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, jetzt kehrte ich mich nach diesem um und ward nicht wenig überrascht, als ich eine Gestalt vor der Tür auf und ab gehen sah und hörte. Es war sehr dunkel, man konnte nichts genau erkennen – "Wer da?" rief's – ich meinte Livreestreifen am Kragen des Wächters zu sehen und wagte es auf gut Glück, die stimme des Schwagers vom Fürsten, rauhe tiefe Basstöne, nachzuahmen, dem wachstehenden mann zuzurufen: "Du kannst gehenes ist vorbei," und mich wieder einige Schritte nach rückwärts zu wenden, als kehrt' ich zum Palais zurück. Es glückte wirklich, der Mensch murmelte etwas Unterwürfiges in den Bart, und fragte, ob er das Pförtchen schliessen solle. In diesem Augenblicke kamen Menschen vom Balkon her. – "Nein," herrschte ich ihm zu. Der Narr zögerte noch immer, ich musste fort und konnte nicht an ihm vorüber ohne erkannt zu werden, die Leute kamen direkt auf uns zu. "Pack Dich," gurgelte ich endlich nach dem Lästigen hin; er ging, ich kam hinaus. Kaum drei Schritte entfernt, hörte ich den Ruf der richtigen Bassstimme: "Andreas" – aus der Ferne gibt der Diener Antwort und kommt zurückgeeilt. Ich aber springe nun auf den Zehen eiligst von dannen, bis ich die Promenade erreiche. Da schüttle ich die Ereignisse von mir und schlendre auf einem weiten Umwege nach meiner wohnung. Es schlug eins. Eben wollte ich aus der Vorstadt in die Hauptstrasse, wo ich wohnte, einbiegen, als ein Mann aus dem Schatten einer Haustür vorspringend mit blankem Degen mich anfällt. Ich springe rasch auf die Seite, der mit aller Wucht des Körpers geführte Stoss fährt vorbei, und eh' der Bewaffnete Zeit gewinnt, von neuem auszufallen, bin ich ihm am leib und dränge meinen Arm in die neu ausgeholte Degenbewegung. Der Degen schneidet zwar in meinen Arm, aber die Waffe ist doch zur Hälfte gelähmt, und mit aller Kraft seinen Arm in die Höhe drängend, gelingt es mir, ihm den Degen durch einen heftigen Stoss bis ins eigene Gesicht zurückzuschlagen, und da er mit dem kopf zurückfährt, ihm selbigen in diesem Augenblicke seiner Bestürzung und rückwärts gebeugten Haltung zu entringen. Bei diesem Ringen entfällt ihm der Mantel, ich erkenne Konstantiens Schwager. Eine Berserkerwut kam über mich, einen Augenblick wollte ich ihm mit der eigenen Klinge den Wanst durchrennen. Er drängte sich aber schnell genug an mich, als ob er sich solch eines Aktes versehe, und verhinderte mich dadurch. Ich sprang einen Schritt zurück und hieb ihm die schmale Klinge durchs Gesicht. Vielleicht war der Hieb über ein Auge gegangen: er taumelte rückwärts. Ich stiess ihn mit der Faust vor die Brust, dass er klirrend und dröhnend rücklings auf das Pflaster schlug. Den Degen bog ich heftig gegen die Steine, dass die Klinge sprang, das Gefäss mit dem Stumpf warf ich weit in die Strasse, und ging zurück hinaus in die Vorstadt, da ich die Nachtwächter kommen hörte. Es war kein Wort gesprochen worden, im Dunkeln, lautlos vergossen wir unser Blut. Ich war wieder jenseits der Promenade in die Gartenstrassen geraten, mein Arm erstarrte und schmerzte, ich hatte mir auswendig über den durchschnittenen Ärmel das Taschentuch festgebunden, um das Blut zu hemmen. Desdemonas Haus war in der Nähe; ich sprang über den niedrigen Gartenzaun und klopfte an das Fenster ihres Schlafzimmers. Ich hatte damals durch die offene Tür gesehen, dass sie neben jenem Zimmer schlief, wo sie Klavier spielte. Durch den Fensterladen hörte ich Geräusch. Um ihre Angst vor Dieben und dergleichen zu verscheuchen, sprach ich meinen Namen durch die Ritzen hinein. Ein leiser Schrei, und es ward geöffnet. Desdemona war im bunten türkischen Schlafrocke mit aufgelöstem Haar. Sie hatte diesen Abend die Lady Macbet gespielt, noch erhitzt davon hatte sie keinen Schlaf gefunden, und im Shakespeare und meinen Briefen gelesen. Sie legte ihre hände auf meine arme und fragte mild: "Willst Du herein?" Entsetzt fuhr sie zurück, sie hatte in das kalte Blut gegriffen, das auf meinem Ärmel lag, und ich parodierte patetisch die Lady: "All te parfums of Arabia shall not sweeten tis little hand." – Desdemona verging fast vor Schmerz über mein Blut; ich musste eilen hineinzusteigen, um sie zu beruhigen. Sie war aufgelöst und weinte unaufhörlich. Es war, als ob ein nächtlicher Sommerhimmel warm regne. "Unglücklicher, was ist dir geschehen?" Mein lachen tröstete sie noch immer nicht. Ich riss mit einigem Schmerz den Rock herunter, wir wuschen das Blut ab, und es zeigte sich zu meiner Freude und ihrem Entsetzen eine tiefe lange Fleischwunde. Ich beruhigte sie mit Mühe, dass das gar nichts zu sagen habe und nichts als eine kleine Narbe bringe. Ihre Tränen fielen heiss darauf, und kaum hielt ich sie vom fortwährenden Küssen der Wunde ab. Sie riss alle Schübe auf, und brachte Linnen und allerlei Verbandzeug. Unter immerwährenden fragen, "ach, es schmerzt dich wohl sehr?" "Ach, mein armer Hippolyt!" verband sie den Arm, und wollte gar nicht daran glauben, dass ich wohl und munter sei. Ein wenig erschöpft war ich doch und streckte mich aufs Sofa, Desdemona kniete vor mir, und strich mir die verwirrten Locken von der Stirn und den wirren Bart vom mund, und küsste mich sanft wie ein warmer schmeichelnder Luftzug. Sie sah rührend aus