde an meinem Herzen springen und meine liebende Seele, die alles Hoffen verlernt, daran glauben möchte, es gebe noch Recht und Gerechtigkeit in der Welt, und der Freund der Menschen brauche nicht mit gebrochelastete, wie hoch flogst du auf, o du schlimmes Jahrhundert, wie hattest du dich verpuppt, dass selbst deine liebendsten Söhne dein Angesicht nicht mehr erkannten. Hätte ich doch einen Franzosen bei der Hand, dass ich ihn küssen, drücken und wieder küssen könnte. Also wieder dieses leichtblütige Volk musste es sein, das zum