so gut als die übrigen alle ihr und ihrem Kreise schon angehörte.
Ein stark einfallender Regen hinderte die Gesellschaft, auf die Weise nach haus zu kehren, wie sie gekommen war. Einige Equipagen fuhren vor, in welche man die Fussgänger verteilte; nur der Lieutenant, unter dem Vorwande, man sitze ohnehin schon zu enge, liess den Vater fortfahren und blieb zurück.
Der Major, als er in sein Zimmer trat, fühlte sich wirklich in einer Art von Taumel, von Unsicherheit seiner selbst, wie es denen geht, die schnell aus einem Zustande in den entgegengesetzten übertreten. Die Erde scheint sich für den zu bewegen, der aus dem Schiffe steigt, und das Licht zittert noch im Auge dessen, der auf einmal ins Finstere tritt. So fühlte sich der Major noch von der Gegenwart des schönen Wesens umgeben. Er wünschte, sie noch zu sehen, zu hören, sie wieder zu sehen, wieder zu hören; und nach einiger Besinnung verzieh er seinem Sohne, ja er pries ihn glücklich, dass er Ansprüche machen dürfe, soviel Vorzüge zu besitzen.
Aus diesen Empfindungen riss ihn der Sohn, der mit einer lebhaften Entzückung zur tür hereinstürzte, den Vater umarmte und ausrief: "Ich bin der glücklichste Mensch von der Welt!" Nach solchen und ähnlichen Ausrufen kam es endlich unter beiden zur Aufklärung. Der Vater bemerkte, dass die schöne Frau im Gespräch gegen ihn des Sohnes auch nicht mit einer Silbe erwähnt habe. – "Das ist eben ihre zarte, schweigende, halb schweigende, halb andeutende Manier, wodurch man seiner Wünsche gewiss wird und sich doch immer des Zweifels nicht ganz erwehren kann. So war sie bisher gegen mich; aber Ihre Gegenwart, mein Vater, hat Wunder getan. Ich gestehe es gern, dass ich zurückblieb, um sie noch einen Augenblick zu sehen. Ich fand sie in ihren erleuchteten Zimmern auf und ab gehen; denn ich weiss wohl, es ist ihre Gewohnheit: wenn die Gesellschaft weg ist, darf kein Licht ausgelöscht werden. Sie geht allein in ihren Zaubersälen auf und ab, wenn die Geister entlassen sind, die sie hergebannt hat. Sie liess den Vorwand gelten, unter dessen Schutz ich zurückkam. Sie sprach anmutig, doch von gleichgültigen Dingen. Wir gingen hin und wider durch die offenen Türen die ganze Reihe der Zimmer durch. Wir waren schon einigemale bis ans Ende gelangt, in das kleine Kabinett, das nur von einer trüben Lampe erhellt ist. War sie schön, wenn sie sich unter den Kronleuchtern her bewegte, so war sie es noch unendlich mehr, beleuchtet von dem sanften Schein der Lampe. Wir waren wieder dahin gekommen und standen beim Umkehren einen Augenblick still. Ich weiss nicht, was mir die Verwegenheit abnötigte, ich weiss nicht, wie ich es wagen konnte, mitten im gleichgültigsten Gespräch auf einmal ihre Hand zu fassen, diese zarte Hand zu küssen, sie an mein Herz zu drücken. Man zog sie nicht weg. 'Himmlisches Wesen', rief ich, 'verbirg dich nicht länger vor mir. Wenn in diesem schönen Herzen eine Neigung wohnt für den Glücklichen, der vor dir steht, so verhülle sie nicht länger, offenbare sie, gestehe sie! es ist die schönste, es ist die höchste Zeit. Verbanne mich oder nimm mich in deinen Armen auf!'
Ich weiss nicht, was ich alles sagte, ich weiss nicht, wie ich mich gebärdete. Sie entfernte sich nicht, sie widerstrebte nicht, sie antwortete nicht. Ich wagte es, sie in meine arme zu fassen, sie zu fragen, ob sie die Meinige sein wolle. Ich küsste sie mit Ungestüm; sie drängte mich weg. – 'Ja doch, ja!' oder so etwas sagte sie halblaut und wie verworren. Ich entfernte mich und rief: 'Ich sende meinen Vater, der soll für mich reden!' – 'Kein Wort mit ihm darüber!' versetzte sie, indem sie mir einige Schritte nachfolgte. 'Entfernen Sie sich, vergessen Sie, was geschehen ist.'"
Was der Major dachte, wollen wir nicht entwikkeln. Er sagte jedoch zum Sohne: "Was glaubst du nun, was zu tun sei? Die Sache ist, dächt' ich, aus dem Stegreife gut genug eingeleitet, dass wir nun etwas förmlicher zu Werke gehen können, dass es vielleicht sehr schicklich ist, wenn ich mich morgen dort melde und für dich anhalte." – "Um Gottes willen, mein Vater!" rief er aus, "das hiesse die ganze Sache verderben. Jenes Betragen, jener Ton will durch keine Förmlichkeit gestört und verstimmt sein. Es ist genug, mein Vater, dass Ihre Gegenwart diese Verbindung beschleunigt, ohne dass Sie ein Wort aussprechen. Ja, Sie sind es, dem ich mein Glück schuldig bin! Die achtung meiner Geliebten für Sie hat jeden Zweifel besiegt, und niemals würde der Sohn einen so glücklichen Augenblick gefunden haben, wenn ihn der Vater nicht vorbereitet hätte."
Solche und ähnliche Mitteilungen unterhielten sie bis tief in die Nacht. Sie vereinigten sich wechselseitig über ihre Plane; der Major wollte bei der schönen Witwe nur noch der Form wegen einen Abschiedsbesuch machen und sodann seiner Verbindung mit Hilarien entgegengehen; der Sohn sollte die seinige befördern und beschleunigen, wie es möglich wäre.
Viertes Kapitel
Der schönen Witwe machte unser Major einen Morgenbesuch, um Abschied zu nehmen und, wenn es möglich wäre, die Absicht seines