mit dergleichen beschenkt würden.
Ich bin sehr beschäftigt, und zwar mit den verschiedenartigsten Dingen. Es besucht mich fast niemand, und ich gehe nur wöchentlich zweimal zu einem Bekannten, mit dem ich Schach spiele, lese, und dessen Flügel ich benutze. Die Musik kommt mir seit langer Zeit vornehm, fremd vor, es ist mir, als ob sie mich über die Achseln ansähe – so war's doch früher nicht, und ich begreife durchaus nicht, was der Dame einfällt – ich glaube, sie liebt den Sekt nicht. Auch bringt sie mich stets ein wenig aus dem Gleise, es wird mir, als säss ich einer früheren Geliebten gegenüber, der ich untreu geworden, Jünglingserinnerungen klopfen mich unsanft wie Fächerschläge auf die Wangen – es ist wunderlich, aber ich kann das Klavierspiel nicht lassen, es ist eine schmerzliche Lust, mit alten Geliebten zu plaudern. Ausserdem ist das Teater meine einzige Erholung. Ich bin wirklich, so sehr ich mir Mühe gebe, auch wenn ich ausgestreckt auf dem Sofa liege, nicht ganz ruhig. Ich schreibe dies und das, reisse mich aber mit Gewalt wieder los, denn ich will einige Zeit wieder etwas lernen. Ich weiss nicht, was das Volk in mir für eine Wirtschaft treibt, es gebärdet sich manchmal wie eine mit der Regierung unzufriedene Nation. Ich hoffe, das Studieren wird sie beschwichtigen. Ich gäbe viel darum, wenn ich jetzt unseres kleinen Kupido Chronik hier hätte. Wenn einmal jemand mit einem zu leichten Wagen hieher fährt, so pack' ihm doch das Ding auf. Was macht Kupido? Sitzt er noch in den Bergen bei seiner idyllischen Landschöne? Sein letzter Brief war wie die Sage eines wandernden Minstrels; der Junge lauft im land umher, schöne Mädchen zu suchen. Ich fürchte, er wird nächstens einmal der Polizei in die hände fallen und uns Schande machen, was man so Schande nennt.
Heute wäre so ein rechter Phantasietag, wenn wir beisammen wären; es regnet und stürmt, und dunkelglühende Grogschatten ziehen vorüber. Aber ich will dem Salamander abschwören, er stört mich jetzt, denn ich bin mitten in einer Liebesintrige. Höre, wie das kam!
Ich sass vorn im Sperrsitz des Teaters und sah der Gaukelei zu. Ein junges Soubrettchen machte mir Spass, sie war so nett und fix und rund und drall: Du weisst, das lieb' ich. Bald darauf kam sie im Ballett wieder zum Vorschein. Hochgeschürzt entwickelte sie einen behenden, makellosen Wuchs, eine geregelte muntere Formenschönheit schoss aus Fuss- und Handspitzen blitzende Funken in mich. Mein Nachbar meinte, es sei ein unternehmendes Kind, und Dein Sir John verfügte sich alsbald hinter das Geheimnis der schützenden Kulissen. Glühend sprang sie eben aus der Szene herein in die dunkle Verborgenheit, als wollte sie heiss dem Korydon in die arme fliegen. Der Korydon war da und stellte sich ihr sehr lebhaft vor, eine kurze Topographie seines inneren neuentdeckten Terrains entwerfend, die üppige Vegetation seiner Triften beschreibend. Das muntere Ding nahm es harmlos auf, und im raschen Flusse der Worte und begebenheiten – denn die phantastische Welt des Balletts spielte im Köpfchen noch weiter – überliess sie sich nach geringem Sträuben der Woge meines Anerbietens, sie nach haus zu geleiten. Ich schwor bei Pistols Sekt und Fallstaffs Schwert – sie hatte Heinrich IV. wahrscheinlich noch nicht gesehen – ich würde die Stadt anzünden, wenn sie nicht in diesem reizenden Kostüme bliebe, sie gewährte, warf den Mantel um und wir gingen.
Dabei, lieber Hippolyt, muss ich im Vorbeigehen dem Valerius recht geben, und ihm Dank sagen; er behauptete oft, wenn von dem Reiz der Schauspielerinnen die Rede war, dass man mit diesen Damen nur verkehren müsste, wenn sie noch in selbigem Anzuge seien, der sie auf der Bühne geschmückt, mit dem Gewande schwinde die Illusion, und man bekäme ein Gedicht in schleppende Prosa übersetzt.
Wahrhaftig, die Welt der Täuschung ist ja das einzige, was am Leben erfreut, ein Narr, der einen Fetzen davon aufgibt. Das Gepränge der Täuschung macht die Schauspielerinnen gefährlich, – wer möchte in die Gefahr eingehen und den Glanz wegwerfen. Eine Bajadere in ein Kattunkleid gesteckt, das zwei Ellen lang, lieben wollen, heisst sich an einer Statue ergötzen, die gegen die Witterung in Leinwand gehüllt ist.
Kurz, ich führte meine Bajadere nach haus und sprach geflügelte Worte mit ihr. Aber das Erzählen ist träg – ein andermal von Euern Taten, Sir John – Ade, mein Fähnrich!
2. Konstantin an Valerius.
Ich lebe hier noch ebenso einförmig, wie ich Dir's geschildert habe: äusserst selten ein poetischer Augenblick – ein nüchternes Vegetieren. Es weiss der Himmel, woran das liegt. Ich gebe mir alle ersinnliche Mühe, das zu ändern – Du wirst dies aus meinen philantropischen Bestrebungen im Briefe an Hippolyt erkennen. Ich suche tastend nach allen Spitzen meiner Gemütsnerven: es geht nicht; wenn ich neben Rosa sitzend einen an seinem Endpunkte erreicht habe, so schnellt er mir immer wieder davon. Es ist sehr ärgerlich. – Durch Goete hab' ich sehr grosse Begier nach Italien bekommen, – ich will es indessen versuchen, hier seine Elegien nachzuleben. Aber ich glaube, es ist italische Sonne und italischer Himmel nötig, denn ich schaffe alle Ingredienzien seiner Poesie herbei, aber ich kann das Getränk nicht zustande bringen. Du glaubst nicht, Valerius, was ich mir für Mühe gebe, poetisch zu geniessen. Es