1833_Laube_131_121.txt

ein glänzender Speisesaal, in dem wir uns befanden. Ich blieb ein wenig zurück, Prondzinski trat hinter Skrzyneckis Stuhl, und sie sprachen leise, aber eifrig und lebhaft miteinander. Fröhlich kam er zurück und führte mich wieder von dannen. 'Endlich ist er entschlossen, um zwölf Uhr kündigt er der Gesellschaft an, dass es gegen den Feind geht, eine Minute darauf ist er im Sattel.' – Nun flogen wir, den Befehl zum Abmarsch zu verbreiten, die Truppen waren schon konsigniert, die Weichselbrücke ward mit Stroh beschüttet, wenn Sie hinausgehen wollen, so können Sie den gespenstischen Zug der ganzen Armee betrachten."

"Wohin?"

"Um zwölf Uhr spricht Skrzynecki das Wort aus, eher erfährt's niemand, und die Vorsicht ist gut, in der Stadt ist's unsicherer als im Lager."

"Wo find' ich Sie um zwölf?"

"Zu Pferde an der Weichselbrücke."

Sie gingen zurück in den Salon. Valerius hätte um alles in der Welt gern ein Wort zu Konstantien gesprochen, aber sie war umlagert von allen Seiten; er stand wie auf Kohlen. Er winkte ihr mit den Augen, sie schien ihn zu verstehen, aber der alte Graf schien es ebensogut bemerkt zu haben. Die Situation war peinlich.

Es schlug zehn. Da brachen alle Militärs auf, in der Verwirrung konnte er sich der Fürstin nähern und ihr zuflüstern: "In einer halben Stunde bin ich da." "Das ist zu zeitig," erwiderte sie schnell, "nicht wahr, lieber Onkel, der Graf Kicki ist den ganzen Abend nicht hier gewesen, Herr von Valerius will es besser wissen."

Der alte Herr war nämlich sachte an das Pärchen herangetreten, und hatte vielleicht schon gehorcht; Konstantie suchte ihn zu täuschen und sprach weiter in ihn hinein; Valerius konnte nicht länger warten.

Magyac kam ihm zu haus schon gerüstet entgegen, er hatte schmerzlich auf den Herrn gewartet, da er von einem Aufbruche der Truppen unterrichtet war. Jetzt jubelte er laut, als ihm dieser entgegenrief: "Taddäus, die Pferde satteln, meine Uniform!"

"Ich hab's gewusst," schrie er lustig, "dass Sie so sprechen würden, ich hab' meinen Herrn gekannt, Sie mochten sagen, was Sie wollten. Alles fertig, die Pferde schon gezäumt, hier, hier Uniform, Degen, Kaskett, Pistolen sind geladen, fest geladen, Herr, Patrontasche voll, Herr, draussen auf der Weichselbrücke, das ist ein Leben, seit zwei Stunden dauert der Zug schon, unsere Truppen, Herr, unsere Truppen, ein Heer, ein echtes Heerwohin geht's, Herr?" setzte er leiser hinzu.

"Auf der brücke werde' ich dir's sagen, um dreiviertel zwölf, Schlag dreiviertel zwölf reiten wir." – Er bezeichnete ihm einen Platz wo er ihn mit den Pferden erwarten sollte. – "Halt da, den Schlüssel aus meinem Rock."

"Herr, dass Sie die Uhr nicht verhören." Valerius flog davon, lachend über Magyacs Äusserung, der mit der Schlauheit seiner Nation den Zusammenhang zwischen dem Schlüssel und der Eile erraten zu haben schien.

Es war halb elf, als Valerius an der Tür des Gartenhauses stand. Sie hatte gesagt, es sei zu zeitig, er konnte auf einen ihrer Domestiken stossen, die sie vielleicht noch nicht hatte entfernen könnenaber es blieb ihm nur eine starke Stunde, entschlossen öffnete er die Tür, und tappte durch den gang, die Treppe hinauf. Hier horchte er, wirklich wurde drinnen eben eine Tür zugeschlagen, dann ward es stiller öffnete. Konstantie stand mitten im Zimmer und lauschte nach den vordern Gemächern. Sie winkte ihm mit der Hand, stehen zu bleiben, und schalt mit leiser stimme: "Unbesonnener! Ich habe mich nicht können umkleiden lassen, meine Kammerfrau hat noch die nächste Tür in der Handendlich, jetzt ist sie fort."

Valerius flog auf sie zu und drückte sie herzend und küssend mit einem arme an sich, mit dem andern hielt er den Säbel, um kein Geräusch zu machen. Der weisse Schal glitt unter seiner Hand von den Schultern, und während Konstantie seine Liebkosungen erwiderte, schob er ihn unter den Mantel.

"Was machst du da?" Wit den Worten schlug sie ihm den Mantel auseinander. "In Uniform? Himmel, was soll das bedeuten? Sprich schnell."

Valerius legte seinen Säbel ab und lachte. Er hatte ihr nichts sagen wollen, aber sie bat so gut, so dringend: "Sei nicht falsch, Valerius, erzähle!"

Er erzählte. Konstantie regte sich nicht, ihre Augen aber verliessen die seinen nicht. "Also nur eine Stunde noch!" sagte sie endlich mit schwacher stimme, "und ich sehe dich vielleicht nie wieder." Ein Schauer überflog den ganzen Körper, und sie setzte noch leiser hinzu: "Es wäre entsetzlich! Ich liebe das Leben über alles; aber ich weiss nicht, wie ich ohne dich leben sollbleib; was gehen dich die Leute an, bleib', Geliebter!" Dabei rollten grosse Tränen über ihre Wangen.

"Konstantie!" erwiderte Valerius, "wie bist du reizend in dieser Schwäche, lass mich die Tränen hinwegküssen von diesem gesicht, das nicht für Tränen geschaffen ist, aber wenn sie getrocknet sind, wirst du nicht