und da stieg aus der stillen Reitermasse ein Fluch auf gegen die Feinde. Plötzlich verbreitete sich eine grosse Helle über den Wald; Häuser von Wavre waren in Brand geraten, Kriegsgeschrei scholl aus der Ferne, des Grafen Kicki Kommandostimme "Vorwärts" flog über die Lanzen hin, und in donnerndem Trabe flog das Regiment durch den Wald, in das brennende Dorf hinein. Der Einzelnkampf würgte noch in den Häusern, pulverschwarze Krieger fochten in kleinen Haufen mit dem Bajonett gegeneinander; wo man hinsah, flogen die glühendroten Strahlen aus den Feuergewehren, Kugeln pfiffen von allen Seiten, mancher Reiter sank auf den Hals des Pferdes.
"Seht, Herr, der Schmied erobert sein altes Haus," rief Magyac, der im zug des Valerius ritt, "dort rechts."
Die schnelle Bewegung riss alles vorüber, aber mit einem flüchtigen Blicke glaubte Valerius doch den alten Florian an der roten Mütze zu erkennen, wie er auf der Schwelle eines brennenden Hauses stand und einen Russen hineinwarf in die Flamme.
Die Hauptmacht der Feinde war aus dem dorf hinausgeworfen, die hinter demselben aufgefahrene Batterie wurde eben genommen, und die Kavalleriechargen warfen den Feind völlig in die Flucht, immer tiefer in die Wälder hinein. Der Feind, das Geismarsche Korps, war zersprengt, die Reste zogen sich auf das Rosensche zurück, das drei Meilen davon stand. Den nächsten Tag, des Nachmitags, wiederholte sich bei Dembe die Schlacht bei Wavre. Hier wurden indessen die Russen auf keine Weise überrascht, sie wussten, dass der Feind ihnen dicht an der Ferse sei, und versuchten mit grösster Anstrengung das Vordringen desselben aufzuhalten. Sie waren in einer festen Position, zahlreich, und, wie alle russischen Truppen, standhaft und hartnäckig. Die angreifenden Polen stürmten zu wiederholten Malen vergeblich; der Tag begann sich bereits zu neigen, und die meisten Kombattanten mochten der Meinung sein, er werde mit einem unentschiedenen Treffen enden, als Skrzynecki unter den vordersten Truppen erschien. Langsam und schweigend durchritt er ihre Reihen, hie und da nur erhielten seine Adjutanten Befehle, die massen enger und dichter ineinanderzuschieben, Regimenter heranzubeordern, die weiter rückwärts geblieben waren, hie und da nur sprach er im Vorüberreiten zu den Soldaten: "Kinder, mit Gottes Hilfe muss der Tag gewonnen werden!" Auch die Artillerie war verstärkt worden. Skrzynecki erhob die Hand, und wie ein Echo schallte der Ruf zum Angriffe links und rechts; es begann das Geschütz ein neues lebendiges Feuer, alle massen setzten sich im Sturmschritt in Bewegung, die Russen wurden überwältigt, die untergehende Sonne fand sie auf der Flucht immer tiefer nach der russischen Grenze hin gegen Iganie und Siedlce. Dembe Wielkie war der zweite Siegesort Skrzyneckis. Er bewies da zum ersten Male die unerschütterliche, unbiegsame Hartnäckigkeit in dem einmal Begonnenen, die sich später so oft wieder an ihm herausstellt. Langsam, vorsichtig, oft allzu bedenklich ging er an die Unternehmungen, aber das einmal Begonnene führte er mit der tödlichen Ruhe eines Fanatikers zu Ende, der sich dem einmal gefassten Entschlusse verfallen glaubt. Es ist dies vielleicht ein religiöses Element, das bei Skrzynecki überhaupt mehr hervortritt als das nationale. Von der polnischen Volkstümlichkeit bemerkt man ausser der schwärmerischen Vaterlandsliebe fast nur das elegische Wesen an ihm, welches sich so leicht über ein unterdrücktes Land verbreitet, und sich zu einer schwärmerischen Religiosität ausdehnt.
Hier sah Valerius den neuen Generalissimus zum ersten Male deutlich. Von einigen Offizieren begleitet ritt er bei den letzten Strahlen der noch kraftlosen Frühlingssonne in das Dorf ein. Das Antlitz strahlte, als ob ein Gebet darauf ausgebreitet wäre, und das matte aber grosse Auge richtete sich einen Moment lang nach der Himmelsdecke. Dann nahm der Held des Tages ein Glas hervor, betrachtete noch einmal in grösserer Nähe die eroberte Stellung, und gab einige Befehle. Er ritt, wie es schien, noch dasselbe hohe Pferd, das ihn bei Wavre getragen hatte; nachlässig sass die grosse, edle Figur darauf, aber ein Reitverständiger konnte schnell erkennen, dass es nicht die Ungeschicklichkeit Friedrichs II. oder die Napoleons in der edlen Reitkunst war, welche aus seiner nachlässigen Stellung hervorguckte, sondern vielmehr die erworbene Sicherheit, welche natürliche Anlage und eine stete Übung erzeugt. Die langen Beine des Reiters lagen fast wie eingewachsen am Sattel, und der schön proportionierte volle Oberkörper wiegte sich leicht und gerade in unbekümmerter Sicherheit. Der sanfte, nachdenkliche Ausdruck seines Gesichts, welchen die Siegesfreude nur flüchtig verdrängt hatte, das sinnende poetische Auge erinnerten eher an einen Denker, und nur zuweilen schärfte der Ernst seiner Züge die weichen Formen bis zum befehlshaberischen, kriegerischen Ansehen.
Die Order für die Kickischen Ulanen, den tätigsten Anteil an der Verfolgung des Feindes zu nehmen, unterbrach die Betrachtung des Deutschen. Er konnte nur noch einen flüchtigen blick auf den neben Skrzynecki reitenden Prondzinski werfen, und fort riss ihn die rasche Bewegung seines Regiments.
Jetzt begann nun das eigentliche Lager- und Biwakleben des polnischen Heeres, der Feind wurde zwar immer wieder auf der Chaussee zurückgedrängt, bei und in Iganie selbst, das Prondzinski mit dem Bajonett in der Hand nehmen liess, in einem mörderischen Gefechte geschlagen, und bis hinter Siedlce, den Hauptort seiner Magazine und Kranken, zurückgeworfen. Aber der vorsichtige, bedenkliche Skrzynecki wagte nicht weiterzudringen, in Siedlce war ein Lazarett mit Cholerakranken, er betrat diese Stadt nicht, und der blutige Sieg bei Iganie wurde nicht weiter verfolgt. allmählich zog der Gegner Diebitsch seine Truppen enger zusammen und rückte mit überlegenen Kräften wieder vor, und so trat