1833_Laube_131_152.txt

und dieser ruft laut: "Wenn Dembinski erscheint, so verweigere ich ihm das Wort."

Man überbringt Dembinski eiligst diese Äusserung, er erschrickt, gibt sein Unternehmen auf, und da er doch Generalissimus ist, rückt er hinaus ins Lager.

So war das Feld wieder frei für Krukowiecki: immer längere Listen von solchen, welche das Volk ermorden wolle, überbrachte er dem Reichstage, liess das Schloss mit Truppen und Kanonen umringen, als sei die grösste Gefahr vorhanden, und ward dann auch wirklich unter diesen Schreckensumständen, die er allein zu bändigen schien, zum Präsidenten der neuen Regierung ernannt.

Jede Partei glaubte, sich Glück wünschen zu können; die ausschweifendsten Demagogen wurden bestraft, die tüchtigsten aus der Volkspartei, wie Xaver Bronikowski, wurden angestellt, den Doktrinärs ward dadurch genügt, dass Bonaventura Niomojewski Vizepräsident wurde, die Aristokraten fanden ihre Stellen im diplomatischen Kreise, ein paar Soldaten und gemeine Leute, welche man bei den Mordszenen ergriffen hatte, wurden erschossen; der neue Regent war von unermesslicher Tätigkeit, man fühlte sich konsequent und durchgreifend regiert, alles pries den Retter aus so grosser Unruhe und Unordnung, den alten Krukowiecki.

Valerius, der an jenem Abende den Slodczek wirklich gerettet hatte, ging jetzt lebhaft mit dem Entschlusse um, wieder in die fechtenden Reihen einzutreten, obwohl sein Anteil an allen diesen Dingen völlig erstorben war. Es graute ihm vor diesen revolutionären Zuständen, die ihm mit aller Grässlichkeit, mit ihrem entsetzlichen Zufalle so nahe getreten waren, ein ganzes historisches Verhältnis war ihm unheimlich, wo in keiner Weise ein gesichert Allgemeines festgestellt werden konnte, aber er hielt es für schicklich, jetzt nicht abzustehen, wo die Gefahr aufs höchste gestiegen war.

Eine Rückkehr nach Deutschland war in diesem Augenblicke auch nicht möglich, die Russen hatten eine Meile von Warschau den ganzen Kreis des linken Weichselufers besetzt; sogar das Rüdigersche Korps hatte sich von Süden herauf mit der grossen Armee vereinigt, vor Deutschland lag die Mauer einer Armee.

Im Begriff, nach Wola hinauszugehen, schritt er trübe und düster über den sächsischen Platz, das ganze Leben sah ihm zugemauert und verloren aus, da kam Kasimir geritten, der eine Botschaft von der Armee an den Präsidenten gebracht hatte. Er war sehr niedergeschlagen und riet Valerius durchaus ab, noch einmal die Waffen zu ergreifen für eine völlig verlorene Sache.

In diesem Augenblicke fuhr der Präsident Krukowiecki mit Stanislaus und dessen Vater vorüber.

"Sehen Sie," sprach Kasimir, "die unnatürlichen Verhältnisse: der alte Graf hasst Krukowiecki wie die Pest, da fährt er freundschaftlich mit ihm hin. Nein, nein, glauben Sie das nicht, hoffen Sie nichts von dieser blendenden Energie, diese Warschauer Polen sind bis ich die innerste Seele eitel und egoistisch, dieser Krukowiecki ist der Egoismus selber, ich fürchte das Schlimmste. Kommen Sie mit, ich will mein Pferd einstellen und einen Schlupfwinkel suchen. Helfen Sie mir; ich vertraue Ihnen rücksichtslos. heute' abend kommt Dembinski, der jetzige Generalissimus, mit Skrzynecki in die Stadt herein, Skrzynecki ist seines Lebens nicht mehr sicher vor seinem Todfeinde, dem alten Grauen. Krukowiecki verlangt heute seine augenblickliche Entfernung von der Armee, morgen, übermorgen wird er auch Dembinski absetzen."

Sie suchten eine wohnung für Skrzynecki. Des Abends kam wirklich ein Wagen vor den Regierungspalast gefahren, in welchem zwei Offiziere sassen. Der eine stieg aus, um den Präsidenten der polnischen Regierung zu sprechen, heftiger Groll lag auf dem Antlitze, und raschen Schrittes eilte er über den Hofes war Dembinski. Der andere Offizier, in einen Mantel gehüllt, fuhr weiter; in einer dunkeln Strasse stieg er aus, Kasimir und Valerius traten zu ihm, gingen schweigend noch durch einige kleine Strassen und traten in ein Haus.

Der Mann, welcher sich jetzt in Warschau verbergen musste, war derselbe, welcher noch vor wenig Tagen an der Spitze des polnischen Heeres gestanden hatte, war Skrzynecki. Seufzend warf er sich im Zimmer auf einen Sessel; der lange, blasse, interessante Mann nahm seine Brille ab und bedeckte die Augen mit der Hand.

Die Situation schnitt Valerius durch das Herz, wie zermalmender Sturm erschien ihm eine Zeit, die aus dem Gleise gerückt ist.

"Wenn Dembinski heftig ist gegen den glücklichen Intriganten, so wird er morgen des Generalissimates entsetzt sein, dieser Krukowiecki ist unser Saturn, ein heidnischer Dämon, der seine Kinder frisst." –

Der nächste Tag sah die Erfüllung dieses Wortes, Dembinski ward abgesetzt, Valerius und Kasimir brachten dem zerbrochenen Krieger die Nachricht, und man beratschlagte eifrig über Mittel und Möglichkeit, dass Skrzynecki nach Krakau gelange; Krukowiecki hatte überall seine Spione, es war die grösste Gefahr zu besorgen. Darüber brach der Abend ein, man hatte sich über die Abreise zum nächsten Abend vereinigt, die drei Männer sassen schweigend im Dunkeln.

Da polterte ein schwerer, bespornter Fuss die Treppe herauf, die Tür ward ohne weiteres aufgerissen, ein grosser breiter Mann trat auf die Schwelle und blieb dort schweigend stehen; die Tür blieb offen. Hinter ihm kam ein Soldat mit einer Laterne, er trat neben jenen, das Licht beleuchtete die Gruppe.

"Krukowiecki!" riefen gleichzeitig die drei Männer und sprangen von den Stühlen auf.

"Jawohl, Krukowiecki," sprach jener. "General Skrzynecki schlägt wohl die Russen hier ganz in der Stille?"

Skrzynecki hatte seine volle vornehme Fassung und verhielt sich mit untergeschlagenen Armen völlig schweigend. Die beiden grossen Figuren in solcher Stimmung und Situation