, General, als meinen Befehlen zu gehorchen."
Erzürnt sprang dieser auf und sprach heftig: "Nun wohl denn! Vernichten Sie durch dieses unzeitige Zögern die ganze Expedition, setzen Sie unsere Armee aufs Spiel, wenn Diebitsch mit den Garden sich vereint und uns den Rückzug über die Narew vertritt, aber ich will nichts zu schaffen haben mit dieser Art des Krieges, ich verlange meinen Abschied –"
"Den haben Sie – Adieu!"
Prondzinski stürzte hinaus, warf sich aufs Pferd und jagte davon. Die Tränen liefen ihm über das Gesicht.
Während dieser Zeit hatten die Truppen marschfertig gestanden und den Befehl zum Angriff erwartet; ein Trupp Offiziere hielt zu Pferde auf einer kleinen Anhöhe und hatte das Bauernhaus im Auge, wo der Feldherr wohnte. Sie sahen Prondzinski in voller Karriere sich nähern, hielten dies für ein Zeichen, dass der Angriff schleunigst bewerkstelligt werden sollte, und wollten sich eilig auf ihre Posten begeben. Er machte aber im Vorbeifliegen eine verneinende Bewegung mit der Hand, hielt plötzlich sein Pferd an und blickte mit dem schmerzlichsten Ausdrucke nach der Gegend hin, in welcher die Garden ihre Flucht bewerkstelligten, die ihnen nur durch einzelne polnische Truppenabteilungen schwierig gemacht wurde. Sein sonst blühendes Antlitz war verstört, sein Auge starr, die Gesichtsmuskeln zuckten zuweilen wie vom Krampf ergriffen.
Stanislaus und Valerius befanden sich in der Offiziergruppe, und jener wendete sich fragend an Prondzinski.
"Ich habe keine offizielle Antwort mehr für Sie, ich bin verabschiedet," sprach er mit metalloser stimme, "der Generalissimus greift die Garden nicht an."
Darauf ritt er langsam nach dem polnischen Lager. – Nur ein junger heftiger Oberst stiess einen lauten Fluch aus, die übrigen Offiziere sahen sich erstaunt an, schwiegen aber. Das Vertrauen auf Skrzynecki war damals noch so gross, dass niemand an der Weisheit seiner Massregeln zu zweifeln wagte.
Es war ein schimmernder Maimorgen, die strahlende Sonne spiegelte sich in den Wellen des Flusses, der Tau blitzte auf der weiten Fläche bis auf die Waldspitzen, die hier und da ins Land hereinliefen, die Vögel sangen, nur aus der Ferne hörte man Schüsse, und Valerius vergass des krieges und seiner Sorgen. Er hatte sich bereits an das wechselnde, gedankenlose Leben gewöhnt, liess die alten fragen seines Geistes und Herzens nicht mehr aufkommen, da er weniger als je eine Lösung der Lebensrätsel in Bereitschaft hatte, und sah mit offenem Blicke in die frische natur hinein.
Da kam eine glänzende Equipage von der Richtung hergefahren, in welcher die Garden entflohen. Man hatte eine so grosse Menge Luxusartikel in ihrem Lager vorgefunden, dass man auch jenen schimmernden Wagen für eine Beute der nachsetzenden Reiter ansah und sich nicht eben über seine Erscheinung verwunderte. Als er indessen näher kam, fiel es doch auf, dass eine Dame darin sass; in ihrem Begleiter erkannten Valerius und Stanislaus den Wolhynier Kasimir, und wie aus einem mund riefen sie: "Ludmilla?" Der Wagen hielt einen Augenblick und Kasimir erzählte den beiden teilnehmenden Bekannten, wie er zu diesem Funde gekommen sei. Die eilige Flucht der Garden hatte die Strasse verstopft, so den Wagen aufgehalten und ihn den nachsetzenden Polen in die hände geliefert. Kasimir war dazugekommen. – "Und der Russe?" unterbrach ihn Stanislaus. – "Die Canaille hat seine Beute im Stich gelassen und war schon aus dem Bereich meiner Kugel. Er ist übrigens nicht der eigentliche Räuber gewesen, jene Steuerbestie hat Ludmillen nicht mal für sich gestohlen, sondern für den Anführer eines russischen Korps, das damals aus dem Süden heraufzog, um sich mit den Garden zu vereinigen, so ist das Mädchen hierher gebracht worden."
Valerius hörte wenig von diesen Worten, er konnte seine Augen nicht abwenden von dem Gesicht Ludmillens. Es entging ihm nicht, dass die Schönheit und das Glück dieses Antlitzes zerbrochen sei, das grosse Auge, voll von schwerer Leidensgeschichte, wagte es nur selten, schüchtern aufzublicken, die langen Wimpern deckten es schirmend zu, und wenn sie sich hoben, da stieg eine brennende Röte in das bleiche, schöne Gesicht; Zorn und Scham, Stolz und Hass schienen ihm in dieser schnell erscheinenden, schnell verschwindenden Röte aufzuflackern. Das Mädchen war noch zur Hälfte in ihrer früheren ländlichen Tracht, zur Hälfte mit modischen Kleidungsstücken behängt; der Wagen flog davon, und es blieb ein wunderlicher Eindruck dieses Bildes in Valerius zurück. Wie quälen wir uns, dachte er, im engen, kleinen bürgerlichen Leben um die unscheinbarsten Konvenienzen, machen Glück und Unglück davon abhängig und gebärden uns entsetzlich, wenn ein Mädchen allein spazieren geht. Und ein Windstoss der geschichte wirft alle die kleinen Dinge kopfüber durcheinander, und man hat keine Zeit, danach zu fragen – du armes, blasses Mädchen!
Nachdenklich ritt er zu seinem Biwak zurück, Magyac brachte ihm einen Brief entgegen, der von Warschau angekommen war. Konstantie schrieb:
"Komm, Geliebter; sobald Du diese Zeilen siehst, komm zu mir. Ich vergehe. William kommt täglich ins Haus, wird täglich lästiger. Ein hiesiger Vornehmer verfolgt mich mit Liebesanträgen, und mein Onkel, der alte Kuppler, begünstigt ihn und seine Anträge; ich bin von Ennui umgeben und schmachte nach Dir. Lass mich nicht länger harren. Du musst mein Wesen soweit kennen, dass die Leidenschaften in mir stets auf Tod und Leben fechten, vernachlässigst Du meine Liebe, so kann sie plötzlich über Nacht ermordet sein. Mein Herz erträgt diesen halben, schmachtenden, unbefriedigten Zustand nicht. Komm