das heisseste Weib erschreckt – o, ich war nie so glücklich."
Er küsste sie auf das Herz, und seine Wange daran lehnend und mit der Hand ihr Gesicht herabziehend, sprach er wie in einer trunkenen Schwärmerei: "Sieh, Konstantie, ich bin ein Träumer – du hast mich oft so gescholten, und du hast mich recht gescholten, sieh und höre, wie ich träume: ich habe einen herrlichen schönen Gott, er ist mir überall, wo sich mir eine Schönheit, eine Tätigkeit, eine Bewegung offenbart, er rauscht in den Bäumen, in den Wellen, er sieht aus der feuchten Pflanze, wenn sie sich öffnet, er spricht aus dem mund eines Volkes, aus dem mund eines unbedeutenden Menschen, aus jedem Moment der Tagesgeschichte, aber so lieb, und so klar und bezaubernd hat er noch nimmer zu mir gesprochen, als heute aus deiner Schönheit. Aus deinem Busen klopft er in meine Wange, aus der weissen Haut und der vollkommenen Form deiner Schulter lacht er mir in die Augen wie der unverhüllte alte und ewig junge Reiz der Griechen. Hier, wo das Kleid, das widerspenstige, mich hindert, mehr als ein Stück deines stolzen Oberarmes zu sehen, hier beginnt die verschleiernde Romantik – nicht doch, sieh, die schwache Seide weicht der Gotteit, o Weib, was bist du schön!"
Konstantie verschloss ihm den Mund mit Küssen: "Mann meines innersten Herzens, ich hasse, ich fürchte den Tod, aber jetzt könnt' ich sterben, in deinem schönen Gotte vergehen."
"Horch, wie dein Herz klopft, Weib, dies Leben hebt über alle Schönheit hinaus; das ist wieder mein Gott, Weib meines süssen Glücks, horch, wie dein Herz klopft, warum jauchzt es so, weisst du's?"
"Mein Herz klopft wild beweglich,
Es klopft beweglich wild,
Weil ich dich lieb' unsäglich,
Du liebes Menschenbild!"
erwiderte sie stürmisch mit den Worten des Dichters, und die Liebkosungen schlugen wieder zusammen über dem zärtlichen Paare mit ihren hohen strahlenden Wogen.
Es scheint ein Widerspruch zu sein mit der raschen, forteilenden Empfindung, dass Liebende in der höchsten Bewegung ihrer leidenschaft die schwierigsten Gedanken des menschlichen Geistes berühren, über die wichtigsten Interessen des Menschen mit wenig Worten entscheiden. Aber es ist keiner, und die Erscheinung ist wahr und alltäglich. Alle höheren Kräfte sind aber auch in solchen Momenten entwickelt, wirksam, tätig, das Herz liegt weit geöffnet und gibt sie frei, all seine besten Gedanken, und es ist ein altes Wort: die besten Gedanken kommen aus dem Herzen.
Zwischen die Zärtlichkeit unserer Liebenden drängten sich gespräche, Ausrufungen, einzelne Sätze der mannigfaltigsten Art. Sie entwickelten sich auch gegenseitig ihren Charakter, und Konstantie konnte nicht müde werden, ihrem Geliebten vorzuwerfen, dass er sich zu trübe, zu nachteilig beurteile. "Was du so anklagst," sagte sie, "dies ewig nachdenkliche, prüfende, befangene Wesen, das hat mich zu dir gezogen, gleich als ich dich das erstemal gesehen hatte. Wir Frauen sind alle unbefangen; wenn wir eine Zukunft von drei Tagen bedenken, so ist das schon ungewöhnlich, die Zukunft ist der Männer, darum ist der Mann am gefährlichsten für uns, der sie zu beherrschen, sich zu sichern, zu unterwerfen trachtet. Wir sehen, dass er für etwas sorgt, wofür wir kein Auffassungsvermögen haben, und das gewährt ihm eine grosse Überlegenheit, wir fühlen uns gesicherter, gehoben in seiner Nähe; die unbekannten Mächte, die er bewältigen will, weben ein Geheimnis um sein Wesen, das uns reizt und anzieht, und so kommt das gar bald, was du Poesie nennst, was uns Interesse, Liebe heisst. O, ihr Männer mögt diesen Zauber gar nicht empfinden: wenn du in die Gesellschaft tratst und das Gespräch ergriffst, und es mit wenig Worten bedeutsamer machtest, da wachten die süssesten Ahnungen in mir auf von höheren, schöneren Dingen. Ich kann sie dir nicht schildern, ich hatte keine Namen dafür, aber sie waren da, sie kommen täglich wieder mit deinem dunklen, sinnenden Auge, mit deinen wunderlichen, schweren Worten, die immer so anders sind als die der gewöhnlichen Leute. All mein Stolz war neben dir entwaffnet, mein Verstand mochte noch so schnell operieren, er misstraute seinen Worten, wenn ich sie vor dir aussprach, alles war leer neben den deinen, es fehlte eben jene Anknüpfung an andere Welten, die wie ein hervorhebender Schatten auf deinen kleinsten Gedanken lag. Was hab' ich mich gescholten, wenn mein Herz dir so offen entgegensprang, was hab' ich gelitten bei deinem Zurückhalten; wie arm, wie unbedeutend kam ich mir vor, wie bitter hab' ich geweint, dass ich nicht geistigen Zauber genug besässe, dich zu fesseln, und weinend hab' ich den Spiegel geschlagen, dass er lüge, dass ich nicht schön sei, oder doch eine leere, uninteressante Schönheit – lache immer, küsse immer, du Schelm, wir wissen's so gut, dass wir schön sind, wie ihr, wenn ihr geistreich seid.
Glaubst du, dass es mich innig freut, so alten Stolz, sogar den nötigen Stolz gegen dich vergessen zu haben – sieh, diesen, gerade diesen Kuss hab' ich immer dafür erwartet, o, du bist gut und lieb; und noch viel zu stolz bin ich gewesen.
Wie kannst du fragen, was