mein Herz zerspringt vor Freude und Verlangen – drüben in der andern Strasse, an der tür des Gartenhauses, warte einen Augenblick – tritt einen Schritt zurück, dort unter die Laterne, dass ich dein Auge sehe, dein liebes Auge – nun geh schnell, ich fliege."
Trunken vor Seligkeit schwankte Valerius hinweg und suchte jene Strasse. "Himmel, warum hast du an einem solchen Abende keine Sterne!" rief er mit freudebebender stimme. Aber es war eine schwere Aufgabe für ihn, die Front des Gartenhauses zu finden; er hatte sie nie gesehen von dieser Seite, die Strasse war dunkel und lang, sein Wesen war in taumelnder Bewegung und nicht eben geeignet, viel lokale Kombination zu entwickeln, um aus der Lage des Palais auf die des Hintergebäudes schliessen zu können. Unsicher schlich er an vier bis fünf Häusern auf und nieder, unter denen er seine Glückspforte verborgen glaubte, eine beklemmende Angst kam über ihn, dass ihm das Glück wieder entschlüpfen könne. Alles war still, keine Tür bewegte sich.
"Ich Unglückskind," rief er, "ich bin gewiss am falschen Orte!" Und dabei ging er einige Schritte weiter. Aber hinter sich glaubte er jetzt Geräusch zu hören – wirklich, eine Tür war offen, er trat hinein, eine weiche warme Hand ergriff ihn. Die Tür ward zugeschlagen, und im Dunkeln gingen sie leise durch den Salon des Gartenhauses, durch den bedeckten gang, eine schmale Treppe hinauf, seine Begleiterin öffnete eine Tür, und er sah Konstantien neben sich in einem hohen, schönen Gemach, das eine von der Decke herabschwebende Lampe erhellte.
Mit dem Ausrufe "Valerius, mein Valerius!" schlang sie stürmisch die arme um ihn und drückte den Kopf tief in seine Schulter.
Er küsste ihr den Hals und bedeckte sich das Gesicht mit ihren aufgelösten Haaren. Sie sprachen lange kein Wort.
Endlich begann er leise, ganz leise: "Wie konntest du uns so peinigen und meine Liebe nicht sehen!"
Konstantie richtete sich auf, und einen Schritt zurücktretend legte sie ihm die bebende Hand auf den Mund: "Nichts, nichts davon, mein Lieber; o ich bin unaussprechlich glücklich!"
Auge in Auge blieben sie wiederum lange schweigend. Konstantie glich der Gestalt einer stolzen Göttin, die alles vergisst und nur in ihrer leidenschaft schwelgt. Überwältigendes Glück strahlte aus ihren glänzenden Augen, unter dem leichten schwarzseidenen Gewande glaubte man das Herz schlagen, Blut und Muskeln in Freude hüpfen zu sehen, so drängten sich die strebenden Glieder der hohen Figur hinüber zu dem Geliebten. Es glich der schöne, sich neigende Körper einer zauberhaften sinnlichen Ahnung, dass sich zwei Menschen im nächsten Augenblicke umarmen, bis zur Todeslust umarmen, bis zur Auflösung alles Sinnlichen ineinander fesseln und drängen würden.
Und so erfasste denn auch Valerius den schönen, in Freude und Liebe zitternden Leib, wie er seiner zu harren schien, er hob ihn mit schwellenden Armen an sein Herz, und sie zerstörten sich beide fast in leidenschaftlichem Pressen und Drängen.
Nach diesem ersten Sturme so lange zurückgehaltener Gefühle brachen die Tränen heiss mit strömend aus Konstantiens Augen – die Tränen fehlen nimmer, wenn die Gotteit in uns rege wird, und hier brachen sie die immer noch schmerzliche sehnsucht des Weibes; ihr Antlitz, ihre gespannten arme, ihr ganzer straffer Körper wurde weich und nachgiebig, und die Rede, sanft und innig wie der tiefste verborgenste Ton der Seele, trat wieder auf die Lippen. Und diese Lippen küssten jetzt mild und schmeichelnd.
"Du hast meine ganze Seele, Valerius, und ich weine, dass ich nicht mehr für dich habe, und ich weine, dass ich glücklich bin wie ein Kind, das in den Himmel kommt."
Valerius trug die zusammensinkende Geliebte auf ein kleines Taburett, das neben dem Sofa stand, kniete vor ihr nieder, legte den Kopf in ihren Schoss und bedeckte sich bald die Augen mit ihren willenlosen, nachgiebigen Händen, bald führte er sie an seine Lippen.
Sie waren so selig und ruhig nach jenem Sturme, dass sie sich einmal über das andere zuflüsterten: "Hörst du, Konstantie, siehst du, Valerius, wie die kleinen rosenroten Engel um uns herflattern und sich küssen und Geschichten erzählen von der Liebe Gottes und seiner Menschen."
Das sind Augenblicke, wo die Menschen unmittelbar mit schönen Welten verkehren, wo sie jene Ahnungen von Gottes unergründlicher Liebe, von unendlichen Freuden ausserhalb dieses Lebens tief einsaugen in das offene, empfängliche Gemüt. Wenn der Mensch den Menschen am erschöpfendsten liebt, da gehen alle Geheimnisse der Welt vor ihm auf. Denn in der Liebe ruht das Geheimnis der Schöpfung, sie "spricht mit Engelszungen".
Valerius richtete sich allmählich wieder in die Höhe, und seine Blicke legten sich wie die Liebe selbst in die Augen und das süsse Antlitz des Weibes. Er dachte nichts, er wusste nicht, was er fühlte, aber die Schönheit dieses Angesichts flocht und weckte sich durch Leib und Geist mit ihrer klaren wohltuenden Gewalt. Er hatte keinen Wunsch, als sie anzublikken, alle Schönheitsfreude durchrieselte ihn dabei wie ein frischer Bach. Konstantiens schwarzes Kleid war zugeknöpft bis an den Hals, langsam öffnete er's und streifte es herab über die blendende Achsel, welche hervorleuchtete, über die hochgewölbte Brust.
Sie liess alles ruhig geschehen und wendete ihr Auge nicht ab von seinem blick: "Du bist so rein, Valerius, so frei von jener groben männlichen Sinnlichkeit, die auch