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seinen Freund nach dem Namen des Generals.

"kennen Sie Uminski nicht?" antwortete der Litauer, welcher die Frage gehört hatte, und ein mildes Lächeln spielte um seine Lippen. "Er ist in Deutschland sonst nicht unbekannt. Als die Revolution ausbrach, sass er auf einer preussischen Festung, ich glaube in Glogau. Einer der eifrigsten Patrioten, hatte er fortwährend Verbindungen angeknüpft, um einen Aufstand vorzubereiten, sie wurden entdeckt, und da er aus dem Posenschen ist, bemächtigte sich die preussische Regierung seiner person. Von der Festung entsprang er und kam nach Warschau. Als er aus dem Wagen stieg, hörte er die Kanonen der Schlacht von Praga, warf sich sogleich aufs Pferd und kam verhängten Zügels auf dem Schlachtfelde an, übernahm auf der Stelle ein Kommando und stürzte sich in den Feind. Denken Sie sich ihn dort, und betrachten Sie ihn hier, so haben Sie sein Bild. Er ist einer der besten Patrioten, ein vortrefflicher Soldat undein Lebemann."

Diese Worte wurden so leise gesprochen, dass der Gegenstand derselben sie nicht vernommen hätte, auch wenn er weniger eifrig mit dem Spiele gewesen wäre.

"Kasimir," sagte hierauf Stanislaus, sich zu dem Volhynier wendend, "Sie haben uns Ihre Lebensgeschichte versprochen."

"Wenn Ihnen ein einfaches kurzes Leben in den volhynischen Wäldern genügt," erwiderte der Angeredete, "wohl, wir haben nichts Besseres zu tun, und am Ende hat der unbedeutendste Mensch ein Interesse."

Magyac hatte unterdessen in einem grossen Topfe von Blech eine Art Glühwein zustande gebracht. Diesen goss er in die leergewordene Weinflasche; da es an Gläsern fehlte, und nachdem diese einmal die Runde gemacht hatte und wieder unweit des Feuers niedergesetzt war, begann der Volhynier seine Erzählung, indem er sich fast ausschliesslich dabei an Valerius wandte. Vielleicht glaubte er bei dem Fremden die meiste Teilnahme zu finden, da diesem Lokalität und Verhältnisse am wenigsten bekannt sein mussten. Und er irrte sich darin nicht.

26.

"Ich habe aus Ihren früheren Reden geschlossen," begann er, "dass Sie sich unser Vaterland nur als eine traurige Abwechselung von dürrer Kieferheide und reizloser Fläche denken. – Sie haben indessen nur einen kleinen teil Polens gesehen. Wenn man aufwärts geht an der Weichsel, dahin, wo sie aus dem Krakauischen herunterströmt, da kommt man über saftig grüne Wiesen, durch kühle hohe Eichenwälder. Und wenn man sich wieder halb nach Osten wendet, da erheben sich die sanften Hügel der Ukraine, welche hinabführen in die ungeheuren Grasebenen, durch welche die flüchtigen Pferde in grossen Herden jagen. Diese Grasebenen sind das Meer unseres Vaterlandes, und aus ihrer schönen, grossartigen Einsamkeit kommen unsere schönsten Lieder. O, ich ritt einst in der Nacht über jenes grüne Meer, mein Herz war traurig und lag zusammengepresst von scharfem Weh in meiner Brust, der Mond schien hell und klar, und ich sah mit tränenlosem, ödem Auge in die unbegrenzte Fläche hinein. Da hörte ich plötzlich eines jener ukrainischen Lieder, es klang wie eine Geisterklage durch die stille Nacht. Von der tiefen Einsamkeit sprach es, und dass kein Baum in der Nähe sei, mit dessen Flüstern der Hirte schwatzen könne. O, wie schön war diese Einsamkeit, hiess es weiter, als die Pferde noch frei waren und keine andern Sättel zu fürchten hatten als die polnischen. Da jagten sie fröhlich an meiner Hütte vorüber und wieherten mir ihre Freude zu, dass sie täglich grösser und stärker würden und bald einen polnischen Reiter tragen könnten.

Und jetzt kommt der Tatar

Mit dem dicken Schädel,

Wirft das stumpfe Auge,

Wirft die starke Schlinge

Auf das freie Tier,

Schlägt die plumpen Beine

Um den freien Leib,

Ach, du Meer von Polen,

Grüne Ukraine,

Du bist jetzt verlassen;

Einsam, einsam, einsam,

Seit der Tatar kommt

Ach, ihr freien Pferde,

Und ihr freien Polen!

Ich hatte vorher nicht weinen können, obwohl ich mein Liebstes verloren hatte, jetzt rannten mir die Tränen stromweis über das Gesicht, ich wendete den Kopf meines Pferdes wieder herum nach Volhynien zu, von wo! ich gekommen war, um mein Mädchen zu suchen. Das Tier eilte rastlos nach der Heimat, und als beim Anbruch des Morgens eines jener schlanken Steppenrosse wiehernd und wild an mir vorüberflog, da sah ich schon von weitem die ewigen hohen Wälder, in welchen meine Heimat liegt.

Dort zwischen den alten Bäumen, auf den feuchten, mit hohem Gras bewachsenen Wiesen war ich gross geworden, hatte den Wolf gejagt und das muntere Pferd getummelt. Mein Vater war ein reicher Gutsbesitzer, und ich war das einzige auf der Welt, an dem er noch Freude hatte, seit er Steuern zahlen musste an den russischen Herrn. Er war immer ein alter strenger Mann, solange ich mich seiner erinnere, der die Freiheit noch gesehen hatte, und die Leute erzählten von ihm, dass er nicht mehr gelacht habe, seit der russische Stattalter in Zitomierz erschienen wäre. Seine Untertanen behandelte er hart, aber sie waren ihm damals zugetan, weil er für den bravsten Polen der Provinz galt. Mir liess er aus der Schweiz einen Lehrer kommen, der mich in allem unterrichten musste. 'Kasimir,' pflegte er zu sagen 'lerne fleissig, dein Vaterland wird kluge Leute brauchen, wenn es die Fesseln der Arglist abschütteln will.' Er selbst lehrte mich unsere vaterländische geschichte, und wie Hamilkar seinen Sohn zog er mich auf in tödlichem